Crossover-Künstler Jamie Cullum Sophie und Seelennahrung

Erfolge feiert Jamie Cullum auf dem Popmarkt - auch dank seiner Freundin Sophie Dahl, die ihn um einen Kopf überragt. Seine Stimme und seine Soli auf dem Piano jedoch erinnern an seine Jazzwurzeln.

Deborah Anderson

Der als Derwisch am Klavier beschriebene Power-Performer Jamie Cullum, 30, agiert auch fernab der Bühne und am Vormittag agil wie ein Eichhörnchen: In Jeans und kariertem Hemd testet der zierliche Musiker ein neues Roland-Keyboard - und nutzt so souverän die Wartezeit vor der Interview-Runde. Cullum ist auf Promotiontour für sein Album "The Pursuit" und macht Station beim Privatsender Radio Hamburg. Seit seiner Verlobung mit dem Star-Modell Sophie Dahl, 32, interessieren sich auch Klatschblätter wie "Gala" und "Bunte" für ihn; gern erwähnen sie einen auffälligen Unterschied zwischen den Partnern: Sophie ist 1,80 Meter groß, Jamie 1,63.

Während Cullum auf Fragen nach seinem Privatleben nur knapp eingeht, diskutiert er gern über Musik. "Ich habe die Seele und das Herz eines Jazzmusikers", sagt er, "aber ich mache Popmusik und sehe keinen Grund, mich dafür zu entschuldigen." Muss er auch nicht.

"Charlie Parker des Pop"

Doch dass die britische Zeitschrift "Jazzwise" auf seiner neuen CD keine Jazzbezüge mehr erkennen will, scheint ihn zu wurmen. Da kommt ihm das US-Magazin "Down Beat" gerade recht; es nennt Cullum in seiner Oktober-Ausgabe den "Charlie Parker des Pop". "My favourite quotation forever", freut sich Cullum. Denn Charlie Parker bedeute ihm, "was Mozart oder Beethoven für einen klassischen Musiker verkörpern".

"Down Beat" begründet den Parker-Vergleich mit einem Zitat von Dizzy Gillespie - der erkannte im Werk des Bebop-Saxofonisten eine Verschmelzung vieler Stile zu etwas Eigenständigem, völlig Neuem. Das, schreibt die Zeitschrift, treffe auch auf Cullums "kaleidoskopische Musik" zu, die Genres und Generationen überbrücke.

Der Vergleich mit Charlie Parker ist überzogen. Aber Cullums Vitalität und Bühnenpräsenz, seine Freude am Improvisieren und seine Offenheit gegenüber dem gerade Aktuellen erinnern schon an die Jazzlegende.

Pianist für reiche Ruheständler

Wie viele Jazzer lernte Cullum das Entertainer-Handwerk nicht in Musikschulen, sondern in der Praxis. Er musizierte als Teenager mit Rock- und Jazzbands in Kneipen, berieselte als Pianist auf Kreuzfahrtschiffen reiche Ruheständler. Gleichzeitig verinnerlichte er die wechselnden Sound-Moden des Popmarktes. Cullum bewundert die Rockband Radiohead; sein Vorbild im Jazz ist der 2008 verstorbene Pianist Esbjörn Svensson, der klassisch ausgebildet wurde, aber auch moderne Elektronik nutzte. Svenssons Trio E.S.T. beschrieb Cullum als "ein Genius mit sechs Händen, drei Gehirnen und einem musikalischen Verständnis". Seiner Liebe zum Jazz frönt der Brite bei Veranstaltungen wie dem Montréal Jazz Festival, wo er - nach dem eigenen Auftritt - Konzerte von Kollegen wie Branford Marsalis besuchte und bis morgens um sechs auf Jam Sessions mitmischte.

Und wie steht es mit dem Jazz auf seinem neuen Album "The Pursuit"? Der erste Titel "Just One of Those Things", der in New York mit der Nachfolge-Bigband von Count Basie aufgenommen wurde, ist Jazz pur. Bei den folgenden poppigen Stücken erinnern Cullums Stimme und sein Pianospiel an die Jazzwurzeln des Musikers. "Jazz ist Nahrung für meine Seele", sagt Cullum. Deshalb will er im kommenden Jahr wieder nach Montréal reisen sowie zum Newport- und North Sea Festival.


CD Jamie Cullum: "The Pursuit" (Decca / Universal). Erscheint am 13. November.



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chinchoro 06.11.2009
1. Gran Torino
Seine Lied in Clint Eastwoods Gran Torino ist der perfekte Popsong.
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