Chanteuse Karin Clercq Symbol männlichen Sehnens

Eigentlich war es ein Zufall, dass die belgische Theaterschauspielerin Karin Clercq sich auch als Sängerin versuchte. Kein Zufall ist, dass der blonden Schönheit seitdem besonders die männlichen Musikfans zu Füßen liegen. Das Beste an dem neuen frankophonen Symbol der Sinnlichkeit ist jedoch Clercqs Debüt-Album "Femme X".

Von Stefan Krulle


Sängerin Clercq: Alle drucken sie das gleiche Foto...

Sängerin Clercq: Alle drucken sie das gleiche Foto...

Alle drucken sie das gleiche Foto. Eben jenes, bei dessen Entstehen es, wie die Promoterin der Plattenfirma ein bisschen süffisant bemerkt, "wohl ein wenig kälter im Raum war". Karin Clercq trägt dort ein enges, rotes, dünnes Trägerhemd. Doch all die Blattmacher waren einfach hilflos. Ihre Leser hatten schließlich das Album der Belgierin noch nicht gehört und sie auch bis jetzt auf keiner Bühne gesehen, sonst wären derart billige Mittel der Erotik Makulatur gewesen. Immerhin umgarnt Madame auf "Femme X" ihre Hörer offenbar derart wirkungsvoll, dass ihr in der Heimat und beim Nachbarn Frankreich mittlerweile rote Teppiche ausgerollt und ständig hofierende Komplimente gemacht werden.

Dabei kann Karin Clercq bis heute nicht wirklich erklären, was sie wie gut als Sängerin im Grunde getan hat, "ich werde dauernd auf den Sound meines Albums angesprochen, auf das Songwriting und auf die Arrangements, aber ich sehe mich da als völlig ungeeignete Gesprächspartnerin. Von Musik habe ich nämlich absolut gar keine Ahnung, ich weiß lediglich, dass ich gern, aber nicht einmal, ob ich tatsächlich gut singe." Ein wahrer Glücksfall.

Clercq-Albm "Femme X": Frankophone Rocksongs, die sich eine Jane Birkin nie zu singen traute

Clercq-Albm "Femme X": Frankophone Rocksongs, die sich eine Jane Birkin nie zu singen traute

Als die junge Hoffnung kürzlich in Hamburgs Prinzenbar unter Putten und dickem Stuck auftrat, wurden die Vorzüge echter Unbedarftheit offenbar. Ein Wildfang, der gar nicht ahnte, ein solcher zu sein, gurrte, schnurrte und fauchte sich durch ein famoses Repertoire frankophoner Rocksongs, die einer Guesch Patti noch im Poesiealbum fehlen und die eine Jane Birkin sich nie zu singen traute. Und dann nagt die verheerend schöne Dame an ihrer Unterlippe herum und sagt so Sätze wie "Ich bin doch eigentlich nur eine kleine, unbedeutende Schauspielerin, die manchmal singt." Den Kerl möchte man erleben, der da nicht schwach wird. Karin Clercq kann ihn sich auch nicht vorstellen, aber das sagt sie natürlich niemandem.

Genau in der Mitte des Booklets ihres Erfolgsalbums treibt Karin unter Wasser, und das Sommerkleid rutscht ihr über die Schultern und die langen, blonden Haare umrahmen ihr schönes Antlitz. Links und rechts davon reihen sich die Verse eines Songs, den es so noch nie gegeben hat und der ihrem Album ein grandioses Zentrum schenkt: Sieben Minuten und neunzehn Sekunden lang währt "Kassandre", danach kann der Hörer ein heißes Bad und eine kalte Dusche gleichzeitig brauchen. Ersterer der Wünsche geht aufs Konto jenes Mannes, der im selben Booklet ganz hinten neben der Sängerin steht und über einem blöden Kinnbärtchen einfach nicht lächeln will. Dabei besteht Grund zur Freude, denn Guillaume Jouan ist das Herz und der Motor der Femme X, er hat diese dreizehn Songs um das Bild, das vage Image und die heiße Idee einer Frau dekoriert, die Frankreich endlich ein neues Symbol männlichen Sehnens und weiblicher Entrücktheit bieten könnte, ohne dabei vergilbte Folianten wälzen zu müssen.

Nachwuchsstar Clercq: "Von Musik habe ich absolut gar keine Ahnung"

Nachwuchsstar Clercq: "Von Musik habe ich absolut gar keine Ahnung"

Karin Clercq versichert vorerst noch, "absolut keine Ahnung" zu haben, was plötzlich alle an ihren Liedern finden. "Ich bin Schauspielerin, und dass ich für eine winzige Rolle in einem noch winzigeren Film mal kurz gesungen habe und seither in jeder freien Minute neue Lieder schreibe, ist nur Zufall. Dass ich Guillaume traf, ist auch so ein Zufall. Und dass wir gemeinsam irgendwann daran glaubten, dieses Album könnte eine gute Idee sein, ist der nächste Zufall." Selten haben wir vermutlich derart breit gegrinst. Dann dachten wir an Heike Makatsch. Und an deren erste Beteuerungen, wie fern ihr eine Karriere im Schauspielfach stünde, weil sie ja eigentlich nur zufällig und ungewollt und so... Frauen sind was Wunderbares. Und Frauen wie Karin Clercq sind noch ein bisschen wunderbarer.

Karin Clercq: "Femme X" (Pias) wurde am 12. Mai 2003 veröffentlicht



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