Deutsche Oper Berlin Dirigentenkrieg beendet

Der Dirigent Christian Thielemann bleibt Generalmusikdirektor der Deutschen Oper Berlin. Nach monatelangem Ringen um den Posten ist die Entscheidung nun gefallen. Damit ist Fabio Luisi, Favorit des designierten Generalintendanten Udo Zimmermann, aus dem Rennen.


Wieder als Generalmusikdirektor der Deutschen Oper vorgesehen: Thielemann
DPA

Wieder als Generalmusikdirektor der Deutschen Oper vorgesehen: Thielemann

Berlin/Dresden - Thielemann und Zimmermann hätten sich "in den wesentlichen Punkten geeinigt", sagte Zimmermann. Er bestätigte damit einen Bericht der "Sächsischen Zeitung". Der Vertrag solle in den nächsten 14 Tagen unterschrieben werden.

"Zwischen Thielemann und mir gibt es keine grundsätzlichen Probleme mehr, die die Vertragsunterzeichnung behindern würden", so Zimmermann weiter. Jetzt seien noch die Anwälte und Kultursenator Christoph Stölzl (parteilos) am Zuge. "Was ich tun konnte, habe ich getan." Der Vertrag bedürfe auch noch der Zustimmung der Personalkommission des Berliner Senats, wo es auch um Gehaltsfragen gehe, betonte Zimmermann. Er glaube aber nicht, dass der Vertrag noch scheitern werde.

Auch eine Sprecherin der Berliner Kulturverwaltung sagte, dass die Verhandlungen noch im Gange seien. Entsprechend hatte sich auch am Montagmittag Kultursenator Stölzl im Kulturausschuss des Abgeordnetenhauses geäußert. Thielemann, der sich zurzeit an der Covent Garden Opera in London aufhält, war für eine Stellungnahme zunächst nicht erreichbar.

"Zwar trägt der Intendant die Gesamtverantwortung, aber Thielemann erhält weitergehende Kompetenzen als üblich", zitiert die "Sächsische Zeitung" den Intendanten der Oper Leipzig, der im Sommer nach Berlin wechselt und damit Nachfolger des am 12. Dezember gestorbenen Götz Friedrich wird. Auf Grund der Spielpläne, die ursprünglich auf Zimmermanns Favoriten Fabio Luisi abgestimmt waren, werde Thielemann zunächst weniger, aber "ab 2003 viel zu tun haben".

Zimmermann bezeichnete gegenüber der Zeitung zudem Gerüchte, er werde nach den Querelen der letzten Zeit sein Amt in der Hauptstadt nicht antreten, als absurd. "Warum soll ich freiwillig gehen? Vorher möchte ich doch mal sehen, ob man die Berliner Szene nicht etwas aufmischen kann", sagte er.

Kultursenator Stölzl war am Montag Bedenken entgegengetreten, Zimmermann könnte möglicherweise nicht wie geplant im Sommer 2001 sein Amt antreten. Zu entsprechenden Befürchtungen der PDS sagte er im Kulturausschuss des Abgeordnetenhauses: "Zimmermann hat einen Vertrag, und niemand im Land Berlin hat daran einen Zweifel geübt."

Der PDS-Abgeordnete Wolfgang Girnus sagte, Zimmermann werde die Arbeit bereits erschwert, bevor er überhaupt ein Amt angetreten habe. Er sprach in diesem Zusammenhang von "Mobbing" gegen Zimmermann und vertrat die Ansicht, ihm werde eine weitere Zusammenarbeit und ein neuer Vertrag mit Thielemann aufgezwungen, nachdem Zimmermanns Favorit Fabio Luisi bereits im Vorfeld entnervt das Handtuch geworfen hatte.

Von "Mobbing" wollte Zimmermann nicht sprechen. "Es war etwas enervierend, das letzte Jahr, ich habe mich über vieles geärgert", sagte er. "Aber das ist jetzt Vergangenheit. Ich muss meine Zeit jetzt auf die Kunst verwenden und kann mich nicht mehr mit Personalfragen beschäftigen. Da waren ein paar Dinge, die nicht so angenehm waren. Das Thema Thielemann ist für mich vom Tisch. Ich muss jetzt an die Arbeit gehen und habe keine Minute mehr für andere Sachen Zeit."



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