Nach Anti-Lockdown-Song Robert Cray möchte nicht mehr mit Eric Clapton auftreten

In einem Song verglich Eric Clapton das Musikerdasein im Lockdown mit der Sklaverei. Darüber zerbrach die Freundschaft mit dem Bluesmusiker Robert Cray – der eine gemeinsame Tournee nun absagt.
Musiker Clapton: Kritik für Sklaven-Vergleich

Musiker Clapton: Kritik für Sklaven-Vergleich

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Gareth Cattermole / Getty Images

Als der noch relativ unbekannte amerikanische Bluesmusiker Robert Cray 1986 im Londoner »Mean Fiddler« spielte, überraschte ihn Eric Clapton – damals längst ein Weltstar – damit, dass er zu Cray auf die Bühne kam und mit ihm zusammen jammte. Seitdem verband die beiden Musiker eine enge Beziehung, mehrfach ging Cray im Vorprogramm von Clapton auf Welttournee.

Doch in der Coronapandemie ist die Beziehung der beiden empfindlich gestört worden. So sehr, dass Robert Cray es ablehnte, erneut vor Eric Clapton aufzutreten. Dies berichtete der 68-Jährige der »Washington Post«, die in einem großen Artikel  der Frage nachging: »What happened to Eric Clapton?« – Was wurde aus Eric Clapton?

Musikerkollegen Cray und Clapton (Archivbild)

Musikerkollegen Cray und Clapton (Archivbild)

Foto: Jun Sato / WireImage / Getty Images

Eric Clapton, solo und als Musiker von Bands wie Cream, Derek and the Dominos und den Yardbirds gefeiert als virtuoser und stilprägender Blues- und Rock-Gitarrist, veröffentlichte im Dezember 2020 einen Song namens »Stand and Deliver«, komponiert und getextet von Van Morrison, der zu diesem Zeitpunkt schon mit scharfer Kritik gegen die Einschränkungen seiner Auftrittsmöglichkeiten durch die Corona-Maßnahmen aufgefallen war.

Im Text zu »Stand and Deliver« heißt es unter anderem »Do you wanna be a free man / Or do you wanna be a slave? / Do you wanna wear these chains / Until you’re lying in the grave?« Dass die Nöte der Pandemiebekämpfung mit denen der Sklaverei verglichen wurden, stieß dem als Schwarzer im damals noch segregierten Georgia aufgewachsenen Cray sauer auf. Ein E-Mail-Austausch mit Clapton brachte keine befriedigende Erklärung, sagt Cray der »Washington Post«.

Zusätzlich wurde das Verhältnis der beiden Musiker noch dadurch belastet, dass sich Eric Clapton im September dieses Jahres bei einem Auftritt in Austin, Texas mit dem Gouverneur des Bundesstaates, Greg Abbott, fotografieren ließ. Zumal Cray die Pose an ein gemeinsames Foto mit dem von beiden bewunderten Blues-Heroen B.B. King aus dem Jahre 2013 erinnerte: »Was ist los mit diesem Bild? Warum machst du das?«, fragte sich Cray.

Der texanische Gouverneur Abbott ist ein Hardliner der US-Republikaner, insbesondere seine restriktive Abtreibungsgesetzgebung machte ihn zur Symbolfigur der Rechten. Greg Abbott hatte alle Regelungen, Covid-19-Impfungen für bestimmte Berufsgruppen verpflichtend zu machen, in seinem Bundesstaat ausgesetzt. Damit lag er auf einer politischen Linie mit Eric Clapton, der im Sommer angekündigt hatte, keine Auftritte zu absolvieren, wenn vom Publikum ein Impfnachweis verlangt werde. Clapton selbst hatte sich impfen lassen, danach aber nach eigenen Angaben unter Nebenwirkungen gelitten. Nach der zweiten Dosis hätten sich seine Hände und Füße zwei Wochen lang abwechselnd gefroren, taub oder brennend angefühlt.

»Ich habe einfach keinen, mit dem ich spielen kann«

Für den Artikel hat die »Washington Post« mit zahlreichen Weggefährten des 76-jährigen Musikers gesprochen. Manche äußern Verständnis für dessen Haltung, andere beschreiben ihn als besonders arglosen Menschen. Im Zusammenhang mit Claptons jüngeren Äußerungen riefen allerdings manche Beobachter dessen rassistischen Ausbruch 1976 in Erinnerung, als er von der Bühne in Birmingham dazu aufrief, Großbritannien weiß zu halten. Clapton hat sich 2017 im Dokumentarfilm »Life in 12 Bars« dafür entschuldigt und den Ausfall mit seinen schweren Alkoholproblemen zu der Zeit begründet.

Der Bassist Nathan East, der seit 1985 mit Clapton spielt, schlägt in dem »Washington Post«-Artikel vor, den Vorfall von Birmingham wie ein Streichresultat bei einem Sportwettkampf zu behandeln: »Man kann eine Person nicht nur am Allerbesten messen, was sie je tat, aber auch nicht am Allerschlechtesten.«

East berichtet weiter, dass in jüngerer Zeit Claptons Frau und sein Manager ihm davon abgeraten hätten, über politische Themen zu sprechen. Der Bassist war auch an den Aufnahmen für ein akustisches Livealbum beteiligt, das an diesem Freitag unter dem Titel »The Lady in the Balcony – Lockdown Sessions« erscheint. Darauf wollte Clapton auch eine Version seines Anti-Lockdown-Songs »Stand and Deliver« veröffentlichen – der Produzent des Albums, Russ Titelman, wollte dagegen intervenieren, musste es aber nicht, da Claptons Plattenfirma ihm den Plan ausredete.

Der Musiker Richard Feldman, der in der Lockdownzeit mit Clapton via Zoom in Kontakt stand, verglich den 17-fachen Grammygewinner mit einem schmollenden 17-Jährigen: »Ich habe einfach keinen, mit dem ich spielen kann«, zitiert Feldman Clapton in dem Zeitungsartikel.

Robert Cray jedenfalls will künftig nicht mehr als Mitspieler zur Verfügung stehen. Clapton habe sich über die Jahre sehr verändert, er habe seinen Sinn für Humor verloren, sagt Cray der »Washington Post«. Er wolle nicht mehr mit jemandem in Verbindung stehen, der so extrem und selbstsüchtig geworden sei.

feb