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Cecil Taylor gestorben: Bilder eines Free-Jazz-Pioniers

Zum Tode Cecil Taylors Das Klavier, ein Schlagzeug mit 88 Trommeln

Seinen Improvisationen konnten andere Musiker kaum folgen: Cecil Taylor war ein genialer Außenseiter mit flamboyantem Auftreten. Nun ist der Free-Jazz-Pianist gestorben. Er wurde 89 Jahre alt.

"Ich hätte niemals gedacht, dass drei Leute so viel Musik spielen können", soll John Coltrane gesagt haben, als er das Cecil Taylor Trio 1962 live erlebte. 1958 hatten Coltrane und Taylor, die heute neben Ornette Coleman und Albert Ayler als Pioniere des Free Jazz gelten, zusammen aufgenommen. Das ging nicht gut.

Cecil Taylor war kein begleitender Pianist. Schon als er 1955 nach New York kam, konnte sich niemand seine Spielweise erklären. Und der Schock über seine radikale und stets so locker ausgespielte Originalität hielt bis zu seinen letzten Auftritten an.

Sie erforderte ein anderes Hören, das sich nicht auf Themen, Akkordwechsel, klassische Rollenaufteilungen verlassen konnte. Taylors Improvisationen schichteten oft einzelne Motive gleichzeitig, in verschiedenen Tonlagen, bauten erratische Spannungskurven, energetisch, perkussiv. Man konnte sie sich rein akustisch nicht erklären, man konnte allenfalls physisch auf sie reagieren, sonst blieben sie ein weißes Rauschen.

Stockhausen? Cage? "Nicht aus meiner Community"

Viele Jazzkritiker glaubten, in Taylors klassischer Klavierausbildung einen Schlüssel gefunden zu haben, fanden seinen Stil "europäisch", fern jeder Jazztradition. Er selbst sah sich im Kontinuum afroamerikanischer Kultur. Stockhausen? Cage? "Die kommen nicht aus meiner Community." Das Klavier sei für ihn nur ein Schlagzeug mit 88 verschiedenen gestimmten Trommeln.

Cecil Taylor wuchs im New Yorker Stadtteil Queens auf, in einer Mittelschichtsfamilie mit künstlerischen Ambitionen. Seine Mutter, eine Tänzerin, ermutigte ihn zum Klavierlernen. Sie gab ihm einen zweiten Vornamen, Percival. Kein Wunder, dass so einer früh damit anfing, auf eigenen Wegen nach dem heiligen Gral zu suchen.

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Sein musikalisches Außenseitertum korrespondierte von Anfang an mit einer flamboyanten Persönlichkeit, die nicht in die Machowelt des Jazz passte. In einem Interview nannte er Judy Garland im gleichen Atemzug wie Louis Armstrong und Bessie Smith als Vorbild. Als einer der Hohepriester des afroamerikanischen Jazztraditionalismus, Stanley Crouch, Taylor in den Achtzigerjahren in diskriminierender Absicht als "gay" bezeichnete, antwortete er: "Wie kann ein Wort mit drei Buchstaben die Komplexität meiner Persönlichkeit beschreiben?" Cecil Taylors Beitrag zur Musikgeschichte war queer in einem umfassenden Sinn.

Er wirbelte zu "The Power" über die Tanzfläche

Wie im Fall des anderen queeren Freigeistes der Jazzgeschichte, Sun Ra, waren es einige wenige Musiker, die sich als lebenslange Komplizen erwiesen und sich einer solch originellen musikalischen Vision mit Haut und Haaren verschrieben. In Taylors Fall war das vor allem der kongeniale Saxofonist Jimmy Lyons, mit dem er ein emanzipiertes Zusammenspiel entwickelte, das es im Jazz so noch nicht gab. Als Lyons 1986 starb, wurde Taylor kurz orientierungslos.

1988 folgte er einer Einladung zum "Workshop Freie Musik" in Berlin und mischte dort die europäische Jazzszene auf. Die 11-CD-Box "Cecil Taylor in Berlin '88" erhielt den "Preis der deutschen Schallplattenkritik", Taylor wurde im amerikanischen Magazin "Down Beat" zum Pianisten des Jahres gewählt. Musiker erzählen immer noch, dass er in Berliner Klubs ekstatisch zum Snap-Hit "The Power" über die Tanzfläche wirbelte.

Mit niemals nachlassender Energie überforderte der Pianist sein Publikum mit seinen Jazz-, Tanz- und Lyrikauftritten bis zuletzt. Einer seiner letzten Auftritte wurde vor drei Jahren beim Begräbnis des anderen großen Pioniers des Freien Jazz, Ornette Coleman, festgehalten. Auch hier ließ er sein Publikum in Schockstarre zurück: "Was machte er da? War das ein unveröffentlichter Tribut von Débussy an Gamelan-Musik?", fragte sich der Pianist Ethan Iverson. Mit Cecil Taylor verstummt eine Stimme, wie es keine andere gab und geben wird.

Die Plattenfirma FMP, die das Boxset "Cecil Taylor in Berlin '88" veröffentlichte, bestätigte den Tod Cecil Taylors, der zuvor von Musikern und Musikjournalisten in sozialen Netzwerken und Blogs vermeldet wurde. Taylor wurde 89 Jahre alt.

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