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Punk-Geschichte: Rumms!

Punk-Geschichte Vandalismus und Waldspaziergänge

Die Hamburger Punkband Slime wurde berühmt durch kontroverse Songs und Randale. Nun hat ein junger Schweizer Autor den Veteranen ein erstaunlich kurzweiliges Buch gewidmet.

Vor gut zwei Jahren lief eine Premierenfeier für den Spielfilm "Gegengerade" etwas aus dem Ruder, was auch an der Hamburger Punkband Slime lag, den Überraschungsgästen der Veranstaltung. Über die Feier im Berliner Grand Hotel Esplanade schrieb die "Berliner Zeitung" später: "Die Partystimmung war umgeschlagen und eskaliert, als der Sänger der Punkband Slime das Publikum beschimpfte. Ein Teil der Gäste warf Flaschen, zerstörte Glastische, urinierte auf die Teppiche, verursachte eine Überschwemmung im Toilettenbereich und zerschlug Inventar."

Rumms! Die Männer von Slime hatten mal wieder ihren Ruf als Meister des Vandalismus bestätigt. Wobei die Band um Sänger Dirk "Dicken" Jora sowie die Gitarristen Michael "Elf" Mayer und Christian Mevs seit 1979 nichts von ihrer Explosionskraft eingebüßt hat. Trotzdem waren Slime auch immer mehr als eine Randale-Band. Nur wenige deutsche Gruppen verstanden sich jemals so geschickt darauf, Rock'n'Roll mit Provokation, Politik und Haltung zu kombinieren.

Rangeleien um Verbote und Zensur

Gewürdigt wird die Band nun in dem Buch "Slime - Deutschland muss sterben". Angemessen rotzig berichtet der Autor Daniel Ryser von den Anfängen am Hamburger Stadtrand, vom ersten Konzert in der Jugendstrafanstalt Neuengamme, den berüchtigten Skandal-Songs "Wir wollen keine Bullenschweine" und "Deutschland muss sterben" und den ständigen Rangeleien mit Vertretern der deutschen Staatsgewalt um Verbote und Zensur. Nebenher erzählt er detailliert von den Auseinandersetzungen um die Hamburger Hafenstraße, der Anziehungskraft des Fußballclubs FC St. Pauli und den endlosen Debatten darum, was denn nun eigentlich Punk ausmacht und was nicht. Dazu befragte Autor Ryser, hauptberuflich Autor bei "Das Magazin" in der Schweiz, Musiker von Tocotronic, Tote-Hosen-Sänger Campino, Rocko Schamoni, Jan Delay und diverse Zeitzeugen.

Es hilft, dass der 1979, im Jahr der Bandgründung, geborene Autor Distanz zum Thema hat, und einen klaren, etwas schnippischen Blick auf die Geschichte hält. Gleichzeitig hat er eine Menge amüsante Anekdoten gesammelt, was das Ganze zu einem ziemlich kurzweiligen Vergnügen macht.

Gelungen ist das Buch aber auch, weil es kein Punk-Nerd-Spezialisten-Werk wurde, sondern locker und zugänglich von den Rebellions-Möglichkeiten in der BRD erzählt. Und davon, wie man als Rebell in Würde altert. Slime-Sänger Dirk Jora zum Beispiel, so lernt man, verbringt mittlerweile viel Zeit im Grünen, im Landhaus seiner Eltern, wo er gerne in die Sauna geht und Waldspaziergänge macht. Rumms!


Daniel Ryser: Slime - Deutschland muss sterben. Wilhelm Heyne Verlag, München; 288 Seiten; 19,99 Euro.

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