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10. März 2016, 13:32 Uhr

Videoclip "Drone Bomb Me"

Die Tränen von Naomi und die Stimme von Anohni

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Eleganter und berührender wurden Pop und Politik lange nicht zusammengeführt: Im neuen Videoclip "Drone Bomb Me" der Künstlerin Anohni offenbaren sich Unterdrückung und Schmerz in den Tränen von Top-Model Naomi Campbell.

Erst im Mai wird das Debütalbum von Anohni erscheinen. Die Stimme der britischen Sängerin, ein flehender, zittriger Falsettgesang, ist Popfans allerdings gut bekannt: Anohni hieß bisher Antony Hegarty und veröffentlichte als Antony And The Johnsons hinreißende Balladen.

Für ihr neues Projekt tat sie sich mit dem amerikanischen Elektronik-Avantgardisten Daniel Lopatin alias Oneohtrix Point Never und dem schottischen Produzenten und Musiker Hudson Mohawke zusammen, der unter anderem Beats für Kanye West und Azealia Banks lieferte. Besser geht gefühlvolle, musikalisch und inhaltlich akute Popmusik gerade nicht.

Hinzu kommt ein betont politischer Angang: Die erste Anohni-Single "4 Degrees" beschäftigte sich mit globaler Klima-Erwärmung, und auch "Manta Ray", der für einen Oscar nominierte Song, den Anohni gemeinsam mit dem Komponisten J. Ralph für den Film "Racing Extinction" interpretierte, behandelte mit dem Aussterben bedrohter Tierarten ein gesellschaftlich relevantes Thema.

Am Mittwochabend hatte nun "Drone Bomb Me", der zweite Song aus dem dystopisch "Hopelessness" betitelten Album Premiere - mit einem Videoclip, der gleichermaßen anrührt und aufrüttelt. Top-Model Naomi Campbell singt die zerbrechlichen Zeilen von Anohni, während sie in einem düsteren Raum auf einem groben Holzthron sitzt, der zu Folterzwecken entworfen zu sein scheint.

Campbell, gestylt von Givenchy-Designer Riccardo Tisci, trägt zunächst eine Tarn-Uniform mit hohen Lackstiefeln, später ein viel Haut zeigendes Fetisch-Ensemble mit stilisierter Dornenkrone, die auch ein Abbild des Sternenkrönchens der New Yorker Freiheitsstatue sein könnte. Vor ihrem Thron winden sich kaum bekleidete schwarze Tänzer in ekstatischen Bewegungen. Regie führte der australische Videoclip-Expressionist Nabil Elderkin.

"Drone bomb me/ Blow me from the mountains/ And into the sea/ Blow me from the side of the mountain/ Blow my head off/ Explode my crystal guts/ Lay my purple on the grass", solche martialischen Zeilen singt Anohni/Naomi mit widersprüchlicher Sanftheit - und alsbald fließen Tränen über ihr direkt der Kamera zugewandtes Gesicht. Eine Anklage: Offenbar stellt sie ein Mädchen aus Afghanistan, Syrien oder dem Irak dar, deren Familie von einem amerikanischen Drohnen-Angriff ausgelöscht wurde. Der Symbolismus dieses eindrücklichen Clips hört bei dieser Interpretation jedoch nicht auf: Man kann Campbells Figur auch als Anwältin unterdrückter Afroamerikaner in den USA betrachten, der Text ließe sich auch als abgründige, obsessiv-masochistische Liebesfantasie lesen wie bei Anohnis im gleichen Genre angesiedelten Kollegin FKA Twigs.

Die Erhabenheit des Videos spiegelt sich in der Musik von "Drone Bomb Me": Über verschleppten R&B- und Dubstep-Beats öffnet sich ein Geräuschraum mit verfremdeten Synthie-Fanfaren und verhallenden Soundakzenten, die im Verlauf des Songs zu einer mitreißenden Hymne anschwellen und am Ende im besinnlich-beseelten Orgel-Outro implodieren. Ein hochemotionales Zusammenspiel aus Bildern und Musik, das einen so schnell nicht mehr loslassen wird.

Anohni - "Drone Bomb Me":

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