Krautrock-Pionier Dieter Moebius ist tot

Mit seinen "Zwitschergeräten" war er ein Pionier der elektronischen Musik, seine Bands Cluster und Harmonia gelten Krautrock-Kennern als genial. Nun ist der deutsch-schweizerische Musiker Dieter Moebius gestorben, er wurde 71 Jahre alt.
Dieter Moebius: Spielte bei Cluster und Harmonia

Dieter Moebius: Spielte bei Cluster und Harmonia

Foto: bureau b

"Mein bester Freund seit 1969 und Kollege bei Kluster, Cluster und Harmonia ist heute morgen gestorben", schrieb Hans-Joachim Roedelius am Montagabend auf seine Facebook-Seite . Er bestätigte damit den Tod von Dieter Moebius, einem der einflussreichsten Musiker jener Szene im Deutschland der Siebzigerjahre, die international unter dem Namen "Krautrock" bekannt ist. Zuvor hatte sein zeitweiliger Bandkollege Michael Rother den Todesfall bereits verbreitet . Moebius starb mit 71 Jahren.

Auf die Welt kam Dieter Moebius 1944 in der Schweiz, über Belgien kam er nach West-Berlin, wo er im Zodiak Free Arts Lab Hans-Joachim Roedelius und Conrad Schnitzler kennenlernte. Gemeinsam gründeten sie die Band Kluster, veröffentlichten zwei improvisierte Alben, bevor der Beuys-Schüler Schnitzler die Band verließ und sich der elektronischen Formation Tangerine Dream anschloss.

Roedelius und Moebius anglifizierten daraufhin ihren Bandnamen zu Cluster und brachten 1971 bei dem Phillips-Plattenlabel das psychedelische Album "Cluster" heraus. "Cluster II" erschien dann bei dem passenderen Brain-Label. Dort kam auch 1974 "Zuckerzeit" heraus, in dem sie sanftere Klänge integrierten, gemeinsam mit dem legendären Produzenten Conny Plank. "Conny war unser dickster Freund und Helfer", sagte Roedelius in dem Interviewbuch "Electri_City" von Rüdiger Esch, das 2014 beim Suhrkamp Verlag erschien.

"Allerlei Klangverfremder"

Das Hauptquartier der Band war zu jener Zeit ein Haus aus dem 16. Jahrhundert in einem Dorf namens Forst im Weserbergland. Dort kam auch Michael Rother hinzu, zuvor in Düsseldorf bei der Band Neu!. "Moebius hatte Zwitschergeräte, wie er sie nannte, so allerlei Klangverfremder", beschrieb er die Arbeitsweise der gemeinsamen Band Harmonia.

Harmonia war der Versuch, kommerziell erfolgreicher zu werden mit süßlichen Melodien - doch trotz zwei sehr hörbarer Alben wurde dieses Ziel verfehlt. Rother verließ die Band wieder, und Cluster nahmen als Duo das Album "Sowiesoso" auf, mit "Charlie-Brown-Themenmelodien", wie es der britische Krautrock-Kenner und Musiker Julian Cope beschrieb.

"Wir haben viel mit Zufällen gearbeitet", beschrieb Roedelius die Arbeitsweise des Duos - damit war eine Zusammenarbeit mit dem Ambient-Großmeister Brian Eno, der mit "Oblique Strategies"-Karteikarten im Studio arbeitete. Zwei gemeinsame Cluster/Eno-Alben erschienen Ende der Siebziger, zudem veröffentlichte Moebius zusammen mit Conny Plank ein Album mit dem schönen Titel "Rastakrautpasta".

Durch die Wiederentdeckung von Krautrock besonders in Großbritannien anfangs der Neunzigerjahre sowie die neue Begeisterung für repetitive und ambiente Musikformen in der elektronischen Musik führten zu neuem, spätem Ruhm für Cluster, besonders in Japan, den diese mit zahlreichen Tourneen und Albumveröffentlichungen zu nutzen wussten. Zuletzt erschien von Dieter Moebius 2014 ein Soloalbum mit dem Titel "Nidemonex".

Sein langjähriger Bandkollege Roedelius verabschiedete ihn mit den Worten: "Cluster gehört zu den Heroen in der unsichtbaren aber längst existierenden 'hall of fame' all jener Künstler, die sich der Kunst um der Kunst willen verschrieben haben." Man habe gemeinsam "die Türen zu einem unendlich weiten und grenzenlos interessanten Klang-Universum aufgestoßen".

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