Elektro-Produzent Diplo "Die DJ-Kultur ist ein sinkendes Schiff"

Partys haben ihn berühmt gemacht - weil er sie selbst veranstaltet hat oder seine Musik, die er mit Major Lazer oder Jack Ü aufnimmt, dort läuft. Doch mit 37 Jahren sieht Diplo nun die Tücken des DJ-Lebens.

Diplo bei Silvester-Set im Madison Square Garden
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Diplo bei Silvester-Set im Madison Square Garden


Als DJ bei Blockpartys in Philadelphia und Produzent von Tracks seiner damaligen Freundin M.I.A. machte sich Thomas Wesley Pentz vor rund zehn Jahren einen Namen - natürlich unter seinem Künstlernamen Diplo. Nun ist er auf der Titelseite des Branchenmagazins "Billboard" zu sehen - auf der Sonderausgabe zur DJ-Kultur.

Ausgerechnet in dieser Titelgeschichte geht Diplo allerdings auf Distanz zu der Szene, der er künstlerisch durchaus entstammt. Insbesondere die Electronic-Dance-Music-Szene, in den USA EDM abgekürzt, kritisiert er: "Die DJ-Welt ist verdammt nochmal die blödeste Gruppe von Leuten", sagt er kopfschüttelnd.

DJs wie er seien nicht berühmt aus irgendeinem guten Grund, sondern bloß lahm, so Diplo. Von wenigen Ausnahmen abgesehen sei diese Kultur "ein sinkendes Schiff". Er sei traurig, ein Teil davon zu sein, sagt der 37-Jährige, der von sich sagt, "endlich reifer zu werden".

Allerdings könnte diese Abgrenzung einen wirtschaftlichen Hintergrund haben. Denn für Auftragsarbeiten für andere Künstler bekomme er eine feste Summe und einige Verlagstantiemen. Zuletzt habe er nur noch für Beyoncé produziert (zwei Songs auf ihrem "Lemonade"-Album), ansonsten kümmere er sich nur noch um eigene Projekte, so Diplo.

Mit Major Lazer hatte er 2015 einen Riesenhit mit dem Song "Lean On"; das gemeinsame Projekt mit Skrillex, Jack Ü, landete ebenfalls einen weltweiten Charterfolg mit dem Song "Where Are U Now" und dem Gastsänger Justin Bieber. Für solche Songs bekomme er auch Geld aus Soundtracks und Streamingdiensten, zudem garantierten sie Auftritte als Festival-Headliner. "Dieses Modell will ich weiter verfolgen", sagt der Musiker. Das klassische Bandmodell also, in der heutigen Zeit.

feb

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insgesamt 11 Beiträge
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relative_wahrheiten 10.06.2016
1. EDM, für mich ...
übelstes Dorfdisco gedröhne oder auch Enthirntes Ballermanngeschrammel... kein wunder, das Diplo dagegen stänkert, selbst wenn er bis dato damit gutes Geld verdienen konnte. Diese Thematik wurde schon vor geraumer Zeit in anderen Medien behandelt. Liebes SPON Kultur Team, berichtet doch mal mehr über kleine Festivals die sich mit Elektronischer Tanzmusik schmücken, bitte nicht immer wieder inhaltsleere Buchstabenblasen über sowieso schon etablierte, auf dem Absteigenden Ast befindlichen noch- Szene- Stars. Davon bekommen wir Leser schon viel zu viel vorgesetzt.
Kajaal 10.06.2016
2.
Wo er Recht hat, hat er Recht. Langweiligere Musik als EDM ist unvorstellbar.
spon-1225894742442 10.06.2016
3. Edm
...der Eurodance der USA. Da waren wir in Europa schon vor 20 Jahren weiter entwickelt...
spiegelfrauchen 10.06.2016
4. Hype ?
Ich habe diesen Hype um diese stupide " Musik " ohnehin nie verstanden .
5b- 10.06.2016
5. Edm
Ich bin ein Liebhaber Elektronischer Musik. Es ist ein sehr weites Feld und erstreckt sich weit über "Techno" und "House" Grenzen hinweg. Wer es ganz eng sieht müsste fast alles, was es heute in den Charts (pfui blödes Wort) gibt, als elektronisch verstehen — besonders Hip Hop. Man könnte nicht-elektronisch auf live im Studio an einem Stück aufgenommene Musik noch als nicht elektronisch beschränken. Wir lassen also Elektronik wie Mikrofon, Lautsprecher, E-Gitarren und sogar Synthesizer außen vor. Die Musik heute wird aber industriell wie am Fließband hergestellt. Tune Yards und Grimes (vor dem aktuellen Album) sind junge Beispiele für gute elektronische Musik, obwohl ich bezweifeln mag, dass beide Künstlerinnen ihre Musik als solche begreifen. Nun aber zurück zum Thema. Ich war viele Jahre (so kam es mir vor) in Clubs und wollte gute Musik hören. Die Male bei denen ich in Clubs wirklich gute musikalische Erlebnisse hatte, kann ich an meinen Fingern abzählen (Großereignisse natürlich ausgeschlossen). Ich wäre so gern mal auf das Sonar Festival gegangen. Wenn jetzt ein Durchschnitts-ehemals-DJ-nun-Produzent gegen die Branche wittert, kann man da nur müde darüber schmunzeln. Am Anfang war die Musik war im Fokus und der DJ der kreative Kurator in der Ecke. Man hätte ihn nicht auf das kommerzgefährdete Podest stellen sollen.
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