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Linkin-Park-Sänger Chester Bennington: Harte Stimme, weicher Kern

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Sandra Nasic zum Tod von Chester Bennington Der hörbare Teil seiner Seele

Chester Benningtons Lebensweg las sich wie ein Drama - und sein Leid verpackte er mit den Linkin-Park-Songs zu einem geballten Signal. Ein Nachruf von Guano-Apes-Sängerin Sandra Nasic.
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Foto: Jörg Carstensen/ picture alliance / dpa

Sandra Nasic, 1976 in Göttingen geboren, ist eine deutsche Sängerin und Frontfrau der Guano Apes. Zwischenzeitlich saß sie auch in der Jury der Vox-Sendungen "X Factor" und "Sing meinen Song".

Gefühlt häufen sich die Abschiede der bekanntesten Künstler unserer Zeit enorm. Als wäre es etwas Ansteckendes. Oder, als würde mit der neuen digitalen Welt die alte Welt rasend schnell verabschiedet.

Mich persönlich berührte das Verschwinden von David Bowie, Prince, Michael Jackson und Chris Cornell. Cornell ging, weil er, wie Chester Bennington, an starken Depressionen, begleitet von Alkohol, Drogen und Medikamentensucht litt, und diesen ständigen Kampf mit sich nicht mehr gewinnen konnte oder wollte. Es ist womöglich kein Zufall, dass Bennington Todestag der Geburtstag von Cornell ist. Sie kannten sich und ihrer beider Leiden gut.

Benningtons Lebensweg liest sich auch wie ein wirklich trauriges Drama. Von elterlicher Vernachlässigung und Kindesmissbrauch zum Drogenkonsum scheint es wie in vielen solcher Biografien vorprogrammiert, wie ein Albtraum zum Traum und wieder zum Albtraum wird. Ich habe Bennington persönlich nur einmal backstage getroffen, als wir gemeinsam ein Festival bespielten. Er war wahnsinnig höflich, vorsichtig und versuchte, nicht aufzufallen. Er wirkte nachdenklich, gebildet und sich seiner Umwelt bewusst. Ein wirklich sympathischer und sensibler Kollege.

Die Musik seiner Band Linkin Park fand ich gut, sie war sicher eine der wichtigsten US-Bands der Neunziger, die den Crossover ins Heute rettete. Ich war kein Fan, aber mochte Benningtons geschriene Refrains, davon lebten diese Songs.

Emotionen, die manche zu Bestleistungen bringen

Dass Benningtons Texte und sein Gesangsstil sich mit der Zeit änderten und sich inhaltlich von der Band abkapselten, ist jetzt verständlich. Ich schätze, zu Beginn reinigte er sich von seiner Vergangenheit, schrie sie sich aus dem Leib. Jeder Künstler tut das irgendwie, und die Gründe dafür sind unterschiedlich.

Weltwut, Liebe, Angst, Glück, Vergangenheit, Hoffnung - die meisten Künstler sind hypersensibel und können vieles nicht aussortieren, sie nehmen ihre Außenwelt ungefiltert auf. Das kann sehr belastend sein, wenn man weiß, wie unsere Welt funktioniert. Aber es sind genau diese Emotionen, die manche zu Bestleistungen bringen. Ein akustischer ungefilterter Resonanzkörper, der alles Schöne und alles Schreckliche aufnimmt und als geballtes Signal wiedergibt. Das wiederum können die Zuhörer spüren. Benningtons Songs waren der hörbare Teil seiner Seele. Glücklicherweise leiden nicht alle großen Künstler im Schaffen. Es gibt die, die das Leben trotzdem genug lieben und Großartiges leisten.

Zum Nachhören: Diese Songs bleiben in Erinnerung

Zum Abschluss bleibt mir nur zu sagen, dass es wahnsinnig vielen Menschen ähnlich geht und dass ihre Geschichten nie gehört werden. Es passiert jeden Tag, überall. Das ist das eigentlich Traurige daran.

Darüber reden ist gut, das tat auch Bennington. Suizid darf kein Tabuthema sein. Ich finde es nicht feige oder bin fremdsauer auf Menschen, die von sich aus gehen. Sie konnten oder wollten einfach nicht mehr. Ob Künstler, Banker, Schuhverkäufer. Im Tiefsten sind diese Menschen einfach unglücklich, warum auch immer.

Wir, denen diese Krankheit erspart bleibt, können nur versuchen, unsere Hilfe, Liebe und Mitgefühl mit ihnen zu teilen, und trotz aller Probleme versuchen, zu zeigen, wie wundervoll und schön das Leben auf dieser Welt ist. Man sollte am besten heute schon in der eigenen Familie damit anfangen.

Video: Linkin-Park-Frontmann Chester Bennington ist tot

SPIEGEL ONLINE / wochit

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