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Musiker Clueso: Mit Musik Geld verdienen

Foto: Tino Sieland

Cluesos Musik-Bezahlmodell Biete Ticket, verschenke Album

Die Plattenfirmen jammern, Clueso hilft sich selbst: Wer sich eine Konzertkarte des Erfurter Deutschpoppers kauft, bekommt das neue Album gratis. Ein radikales Modell, das Schule machen könnte. Denn so können Künstler trotz illegaler Downloads Geld verdienen.

Es ist gar nicht so lange her, da stand der Musiker, der sich Clueso nennt, auf einer Konzertbühne und blickte auf das zahlreich erschienene Publikum. Wer denn alles sein neues Album habe, fragte er in die Menge - und alle Arme schnellten nach oben. Da setzte Clueso nach und wollte wissen, wie viele denn für seine Musik bezahlt hätten? Und - schwupps - gingen fast alle Arme wieder runter.

Seit einigen Tagen ist Thomas Hübner alias Clueso wieder auf Konzertreise. Im Gepäck hat der 31-Jährige sein neues Album "An und für sich", das es in Deutschland immerhin bis auf Platz zwei der Charts schaffte. Mit seinen frischen deutschsprachigen Popsongs füllt der Erfurter längst die großen Mehrzweckhallen und Arenen der Republik. Die Frage aber, wer von den tausenden in die Konzerte strömenden Fans tatsächlich für sein neues Werk bezahlt hat, muss er neuerdings nicht mehr stellen. Denn wer seine Eintrittskarte auf der Webseite Clueso.de  kaufte, bekam zum Ticket das neue Clueso-Album obendrauf, als Bonus. Genauer gesagt: als Download Code.

Der scheintote Musikmarkt

Der Eintrittspreis habe sich deshalb nicht erhöht, sagt der Musiker. Um die 30 Euro kosten die Karten, was durchaus moderat ist - das belegen auch die zahlreichen ausverkauften Hallen.

Die Idee, ein neues Album mit einem Konzertticket zu verschenken, ist radikal. In Deutschland hat das vor Clueso noch kein Künstler gewagt - aber die Idee könnte Schule machen. Zum ersten Mal wird hier ein plausibler Weg aufgezeigt, wie Musiker künftig noch Geld verdienen können in einem Markt, der längst als scheintot gilt.

Es sei ja nicht so, dass all die Menschen, die für seine Lieder zuletzt nicht mehr zahlten, Kriminelle wären, sagt der Musiker. Der Gedanke, der ihn antrieb, sei die Frage gewesen, wie man all die gratis heruntergeladenen Lieder legalisieren könne. Den Begriff "verschenken" mag Clueso nicht in Zusammenhang mit seinem Album. Das ist verständlich, geht es ihm doch darum, der zunehmenden Entwertung von Musik entgegenzuwirken. Jedes nur denkbare Lied scheint mittlerweile im Internet umsonst - und selbstverständlich illegal - zum Download bereit zu stehen.

Mitverdiener bleiben außen vor

Zwei Jahre haben Clueso und sein Team am neuen Album gearbeitet. Das hat Zeit und Nerven und Geld gekostet. Nicht wenige Existenzen hängen vom kommerziellen Erfolg so eines Werkes ab. Dass sich die CD-Verkäufe eines schönen Tages wieder signifikant erholen könnten, glaubt Clueso nicht. So entschied er sich zu dem drastischen Schritt, die neuen Lieder mit im Netz erworbenen Konzertkarten zu kombinieren. Das verbessere einerseits die direkte Verbindung zum Fan, sagt Clueso, bringe andererseits die Kohle aber auch direkt zum Künstler. Und ließe so manche Mitverdiener außen vor.

Mindestens 150.000 mal soll sich diese Ticket-Album-Kombination über Cluesos Webseite verkauft haben, heißt es. Eine eindrucksvolle Zahl, die die Mitverdiener, also Konzertveranstalter und Plattenfirma, nicht glücklich machen dürfte.

Er habe enorm für den Deal gekämpft, sagt Clueso. Trotzdem dürfte sich "An und für sich" auch für die zuständige Plattenfirma Four Music gelohnt haben. Noch immer investieren erstaunlich viele Menschen Geld in reguläre Tonträger. Zwar ändern sich die Zeiten - doch das seit Jahren immer wieder aufgeregt prognostizierte Ende der Plattenfirmen ist deshalb noch lange nicht in Sicht.

Mehr Freiheit für die Künstler

Der Erfolg der Clueso Aktion macht aber deutlich, dass viele Unternehmen ihr Geschäftsmodell überdenken müssen. Plattenfirmen müssen flexibler werden und ihren Klienten mehr Freiheiten gewähren. Viele Musiker sind durchaus gerne bei Plattenfirmen unter Vertrag, weil sie keine Lust haben, sich um den ganzen bürokratischen Wust zu kümmern, den eine Karriere so mit sich bringt. In ihrer Existenz bedroht dürften nur Plattenfirmen sein, die immer noch denken, dass Geld allein mit dem Verkauf von CDs verdient wird.

Allerdings ist auch das sogenannte 360°-Modell, mit dem einige Plattenfirmen ihre wegbrechenden Einnahmen wettmachen wollen, umstritten. Die Unternehmen verdienen hier an allen Erträgen ihrer Klienten mit - egal ob diese aus T-Shirt-Verkäufen, Konzert-Tickets oder Tonträgern stammen.

Daheim in Erfurt ist Clueso in einem umfunktionierten Güterbahnhof namens "Zughafen" aktiv. "Zughafen" beherbergt ein freies Netzwerk von Künstlern, Kreativen und unabhängigen Unternehmen. Dort werden auch junge Nachwuchskräfte beraten, welche Verträge sie unterschreiben sollten - und welche besser nicht. Er könne sich gut vorstellen, dass da mal ein Anwalt einzieht, der Anfängern auf die Sprünge hilft, sagt Clueso. Musik habe schließlich einen Wert. Und wenn der in Vergessenheit gerate, bleibe irgendwann auch die Kunst auf der Strecke.

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