Nach Skandal um Kollegah und Farid Bang Musikpreis Echo wird komplett abgeschafft

Der Echo wird eingestampft. Der Bundesverband Musikindustrie teilt mit, er sei so stark beschädigt worden, dass es einen völligen Neuanfang geben müsse.
Skandalrapper Kollegah und Farid Bang

Skandalrapper Kollegah und Farid Bang

Foto: POOL/ REUTERS

Der Echo ist Geschichte. Den Musikpreis soll es nach dem Skandal um die Auszeichnung der Rapper Kollegah und Farid Bang, denen Antisemitismus vorgeworfen wird, nicht mehr geben. Das hat der Vorstand des Bundesverbandes Musikindustrie am Dienstag beschlossen.

In einer Pressemitteilung heißt es, die Marke ECHO sei so stark beschädigt worden, dass ein vollständiger Neuanfang notwendig sei. Auch die bisher involvierten Gremien sollen ihre Tätigkeit einstellen.

Man wolle keinesfalls, dass der Musikpreis als Plattform für Antisemitismus, Frauenverachtung, Homophobie oder Gewaltverharmlosung wahrgenommen wird und werde dafür sorgen, dass sich ein solcher Fehler in Zukunft nicht wiederhole.

Der Vorstand nennt erste konkrete Schritte. Die Kriterien der Nominierung und Preisvergabe werden vollständig verändert. Wie beim Echo Klassik und Echo Jazz, die von Anfang an reine Jurypreise waren, soll beim neuen Musikpreis auch für den Pop-Bereich die Jury stärker in den Vordergrund rücken.

Im Juni soll es einen Workshop geben, um möglichst viele Ideen und Erwartungen aus der Branche beim Prozess der Neugestaltung einzubeziehen. Der Bundesverband Musikindustrie ist laut Pressemitteilung auch an andere Institutionen herangetreten, um die Debatte über Kunstfreiheit und ihre Grenzen in die Neugestaltung einfließen zu lassen.

Der Echo Jazz soll wie geplant am 31. Mai verliehen werden, allerdings in kleinem Kreis und ohne TV-Übertragung.

Diverse Künstler gaben Echo zurück

Diese neuste Entwicklung ist der Höhepunkt des Skandals um den Auftritt und die Auszeichnung der Rapper Kollegah und Farid Bang Mitte April. Die beiden hatten den Echo in der Kategorie Hip-Hop/Urban National gewonnen - trotz Textzeilen wie "Mein Körper definierter als von Auschwitzinsassen".

Bei der im Fernsehen übertragenen Show hatten die Rapper sich einen Schlagabtausch mit dem Sänger Campino von den Toten Hosen geliefert, der als einziger gegen ihre Texte protestierte. In der Folge kritisierten viele andere Künstler und Politiker die Auszeichnung von Kollegah, darunter Helene Fischer und Peter Maffay.

Marius Müller-Westernhagen gab alle seine Echos zurück, genauso wie Daniel Barenboim und Klaus Voormann. Die Plattenfirma der Musiker hat die Arbeit mit Kollegah und Farid Bang bis auf weiteres ausgesetzt.

kae