Die Fantastischen Vier "HipHop ist eine alte, spießige Bewegung"

2. Teil: Lassen sich Fanta Vier wirklich Sushi aus Tokio einfliegen? Lesen Sie hier weiter


Frage: Haben Sie sich für die neue Platte zusammengesetzt und überlegt: was geht noch, wofür sind wir zu alt?

Smudo: Nicht bewusst. Das passiert genauso, wie eines Tages unmerklich der Blick im Regal doch zum Hemd und nicht zum T-Shirt tendiert. Irgendwann gefallen einem einfach andere Sachen.

Michi Beck: Beim Texteschreiben ist es noch mal ein größeres Thema. Da wird’s dann schon schwieriger. Manches, was wir schreiben, versteht ein 17-Jähriger vielleicht nicht so, wie wir es meinen, weil er es noch nicht erlebt hat. Egal, dann versteht er es eben anders, auch gut.

Frage: Haben Sie denn 17-jährige Fans?

Smudo: Ja. Die kommen immer dann, wenn eine Single einen Top-15-Erfolg hat. Als wir mit "Troy" einen Hit hatten, haben wir Briefe von 14-Jährigen gekriegt, die gar nicht wussten, dass wir vorher schon was gemacht hatten. Ich fand es am Anfang immer ein bisschen komisch, von Fans, die ein Autogramm wollen, gesiezt zu werden. Aber gut, von mir aus.

Frage: Was ist das größte Missverständnis Popmusiker betreffend?

Smudo: Ich lebe seit acht Jahren in meiner Wohnung in Hamburg und gehe immer in denselben Minimal zum Einkaufen, und immer wieder kommt es vor, dass mich irgendjemand anspricht, was denn ich hier mache. Ich denke dann immer, was stellst du dir denn vor? Dass ich mir zum Mittagessen Sushi aus Tokio einfliegen lasse?

Frage: Im amerikanischen MTV gibt es eine Sendung, in der Popstars ihren Reichtum zur Schau stellen. Da führen Missy Elliott oder Robbie Williams dann ein Kamerateam durch ihre Villa und zeigen ihren Pool, ihren Tennisplatz, ihren Fuhrpark. Warum gibt es das in Deutschland nicht?

Smudo: Zufälligerweise kommt morgen sogar ein Kamerateam in meine Wohnung, die haben mich angerufen, ich finde die Sendung ganz okay, und die ist auch finanziell sehr attraktiv. Ich kann denen nur eine ganz normale Popstaraltbauwohnung in Hamburg bieten – wir bauen ja hier keine Villen wie die Amis. Aber immerhin: Ich habe ein eigenes Flugzeug.

Frage: Na bitte.

Smudo: Es hat eine Summe gekostet, die ich mir echt gut überlegt habe – 135.000 Euro, was ziemlich günstig ist für so ein Flugzeug. Aber es ist ja auch eine Wertanlage.

Michi Beck: Ich hab’ mir jetzt in Berlin eine doppelstöckige Penthousewohnung gekauft, das ist mein Flugzeug. Ansonsten ist höchstens extravagant, dass ich mich jedes oder jedes zweite Wochenende noch in Clubs rumtreibe, um aufzulegen, aber das ist jetzt nicht so luxuriös.

Frage: Wie sieht ein Tag im Leben eines erfolgreichen deutschen Popmusikers aus?

Michi Beck: Ich arbeite ganz normal. Ich stehe um 9 Uhr morgens auf, ich gehe jeden Tag ins Studio, am Abend gehe ich nach Hause, vorher vielleicht noch essen und manchmal aus. Manchmal werde ich erkannt, oft auch nicht.

Frage: Keine Teenies vor dem Haus?

Michi Beck: Früher, zu "Die da"-Zeiten, da gab’s das schon. Aber heute? Ich war ganz überrascht – wir waren gerade in Zürich, da haben uns acht Fans am Flughafen empfangen. Das gab’s schon lange nicht.

Frage: Was für ein Auto fahren Sie?

Michi Beck: Einen Lexus Jeep, auch noch Hybrid, also ein ökologisch vorbildliches Auto. Trotzdem ist es regelmäßig zerkratzt. Aber ich glaub’, das ist nicht, weil ich Michi Beck bin, sondern weil ich in Berlin wohne.

Frage: Sind Sie mit der Musik Millionäre geworden?

Smudo: Ja.

Frage: DM oder Euro?

Smudo: Euro. Es ist sehr abstrakt, das zu erzählen, ich muss selber grinsen, weil ich hab’ das nicht auf dem Konto, eine Eins mit sechs Nullen, das ist verteilt in Anlagepapiere, in Immobilien. Ich habe zwei Girokonten, mit denen ich mein privates Leben finanziere, da sind ein paar tausend Euro drauf – und wenn ich was brauche, rufe ich meinen Vermögensverwalter an und sage, er soll mir was überweisen.

Michi Beck: Wir sind nicht zigfache Euromillionäre, das ist vielleicht wichtig zu wissen. Also, wenn man jetzt jemanden entführen und von mir eine Million Lösegeld fordern würde, hätte ich erhebliche Schwierigkeiten, die in kurzer Zeit aufzutreiben. So kann man sich das vielleicht vorstellen.



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