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ESC 2019: So sehen Sieger aus

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ESC-Sieg für die Niederlande Der Piano-Man bezwingt die Windmacher

Nach 44 Jahren geht die Siegestrophäe beim Eurovision Song Contest wieder in die Niederlande. Duncan Laurence findet mit seiner Pop-Ballade "Arcade" das richtige Maß an Inszenierung im quietschbunten ESC-Zirkus.

Sehr selbstbewusst, vielleicht sogar ein bisschen siegesgewiss hatte Duncan Laurence schon gewirkt, als die Kamera sein Gesicht beim Einmarsch der Kandidaten ins Kongresszentrum von Tel Aviv einfing. Konnte man es ihm verdenken? Seit Wochen hatte er als der Topfavorit gegolten, bei den Wettbüros, aber auch bei vielen Fan-Abstimmungen. Was sollte da noch schiefgehen?

Doch viele scheinbar sichere Sieger sind schon beim Eurovision Song Contest gestürzt, und als die Jurystimmen aus 41 Ländern nach langer Prozedur endlich bekanntgegeben worden waren, lagen die Niederlande mit 231 Punkten zwar im Spitzenfeld, aber doch hinter den Beiträgen aus Schweden und Nordmazedonien.

261 Punkte kamen dann noch durch Zuschauerstimmen hinzu - 30 weniger zwar als der Publikums-Champion Norwegen erhielt. Aber zusammengenommen reichte es in der Gesamtwertung für den mit 27 Punkten Vorsprung auf Italien dann doch recht eindeutigen Sieg.

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Der erste ESC-Sieg für die Niederlande seit 44 Jahren (Teach-In gewannen 1975 mit "Ding-a-Dong"), der fünfte überhaupt, löste großen Jubel aus bei den niederländischen TV-Kommentatoren. Und das "Yes", mit dem Duncan Laurence die Trophäe entgegennahm, war ein Stoßseufzer der Erleichterung, der von sehr tief innen zu kommen schien.

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ESC 2019: So sehen Sieger aus

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Sein erfolgreicher Titel ist eine Klavierballade, in der er für die Suche nach der Liebe auf recht clevere Weise Spielsucht-Metaphern nutzt. Geschrieben hat der 25-Jährige, der eigentlich Duncan de Moor heißt, den Song schon während des Studiums an der Rock Academy in Tillburg (an der fertigen Fassung arbeiteten noch der Produzent Wouter Hardy und der schwedische Songwriter Joel Sjöö mit).

"Music first - always"

In seinem kurzen Siegerstatement vor dem Millionenpublikum des ESC sagte Duncan Laurence: "This is to music first - always" - die Musik solle immer zuerst kommen. Damit positionierte sich der Niederländer in der Debatte, die seit einigen Jahren immer polarisierter um den Song Contest kreist: Ist er eine Leistungsschau des Pop-Songwriting oder wird doch eher die spektakulärste Show ausgezeichnet. Wie die meisten Interpreten, die die Niederlande zuletzt ins Rennen geschickt hatte, zählt also auch Laurence zum Team "Real Music".

Doch auch der einnehmendste Popsong will für eine Fernsehshow inszeniert sein - die niederländische Delegation setzte den Sänger an ein elektrisches Piano, ließ ihn gelegentlich keck in die Kamera blicken, und setzte ansonsten zwei Lichtakzente: Ein Lampenball sank langsam von der Hallendecke herab und stieg wieder auf. Und ein Gegenlichtstrahler setzte den Piano Man Laurence ins heroische Profil. Sehr reduziert, aber auch sehr stimmig.

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Eurovision Song Contest: Die Auftritte der Finalisten

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Oft amüsiert man sich im Westen Europas über allzu ambitioniert erscheinenden Zinnober, mit denen Länder wie Aserbaidschan (2019: Roboter! Lazer!! Hologramm!!!) beim ESC um Aufmerksamkeit buhlen. Windmaschinen und Trickkleider sind da oft schon passé.

Doch auch die Niederländer wussten, wie sie mit dem ESC-Stammpublikum zu spielen hatten, als sie ein Vorabvideo zu "Arcade" veröffentlichten, in dem Duncan Laurence nackt im Wasser tauchte und Blicke auf seinen Hintern erlaubte. "Music first - always"?

Letztlich zeigt die Tatsache, dass "Arcade" sowohl bei den professionellen Jurys als auch beim mutmaßlich für Showelemente empfänglicheren TV-Publikum reüssierte, dass die Niederlande einen guten Kompromiss gefunden haben. Es gab sicher schon strahlendere Sieger. Lieder, die aus dem Rahmen fielen oder eine gesellschaftliche Stimmung auf den Punkt brachten. So ein Lied ist "Arcade" nicht. Aber dafür könnte es durchaus in den nächsten Wochen manchmal im Radio zu hören sein.

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