Campino zum Streit mit Böhmermann "Viele haben Schiss, als uncool dazustehen"

Campino ätzt gegen Jan Böhmermann - oder doch nicht? In seiner Echo-Rede sprach der Hosen-Sänger vom "Böhmermannschen Zeitgeistgelaber". Er sei lieber uncool, als "ein cooles Arschloch". Jetzt erklärt er, wie das gemeint war.
Campino auf der Echo-Verleihung 2017

Campino auf der Echo-Verleihung 2017

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Campino, 54, bürgerlich Andreas Frege, ist Sänger und Frontmann der Musikgruppe Die Toten Hosen. Im Mai erscheint ihr neues Album "Laune der Natur".

SPIEGEL ONLINE: Campino, Sie hatten gestern auf der Echo-Verleihung ganz schön Wut im Bauch.

Campino: Quatsch. Das ist mein normaler Gesichtsausdruck. Ich war völlig entspannt.

SPIEGEL ONLINE: Sie haben Jan Böhmermann relativ offensichtlich ein Arschloch genannt.

Campino: Ich glaube, ich habe ganz gutes Deutsch gesprochen. In keiner Weise bezieht sich dieser Arschloch-Satz in diesem Moment explizit auf Böhmermann. An ihn habe ich gar nicht gedacht.

Campino-Zitat im Wortlaut

"Vielleicht bin ich da ein bisschen altmodisch und konservativ, aber im Gegensatz zu diesem Böhmermannschen Zeitgeistgeplapper finde ich durchaus, dass Musik und soziales Engagement zusammen passen und ich möchte hiermit jeden Künstler aufrufen, sich nicht den Schneid abkaufen zu lassen, wenn er sich für irgendwas sozial engagieren will oder sich nützlich machen will. Nur noch ein Satz zu diesem Thema: Lieber uncool sein als ein cooles Arschloch, das nicht in der Lage ist, sich konstruktiv einzubringen. Vielen Dank. In diesem Sinne: Film ab für Viva Con Agua."

SPIEGEL ONLINE: Nun ja, Sie haben von einem "Böhmermannschen Zeitgeistgelaber" gesprochen.

Campino: In einem anderen Zusammenhang. Ich wusste nicht, wie ich es anders ausdrücken soll. Ich meinte nicht ihn als Person. Es geht um diese Art von Typen, die lächelnd und mit zynischen Gags versuchen, Leute kleinzureden, die sich engagieren.

SPIEGEL ONLINE: Also keine Retourkutsche, weil er sich in seiner Sendung über Ihre Unterstützung rund um Bob Geldofs deutsches "Band Aid"-Projekt lustig gemacht hat?

Campino: Nein. Aber seitdem kann ich über den Typen nichts sagen, ohne dass man denkt, ich hätte ein persönliches Ding mit ihm.

SPIEGEL ONLINE: Ich hatte da auch einen Zusammenhang gesehen.

Campino: Ich habe eine normale Rede gehalten. Die kann heute Abend jeder gucken und dann entscheiden, ob ich ein humorloser gekränkter Künstler bin. Aber das wäre doch jämmerlich.

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SPIEGEL ONLINE: Was wollten Sie dann mit Ihrem Statement?

Campino: Ich beobachte zunehmend, dass Bands in Deckung gehen, aus Angst anzuecken. Wenn du heute ein politisches Festival organisieren willst, dann ist das verdammt schwer. Viele Künstler haben Schiss, als uncool dazustehen. Drei Wochen später heißt es dann wieder: Wieso sind deutsche Bands nicht mehr politisch?

SPIEGEL ONLINE: In seinem neusten Video kritisiert Böhmermann die Kommerzialisierung des Echos. Wie fanden Sie eigentlich die Verleihung?

Campino: Der Echo ist eben der Echo. Das ist die Jahresveranstaltung der Tonträgerindustrie. Soll ich jetzt anfangen wie ihr und mich über die Moderation lustig machen? Macht ihr doch mal eine originelle Berichterstattung dazu. Das wäre ein Anfang.