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Pop-Auferstehung: Samstagnacht mit John Travolta

Foto: Randee St Nicholas/ Warner Music

Pop-Auferstehung Disco, Disco

Radiosender mussten Bee-Gees-freie Tage einführen: Als es Disco entdeckte, gelang dem Föhnwellen-Trio eines der größten Comebacks der Popgeschichte - nachzuhören nun auf einer neuen CD-Box.

Mitte der Siebzigerjahre waren die Bee Gees mal wieder auf den Hund gekommen. In die Charts schafften sie es nur noch in Hongkong und Italien. Und in ihrer Heimat England wurden sie nur in Cabaret-Spelunken für Konzerte gebucht. Schon damals galten die Bee Gees als Veteranen.

In den Sechzigerjahren war das Brüder-Trio Barry, Robin und Maurice Gibb mit sanft versponnenen Psychedelic-Hits wie "Massachusetts", "Words" oder "I Started a Joke" groß rausgekommen. Der Start für eine große Popkarriere, was mehr als 220 Millionen verkaufte Platten illustrieren, die das Trio in eine Liga mit Elvis, Michael Jackson und den Beatles beförderte.

Obendrein verfassten die Gibbs ihre Hits sogar selber. Ähnlich viele Hits wie Barry Gibb und seine Brüder hat wohl nur das Duo Lennon& McCartney zu verantworten. Die Liste der Kollegen, die Bee-Gees-Songs sangen, reicht von Elvis über Al Green und Dolly Parton bis hin zu den Pet Shop Boys und Beyonce.

Stimmen zu hoch, Zähne zu breit

Nur als cool galten die Gibbs nie. In schöner Regelmäßigkeit wurden die drei verspottet: Weil ihre Stimmen zu hoch waren, ihre Zähne zu breit, ihr Haar zu geföhnt und ihr ganzes Image überhaupt viel zu bieder war.

Allen Triumphen zum Trotz setzte ihnen das zu. Regelmäßig brachen sie Interviews ab und stritten mit schnippischen Journalisten, aber der Hohn machte die Brüder auch zäh und widerstandsfähig. Als die Dinge für die Bee Gees Mitte der Siebziger also weniger gut liefen, wechselten sie einfach ihren Sound.

Schluss war mit verschnörkeltem Pop, stattdessen heuerten sie für ihr Album "Mr Natural" das Soul-As Arif Mardin als Produzenten an. Die glänzenden R&B-Zeitlupen-Songs der Platte punkteten zwar kaum in den Charts, brachten die Brüder aber wieder auf Kurs.

Dann kam Disco. Mit dem Album "Main Course" und Hits wie "Jive Talking" kehrte der Erfolg zurück, und zwar mit Wucht. Als die Anfrage kam, für einen Low-Budget-Film namens "Saturday Night Fever" ein paar Songs beizusteuern, lieferten die Gibbs "Night Fever", "Stayin Alive", "More Than A Woman" und "How Deep Is Your Love" - vier Songs, die der Perfektion im Pop sehr nahe kommen.

Hits schienen unausweichlich

Der Rest ist Geschichte, wenn man so will. Die Musik brach Rekorde, der "Saturday Night Fever"-Soundtrack zählt zu den erfolgreichsten Platten aller Zeiten.

Der über vier Alben führende Weg zu dieser Wiederauferstehung der Gibbs ist nun in der feinen Box "1974-1979" nachzuhören. Wobei insbesondere ihre zwei damals übersehenen R&B-Platten eine Wiederentdeckung wert sind.

Für die Bee Gees ging das Soul-Disco-Abenteuer selbstverständlich irgendwann nach hinten los: Weil ihre Hits unausweichlich schienen, führten einige Radiosender sogar "Bee-Gees-freie Tage" ein. Aber auch das ist ewig her. Die Durststrecken ihrer Karriere seien vermutlich angenehmer, weil friedlicher als ihre erfolgreichen Zeiten gewesen, hat Barry Gibb, der letzte lebende Bee Gee, mal in einem Interview bekannt.

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Bee Gees:
1974-1979.

Rhino (Warner); Box-Set; 24,99 Euro.

Die Wiedergabe wurde unterbrochen.