Meister-Dirigent Claudio Abbado ist tot

Ein Maestro ist abgetreten. Er war Karajans Nachfolger als künstlerischer Chef der Berliner Philharmoniker, leitete die Salzburger Festspiele. Nun ist der italienische Dirigent Claudio Abbado gestorben, er wurde 80 Jahre alt.

DPA

Der italienische Meisterdirigent Claudio Abbado ist tot. Abbado starb am Montag in Bologna im Alter von 80 Jahren, berichten italienische Medien übereinstimmend. Er war seit längerem krank. Der gebürtige Mailänder, Sohn eines Violinisten und einer Klavierlehrerin, hatte in seiner langen Karriere 1966 zum ersten Mal mit den Berliner Philharmonikern zusammengearbeitet und zwei Jahre später die Opernsaison der Mailänder Scala eröffnet.

An der Scala arbeitete Abbado von 1968 an als leitender Dirigent, Musikdirektor und schließlich ab 1977 als künstlerischer Leiter. Er wurde als engagierter Förderer von Moderne und Avantgarde an dem Traditionshaus geschätzt. Doch von 1979 an gab er die Ämter nach und nach wieder auf, eine Folge der Finanznot an der Scala. Abbado ging nach Wien, wo er Generalmusikdirektor der österreichischen Hauptstadt wurde.

Im Oktober 1989 wurde Abbado von den Berliner Philharmonikern als Künstlerischer Leiter des Orchesters zum Nachfolger Herbert von Karajans gewählt, ein Amt, dass er bis zum Jahre 2002 innehatte. Die Ankündigung seines Abschieds wurde vom Orchester seinerzeit mit Bestürzung aufgenommen, er habe "musikalisch im Zenit" gestanden, urteilte die "Zeit". Es gab allerdings auch kritischere Stimmen: Für den SPIEGEL endete keine Ära Abbado, "bloß eine Amtszeit".

Parallel zu seinem Wirken in Berlin war Claudio Abbado von 1994 an Leiter der Salzburger Osterfestspiele, wo er allerdings im Jahr 2000 seine Mitwirkung an den Opernproduktionen absagte, weil er sich in künstlerischen Fragen übergangen fühlte. 2002 beendete er seine Zeit in Berlin und ging später dann nach Italien zurück, mit dem Wunsch "mehr lesen, segeln und Ski fahren" zu können. In den Ruhestand ging er noch nicht: Abbado gründete das Lucerne Festival Orchestra. Im Oktober 2012 trat er erstmals seit 26 Jahren wieder in der Mailänder Scala an - nachdem die Stadt seine Bedingung erfüllt und 90.000 Bäume gepflanzt hatte.

Der italienische Regierungschefs Enrico Letta sagte am Montag, der Dirigent habe über das Land hinaus bleibende Maßstäbe gesetzt. Letta würdigte am Montag Abbados Können, seine Hingabe und die außergewöhnlichen nationalen wie internationalen Erfolge einer langen Karriere: "Die Welt der Musik und der Kultur verliert einen absoluten Protagonisten. Uns bleiben sein Zeugnis und Beispiel, gegeben vor allem zum Vorteil der jungen Leute, für die sich Claudio Abbado sehr eingesetzt hat."

feb/dpa/AFP



insgesamt 23 Beiträge
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ohrenbaer2 20.01.2014
1. Ein Weltbürger und großartiger Musiker
Wird leider nie wieder etwas Neues ausprobieren können. Bye, bye Claudio
peter e. 20.01.2014
2. Sehr traurig...
Für mich war er im letzten Jahrzehnt der beste unter den lebenden Dirigenten und äußerst sympathisch wirkend dazu. Ich erinnere mich an einige absolut herausragende Konzerte in Berlin (Wozzeck konzertant, Mahlers II., III. und IX. usw.) Besonders im letzten Jahrzehnt hat er (v.a. auch in Luzern) herausragende Aufführungen geleitet. Im Mai hätte er wieder in Berlin sein sollen. Ich bin sehr traurig, ihn jetzt nicht mehr erleben zu können...
peterluxx 20.01.2014
3.
...ich neige mein Haupt angesichts dieser traurigen Nachricht! Zur Zeit wird er von keinem der lebenden Dirigenten zu ersetzen sein. Auch nicht als Musikpädagoge. Mich erstaunt das es in diesem Forum kaum Reaktionen dazu gibt. Ginge es um irgendwas ums Auto, wären 360 Zuschriften das Mindeste.....
robwe 20.01.2014
4. Sehr traurig ...
Zitat von peter e.Für mich war er im letzten Jahrzehnt der beste unter den lebenden Dirigenten und äußerst sympathisch wirkend dazu. Ich erinnere mich an einige absolut herausragende Konzerte in Berlin (Wozzeck konzertant, Mahlers II., III. und IX. usw.) Besonders im letzten Jahrzehnt hat er (v.a. auch in Luzern) herausragende Aufführungen geleitet. Im Mai hätte er wieder in Berlin sein sollen. Ich bin sehr traurig, ihn jetzt nicht mehr erleben zu können...
ich kann mich nur anschließen - Ihrer Liste der herausragenden Berliner Konzerte möchte ich noch die Pastorale hinzufügen.
threni 20.01.2014
5. Eine der ganz grossen...
hat uns nun für immer verlassen. Ruhe in Frieden, Maestro!
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