Digital aufpolierte Beatles Liverpooler Zauderer

Für die Beatles hat das digitale Zeitalter noch nicht begonnen. Weil man "Yesterday" und andere Klassiker der vier Liverpooler auch 2008 bei legalen Online-Diensten vergebens sucht, bieten nun die Fans von "Purple Chick" eine spannende Alternative.

Auch wenn die Zukunft der Musik digital zu sein scheint, gibt es einige Verweigerer. Gerade in der Champions League der Pop-Helden mögen sich so manche alte Meister nicht den neuen Regeln beugen. So wie die unnahbare Britin Kate Bush, die sich weigerte, ihr letztes Großwerk "Aerial" im Dienste der Online-Auswertung in einzelne Tracks zerpflücken zu lassen und nur den Kauf des kompletten Doppelalbums abnickte, oder die Schwermetaller von AC/DC, die sich auch nicht mit der Idee anfreunden wollten, ihre einzelnen Songs bei iTunes feilzubieten und erst nach langem Zögern einem Konkurrenz-Dienst erlaubten, ihre Alben (nur vollständig!) digital zu verkaufen.

Als besonders zäher Fall erweisen sich die Fabelhaften Vier aus Liverpool. Das einzige, worauf sich McCartney & Co. in Internet-Belangen bisher einigen konnten, war erstmal, den iTunes-Betreiber Apple zu verklagen (erfolglos), weil das (legendär glücklose) Plattenlabel der Beatles eben auch Apple hieß. Die Hits von Lennon & McCartney sucht man bei iTunes und ähnlichen Anbietern allerdings immer noch vergebens. Und die regelmäßigen Andeutungen, dass sich das in naher Zukunft ändern könnte, beeindrucken längst niemanden mehr. Den Beatles-Fan-Frust perfekt machen die vor gut zwanzig Jahren erschienenen CD-Ausgaben von Dauer-Bestsellern wie "Rubber Soul" oder dem "Sgt. Pepper's Lonely Hearts Club Band": Lieblos ausgestattet und dünn im Klang sind sie kaum den Kauf wert.

Bis tatsächlich von offizieller Seite Abhilfe geschaffen wird, haben nun ungeduldige Liebhaber die Angelegenheit übernommen. Genauer gesagt eine Art Online-Fan-Geheimbund (oder ist es nur ein besessener Einzelgänger?), der sich "Purple-Chick" nennt und den Beatles-Katalog nicht nur klangtechnisch eindrucksvoll erstklassig aufpoliert, sondern spektakulär um kostbare Raritäten (Mono-, Stereo-Mixe, Outtake-Demos etc.) erweitert ins weltweite Netz einspeist. Das "White Album" ist so als unglaubliche Zwölf-CD-Edition neu zu entdecken, "Let It Be" als Sechs-CD-Edition oder "Abbey Road" als dezentes Dreier-Set. Dazu eigens editierte Sammlungen der Lieder, die die Beatles für andere komponierten oder die Star-Club-Aufnahmen aus Hamburg.

Das alles kostet nichts (man muss es nur mit Googles Hilfe finden!), ist natürlich vollkommen illegal und wurde selbst auf den Seiten des altehrwürdigen amerikanischen Fachblattes "Rolling Stone" schon lobend erwähnt. Auf jeden Fall verkürzt es die Wartezeit auf die offiziellen digitalen Songs der Liverpooler Zauderer.

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