Elbphilharmonie Schön, aber es zieht

Die Elbphilharmonie wurde der Stadt Hamburg offiziell übergeben und die öffentliche Plaza eingeweiht. Hamburgs Bürgermeister Olaf Scholz lobt das Gebäude. Aber wie sieht es denn jetzt von innen aus?

AFP

Man beginnt ganz unten auf der Straße und fährt eine Rolltreppe hinauf, deren Ende man nicht sehen kann. Die Fahrt dauert zweieinhalb Minuten. Zweieinhalb Minuten ins Ungewisse. Irgendwann bemerkt man in der Ferne etwas: Ein Zwischengeschoss mit einem großen Fenster. Man fährt auf einen wunderschönen Hafenblick zu.

Dann fällt der Blick leider auf die Kneipe Störtebeker und die Stimmung ist wieder dahin. Aber zumindest ist man endlich da: In der Elbphilharmonie.

Am Freitag ist das Gebäude der Schweizer Architekten Herzog & de Meuron, zwei Monate vor ihrer Eröffnung, vom Bauunternehmen Hochtief an die Stadt Hamburg übergeben worden. Auch das Hotel und die Gastronomie auf drei Etagen öffneten für die Besucher. Und vor allem wurde die öffentliche Plaza in 37 Metern Höhe in einem Festakt eingeweiht. Sie ist ab Samstag für die Öffentlichkeit zugänglich.

So leicht, so elegant - und irgendwie intim

Das Problem an der Plaza: Es zieht wie Hechtsuppe. Denn sie ist verglast mit gebogenen, organisch geformten Fenstern. Sie schließen nicht dicht, im Sommer sollen sie geöffnet werden. Aber wenn der Wind geht, wie am Freitag, dann merkt man das.

"Dass Hamburg sich entschieden hat, die Elbphilharmonie zu errichten, ist eine richtige Entscheidung gewesen", sagte Hamburgs Bürgermeister Olaf Scholz (SPD) bei der Einweihung. Ursprünglich sollte das Gebäude bereits 2010 eröffnet werden. Die Kosten stiegen von 77 auf 789 Millionen Euro. Doch Scholz zeigte sich unbeeindruckt: Die Elbphilharmonie sei nicht nur ein architektonisch faszinierender Ort, sondern die Besucher könnten auch eines der besten Konzerthäuser der Welt erleben, sagte er im großen Konzertsaal.

Der große Konzertsaal ist dann auch der Höhepunkt eines Rundgangs durch die Elbphilharmonie: So leicht, so elegant - das wirkt nicht ausgedacht. Obwohl natürlich alles geplant ist. Er erinnert an die Philharmonie in Berlin. Auch da sitzen die Musiker in der Mitte. Dass 2100 Leute in den Saal der Elbphilharmonie passen sollen, glaubt man nicht. Es wirkt alles sehr intim - die weiteste Entfernung zum Dirigenten, selbst in den obersten Rängen, sind 30 Meter. Man kann nur hoffen, dass die Akustik so toll ist wie der Saal.

Sie soll einmal zu den besten Konzerthäusern der Welt gehören

Architekt Jacques Herzog sagte: "Wir sind glücklich, weil das Gebäude fertig geworden ist, und wir hoffen, dass die Menschen es lieben werden." Politik könne etwas Positives bewegen in einer Stadt, das sei ein wichtiges Zeichen. Hochtief-Chef Marcelino Fernández Verdes betonte: "Eine der gewaltigsten baulichen Herausforderungen ist zu ihrem geplanten Ende gekommen." Die Elbphilharmonie, die am 11. Januar 2017 mit einem Konzert des NDR Elbphilharmonie Orchesters eröffnet wird, soll einmal zu den zehn besten Konzerthäusern der Welt gehören.

Am Ende tritt man wieder auf die Straße und blickt auf die HafenCity: Das größte innerstädtische Bauprojekt Europas. Und man kommt zu dem Schluss: Wenn die Elbphilharmonie hier nicht stünde, es wäre ganz schön langweilig.

gia/dpa



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