Nach Preis für Kollegah und Farid Bang Echo-Veranstalter wollen Regeln überarbeiten

Die Auszeichnung der Rapper Farid Bang und Kollegah mit einem Echo hat den Preis selbst in die Kritik gebracht. Nun reagiert der Bundesverband Musikindustrie und kündigt an, die Vergabemechanismen zu erneuern.
Farid Bang und Kollegah mit Echo-Trophäe

Farid Bang und Kollegah mit Echo-Trophäe

Foto: AXEL SCHMIDT/ AFP

Angesichts der Kritik nach der Echo-Verleihung an die Rapper Kollegah und Farid Bang will der Veranstalter das Konzept erneuern. "Als Konsequenz daraus wird der Preis auf Entscheidung des Vorstandes vom heutigen Tag nun überarbeitet werden", erklärte Florian Drücke, Vorstandsvorsitzender des Bundesverbandes Musikindustrie (BVMI), am Sonntag auf Anfrage der Deutschen Presse-Agentur. Das schließe die "umfassende Analyse und die Erneuerung der mit der Nominierung und Preisvergabe zusammenhängenden Mechanismen" ein. Nähere Details nannte er nicht.

"Im Zuge der aktuellen Debatte mussten wir erkennen, dass wir uns in einem Umfeld wiederfinden, das den Preis in ein falsches Licht rückt", betonte Drücke. "Das darf nicht ohne Konsequenzen bleiben." Die Art und Weise der öffentlichen Befassung mit der Auszeichnung des Albums habe zu einer Welle der Betroffenheit geführt - "die uns sehr bestürzt und die den Preis überhöht und zugleich überfordert".

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Kollegah und Farid Bang waren am Donnerstagabend für ihr Album "Jung, Brutal, Gutaussehend 3" in der Kategorie Hip-Hop/Urban National ausgezeichnet worden. In dem Album finden sich die Textzeilen "Mein Körper definierter als von Auschwitzinsassen" und "Mache wieder mal 'nen Holocaust, komm' an mit dem Molotow".

Besser nach Qualität nominieren?

Die Echo-Verleihung an die Rapper war daraufhin auf viel Kritik gestoßen. Unter anderem hatte Bundesaußenminister Heiko Maas die Preisvergabe für "antisemitische Provokationen" als "beschämend" bezeichnet. Bei der Echo-Gala selbst hatte Campino von den Toten Hosen das Thema in einer Rede aufgegriffen. Er wurde dafür wiederum von Kollegah kritisiert und karikiert.

Wie das "Handelsblatt" berichtete, steht das mit dem Echo ausgezeichnete Album der Rapper beim WDR auf dem Index. Das gehe aus einem Brief der WDR-Publikumsstelle im Auftrag von Intendant Tom Buhrow an eine Kölner Bürgerin hervor. Das gelte auch für das WDR-Jugendradio 1Live, das "grundsätzlich zwar sehr offen für deutschen Rap" sei, "im konkreten Fall aber eine Ausstrahlung als unvereinbar mit öffentlich-rechtlichen Programmgrundsätzen eingeschätzt" habe.

Im Vorfeld hatte sich der Echo-Beirat mit den umstrittenen Textzeilen befasst. Er war im Zuge der Streitigkeiten um die Nominierung der Südtiroler Band Frei.Wild eingerichtet worden, um ethische Fragen zu klären. Der Beirat äußerte seine "Missbilligung" der Rap-Texte, sprach von einem "Grenzfall", entschied sich aber gegen einen Ausschluss des Duos.

Der Echo ist dem Grunde nach ein Preis, mit dem kommerziell erfolgreiche musikalische Werke prämiert werden. Darin unterscheidet er sich beispielsweise vom US-Musikpreis Grammy, bei dem Jurys unter Qualitätsgesichtspunkten über die Nominierungen und Preisträger entscheiden - oder auch dem Deutschen Buchpreis und dem Deutschen Filmpreis. Genau dies bedauert der Geschäftsführer des Kulturrats, Olaf Zimmermann, der dem "Handelsblatt" sagte, der BVMI hätte "die Notbremse ziehen müssen".

feb/dpa/AFP
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