Die Fantastischen Vier "HipHop ist eine alte, spießige Bewegung"

3. Teil: Smudo und Michi Beck erzählen von ihren Groupies


Frage: Um die Klischees mal durchzugehen: Wie ist das mit den Groupies?

Smudo: Entweder wir machen die falsche Musik, oder das Ganze wird vollkommen überbewertet. Also, diese ganzen tollen Geschichten, dass Frauen sich unsere Namen auf ihre ausladenden Brüste tätowieren, habe ich nie erlebt. Es kommt durchaus, wenn auch sehr selten, zu offenen Angeboten – die sind dann aber genauso unromantisch, wie das klingt.

Frage: Drogen? Verwüstete Hotelzimmer?

Michi Beck: Geht so, alles in Maßen. Also, Hotelzimmer verwüstet höchstens insofern, als vielleicht mal Rotwein aus Versehen über den Teppich gelaufen ist. Alles andere nicht so ultra exzessiv.

Frage: Sie beide haben letztes Jahr geheiratet, bei Smudo ist das erste Kind unterwegs, Ihr Bandkollege Thomas D. hat eine vierjährige Tochter, And.Ypsilon ist schon das erste Mal geschieden – klingt alles sehr bürgerlich.

Michi Beck: Ich frage mich gerade: Ist man vielleicht wirklich mal zu alt für irgendwas? Klar hab’ ich mit 24 gedacht, dass ich mit Ende dreißig nicht mehr auf der Bühne stehe. Jetzt sehe ich das anders, natürlich. Es ist schon ein Thema, sich für sein Alter nicht peinlich zu benehmen. Turnschuhe zum Beispiel – für ganz fette Basketballstiefel bin ich jetzt zu alt, finde ich. Ich trage ja gerade auch Basketballschuhe, aber die sind etwas schmaler. Als Musiker ist es kein Problem, in Würde älter zu werden – als Popstar muss man das halt für sich ausloten.

Smudo: Mein Interesse für Popmusik hat zum Beispiel radikal nachgelassen, und das hat sicher mit dem Alter zu tun. Es ist für mich nicht mehr identitätsstiftend: Ich will nicht mehr der coole HipHopper sein – ich bin jemand, den finde ich ganz gut und den muss ich nicht erst erzeugen. Ich gehe überhaupt nicht mehr in Discotheken, ich finde auch Festivals langweilig, ich gehe ganz selten auf Konzerte, und wenn, dann stehe ich da wie ein A&R-Manager und denke, aha, was spielt die Band für Hits, was haben die für ein Publikum ...

Frage: Muss man aufpassen, dass das nicht in Gleichgültigkeit umschlägt?

Smudo: Wir sind schon ehrgeizig, wir wollen gute Qualität liefern, aber man kann auch ein gutes Konzert machen, ohne vorher vor lauter Aufregung zu kotzen. Früher hatte ich richtig schlimm Lampenfieber, das ist weggegangen mit den Jahren.

Frage: Was war der glamouröseste Moment in Ihrer Karriere?

Michi Beck: Es gab immer wieder Momente. Meistens haben die sich dabei nicht so glamourös angefühlt, aber im Nachhinein sind sie es. Als wir in New York auf der Musikmesse zusammen mit Oasis als European Newcomer nominiert waren. Als wir uns mit Take That und Robbie eine Garderobe geteilt und erste Abstürze miterlebt haben. Oder die fetten Auftritte in großen Hallen. Zweimal hintereinander Schleyerhalle, zweimal dreizehntausend Leute. Das ist schon großes Showbusiness irgendwie.

Frage: Wenn einem dreizehntausend Leute zujubeln, fühlt man sich dann erhaben?

Smudo: Klar ist das geil, das fühlt sich toll an. Aber erhaben? Nein, das ist ja unser Beruf. Das sind ja wir. Das ist unser Job.


Das neue Album der Fantastischen Vier, "Fornika", erscheint am 7. April bei Sony BMG; die Single "Ernten was wir säen" ist bereits erschienen.

SPIEGEL ONLINE hat diesen Text mit freundlicher Genehmigung der "Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung" übernommen. Die von der "FAS" gepflegte alte Rechtschreibung haben wir beibehalten.



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