Elton John gegen Bush "In Amerika herrscht eine Atmosphäre der Angst"

Elton John, sonst nicht bekannt für politischen Furor, hat die US-Regierung scharf angegriffen: Mit Schikane und Einschüchterung versuche Washington, kritische Musiker mundtot zu machen.

Der stets mutig bebrillte Altmeister der Popmusik griff diesmal zu gewagten Worten. "In Amerika herrscht eine tödliche Atomsphäre der Angst", zitierte die britische BBC aus einem Gespräch Elton Johns mit dem New Yorker "Interview Magazine". Musiker würden aus Furcht um ihre Karriere keine politischen Aussagen mehr wagen, die sich gegen die Politik der Regierung von US-Präsident George W. Bush richteten.

Die Künstler seien "von der Schikanierungs-Taktik der Regierung verängstigt", sagte Elton John, der den aktuellen "Angtsfaktor" in den USA mit den Zuständen in der McCarthy-Ära verglich. Die anti-kommunistische Hetzjagd des konservativen Senators Joseph McCarthy hatte in den fünfziger Jahren Intellektuelle und Künstler ins Exil und auch in den Selbstmord getrieben - mit dem Vorwurf, sie hätten sich "unamerikanischer Umtriebe" schuldig gemacht.

"Vor einem Jahr etwa konnte man in diesem Land kein Wort über irgendetwas verlieren", sagte der britische Musiker, der derzeit eine Konzertserie in den USA gibt. "Du musstest Angst haben, dass deine Karriere von Leuten zerstört wird, die behaupteten, du seiest unamerikanisch."

In den sechziger Jahren sei die Atmosphäre in den USA völlig anders gewesen. "Leute wie Bob Dylan, Nina Simone, die Beatles und Pete Seeger haben permanent über die aktuellen Geschehnisse geredet und geschrieben", sagte Elton John. "Das geschieht nun nicht mehr. Seit diesem Frühling gab es praktisch keine Antikriegs-Konzerte oder erfolgreiche Antikriegs-Lieder."

Der Musiker äußerte sich besorgt darüber, dass es offenbar akzeptabel sei, sich pro Bush zu äußern, nicht aber, die Regierung zu kritisieren. Als Beispiele nannte er den Sänger Toby Keith und die Country-Band The Dixie Chicks. "Auf der einen Seite gibt es jemanden wie Toby Keith, der sich sehr positiv über die Bush-Regierung und den Irak-Krieg geäußert hat", sagte Elton John. "Auf der anderen Seite wurden die Dixie Chicks für ihre Kritik am Präsidenten regelrecht abgeschossen. Sie wurden behandelt, als seien sie unamerikanisch, obwohl sie jedes Recht hatten, alles über ihn zu sagen, weil er frei gewählt und damit Rechenschaft schuldig ist."