Dirigent Waleri Gergijew Münchner OB setzt Putin-Freund ein Ultimatum

2014 unterstützte Waleri Gergijew die Annexion der Krim – nach dem russischen Angriff auf die Ukraine fordern Kollegen vom Chefdirigenten der Münchner Philharmoniker, Stellung zu beziehen. Der Münchner OB droht sogar mit dem Rauswurf.
Waleri Gergijew: Darf nicht, wie geplant, in der New Yorker Carnegie Hall auftreten

Waleri Gergijew: Darf nicht, wie geplant, in der New Yorker Carnegie Hall auftreten

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Artyom Geodakyan / ITAR-TASS / IMAGO

Der Angriff Russlands auf die Ukraine erschüttert auch die Kulturwelt. Am Freitag drohte der Münchner Oberbürgermeister Dieter Reiter (SPD) dem Chefdirigenten der Münchner Philharmoniker und Putin-Freund Waleri Gergijew mit dem Rauswurf. Viele Kulturschaffende äußern unterdessen ihre Erschütterung über die russische Invasion der Ukraine.

»Ich habe gegenüber Waleri Gergijew meine Haltung klargemacht und ihn aufgefordert, sich ebenfalls eindeutig und unmissverständlich von dem brutalen Angriffskrieg zu distanzieren, den Putin gegen die Ukraine und nun insbesondere auch gegen unsere Partnerstadt Kiew führt«, sagte Reiter laut einer Mitteilung vom Freitag in München. »Sollte sich Waleri Gergijew hier bis Montag nicht klar positioniert haben, kann er nicht länger Chefdirigent unserer Philharmoniker bleiben.«

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Der 68 Jahre alte Gergijew ist seit 2015 Chefdirigent der Münchner Philharmoniker, eines städtischen Orchesters. Seine Freundschaft mit Putin ist schon lange ein latentes Imageproblem für den Mann aus dem Kaukasus. Als im März 2014 bekannt wurde, dass er in einem offenen Brief zusammen mit weiteren russischen Kulturschaffenden die Annexion der Krim unterstützt hatte, gab es Proteste.

Seiner Karriere schien das aber nie wirklich zu schaden. Er ist einer der bekanntesten Dirigenten, ein viel beschäftigter Mann. Neben der Leitung des russischen Prestigetheaters Mariinsky, die er seit Jahrzehnten innehat, dirigiert er immer wieder einige der größten und bekanntesten Orchester der Welt.

Nun aber dürfte er es im Westen ohne eine Distanzierung von seinem mächtigen Freund in Moskau schwer haben. Der Putin-freundliche Stardirigent wird beispielsweise auch nicht wie geplant mit den Wiener Philharmonikern in der New Yorker Carnegie Hall auftreten – »aufgrund jüngster Ereignisse in der Welt«, wie die Veranstalter mitteilten. Der Intendant der Hamburger Elbphilharmonie, Christoph Lieben-Seutter, droht ebenfalls mit der Absage: Er hoffe sehr, dass Gergijew »dieser Tage ein Zeichen der Distanzierung von dem Überfall Russlands auf die Ukraine setzen wird«, sagte Lieben-Seutter der Deutschen Presse-Agentur. Anderenfalls könnten die für die Osterwoche geplanten Konzerte des Mariinski-Orchesters aus St. Petersburg in der Elbphilharmonie unter seiner Leitung nicht stattfinden.

Der Wiener Philharmoniker-Vorstand Daniel Froschauer betonte allerdings die jahrzehntelange Verbundenheit seines Ensembles mit Gergijew und sagte: »Die Kultur darf nicht zum Spielball von politischen Auseinandersetzungen werden.« Nach Medienberichten stellte auch die Mailänder Scala Gergijew ein ähnliches Ultimatum wie Reiter in München.

»Gemeinsam mit den Orchestervertretern der Münchner Philharmoniker erwarte ich von Ihnen als Chefdirigent des Orchesters jetzt ein deutliches Zeichen der Distanzierung von den völkerrechtswidrigen Angriffen gegen die Ukraine«, schrieb Reiter an Gergijew. »Und damit ein klares Signal an die Stadtspitze, die Öffentlichkeit, die Musikerinnen und Musiker der Münchner Philharmoniker und ihr Publikum bis Montag, 28. Februar. Anderenfalls werden wir das Vertragsverhältnis als Chefdirigent beenden müssen.«

ime/dpa