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Zum Tode David Cassidys: Ein Idol für wenige Jahre

Zum Tode von David Cassidy Er war perfekter als aprilfrische Wäsche

Ein Idol für wenige Jahre: Vor über vier Dekaden war David Cassidy eine Heulboje für Teenager - nun ist er im Alter von 67 Jahren gestorben. Ein sehr persönlicher Nachruf.
Von Jan Feddersen

Schon zu runden Geburtstagen, vor 17 Jahren etwa zum Fünfzigsten, hieß es, David Cassidy sei ein Teenageridol gewesen: ein Schwarm von jugendlichen Menschen, die ihn anhimmeln und vergöttern. Die am liebsten in jeder Minute ihres geschlechtlich eben erst und zugleich so stark erwachten Lebens mit ihm zusammen sein möchten.

Er war so ein Teenageridol - aber er war es nicht von jedem. Ich weiß das genau, denn ich war dabei. Anfang der Siebzigerjahre, genauer: am Ende des Jahres 1972. Willy Brandt war noch Kanzler der Bundesrepublik, die TV-Farben waren noch grell orange oder sehr, sehr grün, da kam dieser junge Mann, damals gerade 22 Jahre, auch in Deutschland wie eine Heimsuchung über uns.

David Cassidy, das war ein Schönling mit einem so schüchternen wie einladenden Lächeln, dass es einem übel wurde. Dieser Amerikaner war pickellos, für ihn waren in der "Bravo", dem Zentralorgan der deutschen Jugend, die Reklamen für Gesichtswässerchen und Anti-Akne-Mittel nicht gemacht. Er war einfach perfekter als aprilfrische Wäsche.

Aber die Mädchen liebten ihn, jedenfalls die sehr minderjährigen. Cassidy, der sang im "Musikladen" von Radio Bremen "Rock Me Baby", und das klang inklusive gesungenem Schluchzer im Refrain, zwar nicht wie Sex, wie Entgrenzen, blood, sweat & tears, aber immerhin nach Petting, bei dem kein Löschblatt mehr zwischen zwei Körper zu passen schien.

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David Cassidy, 1950 in New York City geboren, Spross eines Schauspielerehepaares, trat schon früh in die elterliche Fußstapfen, sang im Kirchenchor, spielte erste kleine Rollen in der Highschool in Los Angeles und trat, 19-jährig, am New Yorker Broadway im Musical "The Big Five Leaves Are Falling" auf. Kleinere TV-Rollen folgten: Cassidy war die wie am Reißbrett des eher konservativen Amerika erfundene Figur eines Jugendlichen. Lange Haare - aber adrett frisiert; hippieske Klamotten, aber auch nicht zu abgerissen; munter im Ausdruck, doch auch ungefährlich, was die Möglichkeit von Enthemmung anbetrifft.

1970 nahm seine Karriere Fahrt mit Schallgeschwindigkeit auf: als Teil der "Partridge Family", in der er den Sohn Keith spielte - Mutter war Witwe und musste sich und ihre Gören mit Gesang und guter Laune über die Runden bringen. Eine Familie mit alleinerziehender Mutter, weiß und strahlend in jeder Hinsicht, kein Sozialdrama, sondern ein fröhliches Dauerdramolett der Ermutigung, fern aller bürgerrechtlichen Kämpfe, das Afroamerikanische des Landes war so fern wie es nur irgendeine ferne Galaxie sein konnte.

Es war eine Show, die Popsongs präsentierte - und David Cassidy wurde über diesen Job zum Solostar: Eigentlich sollten seine Gesangseinsätze synchronisiert werden durch echte Sänger, aber den echten Groove einer Person, die mehr ist als ein singender Körper, die ihn vielmehr zum Popstar machte, den hatte er ja auch.

Was folgte, war mit einer Fülle von Popsongs in bester Bubblegum-Ästhetik eine globale Karriere im Marktsegment der Mütter und ihrer eben pubertierenden Töchter. Ob Jungs ihn auch gut fanden - so als Vorbild? Wurde gern behauptet, aber echte Buddys erwuchsen ihm in der Fan-Schar nicht: Cassidy war zu glatt und freundlich, als dass man ihn hätte als Junge heftig anbeten können - obwohl ruchbar wurde, dass er Haschisch mal geraucht und Sex mit Groupies, also Fans gehabt habe: Im "Rolling Stone" posierte er gar halbnackt auf dem Cover.

Und doch: Die Marktanteile der "Partridge Family" sanken, 1974 war es mit dieser Serie vorbei. Und dann wurde er Opfer des Gesetzes aller Jugendidole: Sie werden zu Schutt und Trümmern. Ist der erste Lack ab, sehen sie nicht mehr schnuckelig und süß aus, sondern erwachsen mit ersten Kerben im Gesicht. Ein Wesen, das sich mit seinen lasziven Posen und seiner unsoldatischen Körperlichkeit in Millionen Gemüter einschrieb, weil es mit Sexuellem ohne Gewalt zusammenfantasiert werden konnte.

Trotzdem: Cassidy hatte den Zenit seiner Karriere und seines Lebens damals schon hinter sich. Der Rest - ein wenig auch Trost für alle damals gleichaltrigen Jungs, die nicht so glamourös ihre Teenagerjahre verlebten - war kaum mehr als Resteverwertung in eigener Sache. Cassidy, der immerhin noch 1976 einen "Silbernen Otto" der "Bravo" zuerkannt bekam, versuchte ein Comeback nach dem nächsten zu starten: Immer mit der "David Cassidy"-Marke von einst für sich werbend.

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David Cassidy: "Mit Freude im Herzen"

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Drei Ehen, zwei Kinder standen im Privaten für sein Leben, auch Alkoholmissbrauch, Depressionen, Geldnöte bis zur Insolvenz - ein ewiges Hadern mit dem früheren Mega-Ruhm. Im Frühjahr 2017 räumte er öffentlich ein, dass er an Demenz leide und sich diese Erkrankung verschlimmern werde.

Am Dienstag ist David Cassidy, der Mann, der heutigen Jugendidolen wie Justin Bieber den Weg bereitet hat, an den Folgen multiplen Organversagens in Fort Lauderdale, Florida, gestorben . "David ist umringt von seinen Liebsten gestorben, mit Freude in seinem Herzen und befreit von dem Schmerz, der ihn so lange im Griff hatte", ließ seine Sprecherin Jo-Ann Geffen mitteilen.

Mit ihm ist ein ziemlich großes Stück Kindheit gestorben - eigentlich ein netter Kerl, der nie recht wusste, wie er mit dem umgehen sollte, was man verbleichenden Ruhm nennen könnte: Er ruhe in Frieden!

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