Fotostrecke

Elektro-Folk-Barde Lewis: Das Phantom im weißen Cabrio

Foto: Courtesy of Ed Colver

Elektro-Folk-Barde Lewis Das Gespenst im weißen Cabrio

Vor 30 Jahren nahm ein Mann namens Lewis ein Album mit wundersamen Folk-Pop-Songs auf - und verschwand auf Nimmerwiedersehen. Nun wird das von Mythen umrankte Album "L'Amour" neu aufgelegt.

In Zeiten, in denen alles googlebar scheint, ist das Mysteriöse der beste PR-Coup. Wie viel Wucht mit dem Rätselhaften noch immer einhergeht, belegte zuletzt der spektakuläre Erfolg des aus dem Hades der Vergessenheit gezauberten US-Barden Rodríguez: ein verschollener, ja totgeglaubter Musiker, dessen Biografie sich wie ein Märchen las und die Vorlage für den Oscar prämierten Dokumentarfilm "Searching for Sugarman" lieferte.

Nun zieht die Rodríguez-Plattenfirma eine ähnlich rätselhafte Figur aus dem Hut und hofft auf einen weiteren Hit. Lewis heißt der Künstler, "L'Amour" das frisch entstaubte Album. Die mit ihm verbundene Geschichte geht so: Eines Tages im Jahr 1983 taucht ein gewisser Randall Wulff, alias Lewis, in einem Studio in Los Angeles auf, spielt zehn wehmütige Elektro-Folk-Balladen ein und macht sich wieder aus dem Staub. In Erinnerung bleibt, dass er blendend aussah, dass er eine attraktive Begleiterin und ein weißes Mercedes Cabrio hatte und dass der Scheck, den er dem Fotografen des bizarren Plattencover-Porträts daließ, nicht gedeckt war.

Ein Hit-Album vom Flohmarkt

Seine Spur verliert sich im Nichts. Fest steht nur, dass die in Los Angeles eingespielten Songs 1988 in Kleinstauflage auf einer privat veröffentlichten Langspielplatte namens "L'Amour" veröffentlicht wurden. Das Interesse an der Platte vergrößerte sich erst, als ein Vinyl-Jäger das seltsame Cover 2007 auf einem kanadischen Flohmarkt entdeckte - und zu Hause der Musik lauschte. Er war baff. In kürzester Zeit stieg die Platte zur absurd teuren Sammler-Trophäe auf, wurde in Online-Blogs bejubelt und als gebrannte CD weitergereicht wie ein gut gehütetes Geheimnis. Kein Wunder, dass das von Mythen umrankte Werk nun restauriert und neu aufgelegt worden ist.

So kurzweilig wie die Musik ist das der Neuausgabe beigepackte Booklet, das die Spurensuche nach Lewis detailliert dokumentiert. Letztlich förderte diese Spurensuche allerdings nicht viel mehr zutage als einen Satz toller Gerüchte: War Randall Wulff ein Börsen-Hai? Oder womöglich ein Großerbe? Fakten sind so rar, dass der Musiker auch in diesem Jahrtausend ein Gespenst bleibt.

Mitunter ist das Geheimnisvolle so überstrapaziert, dass der Verdacht aufkommt, die Geschichte könnte ein PR-Coup sein, um einen Nobody ins Rampenlicht zu befördern. Dagegen spricht, dass Original-Exemplare von "L'Amour" in den vergangenen Jahren für irre Beträge im Internet gehandelt worden sind. Letztlich bleibt die schöne Erkenntnis, dass die Musik auf "L'Amour" wirklich besonders ist: zehn seltsame, einlullende Balladen, die sich allen Genres entziehen.

Bleibt zu hoffen, dass das Geheimnis um den Künstler noch lange intakt bleibt.


CD-Angaben:
Lewis: L'Amour. Light In The Attic; 18,95 Euro.

Die Wiedergabe wurde unterbrochen.