Sängerin Gemma Ray Gefährlicher Geheimtipp

Die Musik der Britin Gemma Ray gilt als cooler Geheimtipp. Wer mit ihr im Vorprogramm auf Tournee geht, sollte gut in Form sein, um nicht so alt auszusehen wie zuletzt Marianne Faithfull.

Bronzerat Records

Für Marianne Faithfull muss Gemma Ray ein Alptraum gewesen sein. Die betagte Diva hatte neulich für ihre Deutschland-Tournee die junge Britin Ray als Vorprogramm im Gepäck. Natürlich liegen die aufregenden Tage der Marianne Faithfull etwas zurück, und es ist klar, dass die Ex-Gespielin von Sir Mick Jagger nur noch ihre eigene Legende verwaltet.

Wer also in der vergangenen Woche in der Hamburger Fabrik auftauchte, erwartete keine Experimente, sondern bewährte Faithfull-Oldies wie "As Tears Go By" oder "Broken English". Die Art von Publikum also, die in der Regel wenig an neuen, unvertrauten Klängen interessiert ist. Es ist traditionell üblich, dass das Publikum in Vorprogrammen auftretende Musiker mit Nichtbeachtung straft, Getränke holt, laut plaudert oder rausgeht zum Rauchen. Umso erstaunlicher war es, wie souverän Gemma Ray das Faithfull-Publikum begeisterte. Mit hochgesteckten Haaren, Kleid und umgehängter Gitarre stand Ray da allein auf der Bühne und sang inbrünstig ihre Songs vor schweigenden Menschen.

Ray bot Melodien zwischen Rockabilly und Italowestern, die oft klangen, als wären sie für eine einsame Bar in einem David-Lynch-Film geschrieben. Die gute Nachricht für Marianne Faithfull war, dass ihr Publikum begeistert Rays Songs beklatschte, die schlechte war allerdings, dass Faithfull an die Wand gespielt wurde und ihre eigene routinierte Oldie-Revue danach noch viel trister daherkam.

Lässiges Jonglieren

Vor allem aber wurde klar, warum Gemma Ray seit einigen Jahren als großes Talent gehandelt wird. Journalisten beklatschen ihre Musik, und prominente Kollegen wie Led Zeppelins Jimmy Page und die Sparks preisen ihre Begabung.

Vier exzellente Alben veröffentlichte die in Essex geborene und in Berlin lebende Musikerin in den vergangenen Jahren, zuletzt das tolle "Island Fire". Gern wird Gemma Rays Sound als eklektisch gerühmt, weil sie mit leichter Hand allerlei coole, mitunter obskure Genres zitiert. Sie jongliert lässig mit Versatzteilen von Beat, Soul, Surfer-Rock'n'Roll, Western-Soundtracks, Girl-Group-Pop und knisterndem Blues. Ihre Kunst besteht darin, dass ihre eigenen Songs trotzdem individuell und frisch klingen.

Ihr einziges Problem ist, dass ihr Status als Geheimtipp nicht zur Routine werden darf. Denn Geheimtipp bedeutet eben auch, kein großes Publikum zu haben und nichts Nennenswertes zu verdienen. So ist ihr ein cooler Hit zu wünschen wie "As Tears Go By", der bis heute viele Menschen zu belanglosen Marianne-Faithfull-Konzerten lockt.

In diesen Tagen ist Gemma Ray wieder auf Tournee, mit eigener Band und als Hauptattraktion. Zu Recht!


CD
Gemma Ray: Island Fire. Bronzerat Records; 13,99 Euro.

Tournee
29.7. Berlin; 9.8. Hamburg; 10.8. Münster.



insgesamt 19 Beiträge
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Seite 1
boer640 27.07.2012
1. Geheimtipp
..bleibts auch nicht, wenn's bei SPON steht;-)
tanzschule 27.07.2012
2.
Zitat von boer640..bleibts auch nicht, wenn's bei SPON steht;-)
naja wasich bei youtube gehört hab reisst mich nicht vom hocker. aber so kleinmädchenstimmen sind ja jetzt beliebt.
Dschey 27.07.2012
3. Hmm
Zitat von sysopBronzerat RecordsDie Musik der Britin Gemma Ray gilt als cooler Geheimtipp. Wer mit ihr im Vorprogramm auf Tournee geht, sollte gut in Form sein, um nicht so alt auszusehen wie zuletzt Marianne Faithfull. http://www.spiegel.de/kultur/musik/0,1518,846602,00.html
also entweder Amazon hat ein Problem mit dem reinhören bei der guten Dame oder da sind wirklich so gruselig schlecht aufgenommene Stücke auf den CD's.
Super-Piffi 27.07.2012
4.
Zitat von Dscheyalso entweder Amazon hat ein Problem mit dem reinhören bei der guten Dame oder da sind wirklich so gruselig schlecht aufgenommene Stücke auf den CD's.
Nicht alles, was aus GB kommt, ist cool. GR ist einfach langweilig. Gute Musik kommt augenblicklich nicht aus GB.
ancoats 27.07.2012
5. Aha.
Zitat von Super-PiffiNicht alles, was aus GB kommt, ist cool. GR ist einfach langweilig. Gute Musik kommt augenblicklich nicht aus GB.
Und? Lassen Sie uns an Ihrem Herrschaftswissen teilhaben, indem Sie uns erzählen, wo "die gute Musik" augenblicklich herkommt? Sagen Sie jetzt aber bitte nicht: USA, sonst bin ich enttäuscht. Was Gemma Ray angeht: definitiv gehypt, aber streckenweise durchaus interessant, wenn man die Abteilung "empfindsame, auch mal dunkle, aber dennoch taffe Mädels"-Musik mag...
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