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04. März 2010, 09:14 Uhr

Comedian Buddy Ogün

Voll in die Fresse - aber mit Humor

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Straßen-Macho mit multipler Persönlichkeit: Der zum YouTube-Star avancierte Comedian Buddy Ogün spielt mal den fiesen Gangster, mal den soften Studenten. Jetzt steht der rasante Rollenwechsler kurz vor dem großen Durchbruch - und gibt sich dennoch erstaunlich scheu.

Das Handy klingelt und Ogün Bastürks hassverzerrter Blick weicht einem engelsgleichen Lächeln. "Haaaallo Sönke, naaa!", flötet er. Wie auf Knopfdruck hat der Mann mit der Bomberjacke und dem nach hinten gegelten Zopf die Rolle gewechselt. Statt des Gangster-Machos Ogün spielt er nun einen soften Studentenvertreter namens Che, der mit seinem Kommilitonen Sönke über die anstehende Germanistik-Vorlesung und das Literaturcafé parliert.

Der Hamburger Buddy Ogün (so lautet sein bekanntestes Pseudonym) ist ein YouTube-Phänomen. Seine Videos wurden über elf Millionen Mal angeklickt, zweimal ist er im vergangenen Jahr in Stefan Raabs ProSieben-Show "TV Total" aufgetreten, der Entertainment-Konzern Sony hat ihn unter Vertrag genommen. Ende März erscheint Buddys erste DVD - "V.I.P. Was' los!", der Film feiert kommende Woche in seiner Heimat Hamburg Premiere. Das wandelbare Comedy-Talent hat also das Rüstzeug für den ganz großen Durchbruch.

Ganz groß sind auch Ogüns Vorbilder, zumindest in Sachen Selbstinszenierung. Denn das Treffen mit ihm in einem Hamburger Parkhaus gestaltet sich knifflig. Er bleibt ständig in einer seiner Rollen, von seinem wahren Ich will er so wenig preisgeben wie möglich: "Interviews gebe ich nur als Ogün", sagt er.

Das Publikum soll also die Person hinter der Kunstfigur vergessen - so ähnlich hielten es zuletzt auch Brüno alias Sacha Baron Cohen, Uwe Wöllner alias Christian Ulmen und Horst Schlämmer alias Hape Kerkeling. Nur weiß man von denen natürlich einiges mehr als von dem auf strikter Wahrung seiner Privatsphäre bedachten Nachwuchs-Comedian. Diese Vorsicht ist nach eigener Aussage vor allem dem Alter und der Natur seines Publikums zu verdanken - die Generation YouTube macht dem Mann mit ihrer recht distanzlos ausgelebten Zu- oder Abneigung bereits jetzt das Leben ziemlich schwer.

All das heißt für ein Interview mit Ogün nichts anderes als: Einen Gangster mit Goldkette und in die Socken gestopfter Army-Tarnhose befragen. Und der hat zunächst einmal was richtigzustellen. Ihn "regt nämlich krass auf", wie er von einer großen Boulevard-Zeitung in ein falsches Licht gerückt wurde.

SPIEGEL ONLINE: Laut "Bild" machst du dich als Gangster-Rapper über Bushido und Sido lustig. Was hast du gegen die beiden?

Ogün: Ey, das stimmt nicht! Das ist dieser Rough Rider of Love, dieser Knecht mit weißer Hose und weißer Jacke. Ich werd' immer mit ihn verwechselt. Er hat ähnliche Frisur wie ich und auch ähnliches Gesicht, aber er ist viel hässlicher als ich, ich schwör!

SPIEGEL ONLINE: Aha. Und womit verdienst du dann dein Geld?

Ogün: Hehe, ich bin Gangster. Mach' Geschäfte, dies, das. Ich verkauf' alles, is' so. Anspitzer, Möhre, Senf, ich hab alles, ich schwör. Willst du?

SPIEGEL ONLINE: Nee, danke. Aber wie kommst du zu einem Kumpel wie Sönke?

Ogün: Wer ist Sönke? Ich kenn' keinen Sönke! Die Leute kommen auch immer zu mir an und sagen: Ey, mach mal Sönke. Dabei kenn ich das Opfer gar nicht. Was soll das?

SPIEGEL ONLINE: Okay, anderes Thema. Du erzählst in deinen Videos viel von Schlägereien, wie laufen die bei dir ab?

Ogün: Immer fair, is' so. Also Mann gegen Mann. Oder mehrere gegen einen.

SPIEGEL ONLINE: Und wann hast du dich zuletzt geschlagen?

Ogün: Das war so am Wochenende mit Türsteher. Der wollte mich nicht reinlassen. Da habe ich ihm so tam 'ne miese Faust gezogen. Dann er mir, ich ihm, er mir, ich mir, er sich…

SPIEGEL ONLINE: Kannst du noch was zu deiner DVD sagen?

Ogün: Das ist so 'ne Anleitung, wie man Gangster wird, wie man sich richtig die Zähne putzt, wie man richtig lüftet. Die Leute erfahren sehr viel.

SPIEGEL ONLINE: Wie sieht es denn mit einer eigenen Fernsehsendung aus?

Ogün: Das kommt noch, ich schwör. Ich hab' großes Interesse, ne Sendung zu machen, so für Arte, Phoenix, das sind meine Sender.

Vor drei Jahren startete der Hamburger mit einigen Kumpels das Projekt "Buddy Ogün". Im Januar 2007 ging Buddy 1.0 online. Neben dem Gangster-Macho mit Migrationshintergrund und dem Studenten Che tauchte dort bereits die dritte Kunstfigur auf - Denises Bruder. Ein Hamburger Prolet, der schwer lispelt und mit seiner Schwester über Kastanienmännchen, die Gardinen der Eltern und korrekte Schreibweisen streitet.

Buddy Ogün überzeugt mit seiner parodistischen Vielseitigkeit, er mixt HipHop-Slang mit akademischen Fachvokabular, Türkisch mit Deutsch, Fäkalsprache mit Weisheiten aus dem Germanistik-Seminar. Ein Highlight auf seiner Website ist das Video "Rough Rider of Love":

Du Opfer, guck dich an,
du siehst aus wie ein Knecht.
Bevor du in mein Viertel kommst,
lies Berthold Brecht.

Oder:

Ich weiß, du bist neidisch, Mann,
du wärst gerne wie ich.
Vergiss bei einem reflexiven Verb
niemals das sich.

Diesen guten Rat sollte man hinter die Ohren schreiben.

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