Eurovision Song Contest Diese Songs haben sich fürs Finale qualifiziert

Das ESC-Finale ist komplett: Zehn Titel haben sich im zweiten Halbfinale für die große Samstagabendshow qualifiziert. Auch Australien ist dabei. Hier der Überblick aller Qualifizierten.

Dami Im aus Australien
Giles Park

Dami Im aus Australien


Diese zehn Länder haben die Qualifikation im zweiten Halbfinale geschafft:

1: Lettland

Justs: "Heartbeat"

Nach sechs Jahren Flaute schaffte die Sängerin Aminata 2015 das Finalcomeback für Lettland. Kein Wunder also, dass sich der baltische Staat ihr auch dieses Jahr wieder anvertraute. Diesmal hat sie allerdings nur den Song geschrieben, ans Mikro lässt sie den zwei Jahre jüngeren Justs Sirmais, der mit ergriffener Stimme sein Herzensleid klagt. Die Musik dazu ist die Sorte minimalistischer Elektropop, die Europa im Vorjahr in den Bann zog, jedoch mit etwas mehr Wärme versehen - und mit Justs' sehr charmantem Lächeln.

2: Polen

Michal Szpak: "Color of Your Life"

"Dreams are my reality", kommt es einem fast unvermeidlich in den Sinn, wenn die polnische Ballade zu Streicherakkorden beginnt, so sehr erinnert die Melodie an die Filmmusik von "La Boum". Solch einen sanftmütigen Romantiker mit langem gelockten Haar wie den Sänger Michal Szpak hätte sich Vic ( Sophie Marceau) eventuell auch herbeigesehnt. Im Präsentationsvideo werden zudem verwunschene Schlösser im polnischen Wald gezeigt. Hach! Auf der Bühne in der Globen Arena will er nur mit Stimme, Blicken und Körpersprache verzaubern, sagt der 25-Jährige und verzückt damit ESC-Romantiker, denen heutzutage zu viel Lametta ist.

3: Israel

Hovi Star: "Made Of Stars"

Hovav Sekulets, der sich ganz bescheiden Hovi Star nennt, sagt, dass er sich "zwischen den Verrückten beim ESC" so richtig zu Hause fühle. Die Eurovisions-Blase der Außenseiter, Besonderen, Schillernden wird den ausgebildeten Haar- und Makeup-Stylisten vielleicht nicht zu den Sternen tragen, aber doch ins Finale. Denn Hovi Star trägt seine Ballade mit viel Charisma und guter Stimme vor. Sein Ziel: Besser abschneiden als Nadav Guedj 2015, dessen "Golden Boy" vom selben Songwriter stammte. Das wäre dann mindestens Platz acht!

4: Serbien

Sanja Vucic ZAA: "Goodbye (Shelter)"

Die Amy Winehouse von Krusevac singt eine ziemlich starke Trennungsballade mit Anklängen ans Thema häusliche Gewalt. Weil das hier aber der Eurovision Song Contest ist, trägt sie dabei viel Make-up (mit etwas Fantasie beeinflusst von ihren Arabischstudien an der Uni) und stürzt sich mit Verve in eine Tonartverschiebung zum Schluss. Der schmale Grat zwischen Pathos und Peinlichkeit: Serbiens Beitrag findet den richtigen Weg.

5: Litauen

Donny Montell: "I've Been Waiting For This Night"

Auch Donatas Montvydas hat aufs nächste Schaltjahr gewartet, um wieder beim ESC vorbeizuschauen: 2012 schaffte er es mit einer glitzernden Augenbinde als Gimmick und dem Song "Love Is Blind" einigermaßen überraschend ins Finale. Nun versucht er es erneut unter seinem anglisierten Künstlernamen und mit einem euphorisierten Liedchen, das man sich auch gut als Soundtrack einer Mobilfunk-Werbung vorstellen könnte.

6: Australien

Dami Im: "Sound Of Silence"

Was ursprünglich als einmaliges Gastspiel angekündigt war, scheint sich zu verstetigen: Australien singt in Europa! Nach dem starken Debüt von Guy Sebastian 2015 hat diesmal eine ehemalige "X-Factor"-Gewinnerin den weiten Weg angetreten. Dami Im kam als Neunjährige aus Südkorea nach Australien, aber ihr Song klingt ebenso wenig nach dem K-Pop aus den Hitfabriken Seouls wie der Beitrag der deutschen Sängerin Jamie-Lee, die ja erklärter K-Pop-Fan ist. Dafür ist "Sound of Silence" ein äußerst solider, durchaus moderner Elektro-Soul-Popsong, der - wenn Dami Im die Magie der großen Nacht gewogen ist - weit kommen könnte.

7: Bulgarien

Poli Genova: "If Love Was A Crime"

Als die Pink von Sofia präsentierte sich Poli Genova 2011 - und scheiterte im Halbfinale mit dem trotzig-rockigen "Na inat". Nun kehrt die inzwischen 29-Jährige zurück auf die Eurovisionsbühne. Die Haare sind länger geworden - zumindest auf der einen Kopfseite, die linke ist rasiert. Und im Song ist nur noch eine Zeile auf Bulgarisch, dafür ist er sehr modern und radiofreundlich produziert, mit einem sehr hübschen Signalsample und effektiven Chören im Refrain. Dass der international renommierte schwedische Produzent Joacim Persson mitgearbeitet hat, hört man. Starker Song, der nun den Auftritt bekommt, den er verdient.

8: Ukraine

Jamala: "1944"

Dass "1944" bei den Buchmachern zum Favoritenkreis für den Eurovision Song Contest 2016 gezählt wird, verdankt die Ukraine natürlich auch dem Thema des Liedes und den Diskussionen darüber. Die 32-jährige Jamala erinnert darin an ihre Urgroßmutter, die als Krimtatarin von Stalin vertrieben wurde und beim Transport nach Kirgisien eine Tochter verlor. Anspielungen an die heutige Situation der Krim liegen nahe, werden aber im Songtext nicht ausdrücklich gemacht - weshalb der Titel nicht disqualifiziert wurde. Aber auch musikalisch fällt "1944" auf: Das Grundgerüst ist ein Soul-Popsong mit Neunzigerjahre-Breakbeats, aber darauf singt die ausgebildete Opernsängerin auch orientalisch klingende Sprengsel. Ein kultureller Mischmasch, wie er beim ESC immer wieder beliebt ist.

9: Georgien

Nika Kocharov and Young Georgian Lolitaz: "Midnight Gold"

Und da ist schon der nächste schwedische Songwriting-Wiederholungstäter: Thomas G:son hatte mit seinem Titel im ersten Halbfinale Glück - Zypern kam weiter. Für Georgien hat der "Euphoria"-Songwriter allerdings ein ziemlich ungewöhnliches Werk abgeliefert: "Midnight Gold" klingt wie eine etwas wirre Prodigy-B-Seite, circa aus dem Jahr 1997, mit einem Britpopper als Gastsänger. Hätte er wenigstens noch einen The-Killers-Refrain geklaut! Aber er ist dabei.

10: Belgien

Laura Tesoro: "What's The Pressure"

Zum Schluss kommt noch mal richtig Schwung in die Bude! Die erst 19-jährige Flämin, die schon in jungen Jahren als Schauspielerin reüssierte, singt mit viel Energie ein funky Retro-Soul-Popstück, das von der relativ prominenten Kollegin Selah Sue mitgeschrieben wurde. "What's The Pressure" - das möchte man zukünftig Ollli Kahn zurufen, wenn er wieder vom "Druck, Druck, Druck" erzählt!


Am Dienstag im ersten Halbfinale sind diese zehn Titel weitergekommen:

- Ungarn

Freddie: "Pioneer"

Mit rauer Stimme und muskulösem Körper tritt Freddie auf, der eigentlich Gabor Alfred Fehervari heißt und seine sportlichen Gene vielleicht vom Großvater hat, einem Fußballer aus Györ. Beim Auftritt in zerrissener Jeans scheint er teilweise gar nicht zu wissen wohin mit sich, vor lauter Virilität. Wenn er sie in den Song legen kann, eine durchaus einprägsame, hymnische Halb-Ballade, kann Ungarn dieses Jahr weit kommen.

- Kroatien

Nina Kraljic: "Lighthouse"

Ein Wiener Songwriting-Duo und der deutsche Produzenten-Routinier Thorsten Brötzmann (No Angels, Christina Stürmer) haben der kroatischen "The Voice"-Gewinnerin einen sehr ordentlichen Popsong hingelegt, der aber etwas überinszeniert daherkommt: Eine riesige Baumrobe wird - natürlich - zum Trickkleid. So was bleibt zumindest im Gedächtnis.

- Niederlande

Douwe Bob: "Slow Down"

Die Niederlande haben schon seit ein paar Jahren das Fach des authentisch und handgemacht daherkommenden Rock/Pop für sich reserviert und hatten mit den Common Limnets 2014 auch schon großen Erfolg damit (Platz zwei). Doch der fesche 23-jährige Singer-Songwriter wird wohl nicht so weit kommen, zu blass bleibt seine Aufforderung zur Entschleunigung. Geholfen hätte da höchstens, wenn sein Vater ein Bühnenbild entwerfen hätte - der war als Teil des Designduos The Fool für die bunten psychedelischen Farben des Swinging London in den Sechzigern mitverantwortlich.

- Armenien

Iveta Mukuchyan: "LoveWave"

Iveta Mukuchyan kam als Sechsjährige nach Deutschland und ging auf ein katholisches Gymnasium in Hamburg. 2012 versuchte sie ihr Glück bei "The Voice of Germany", war im Team von Coach Xavier Naidoo. Doch die Deutschland-Connection kann ihr erst im Finale nützen, die deutschen Zuschauer durften beim ersten Halbfinale nicht anrufen. Die Qualifikation schaffte sie auch so mit ihrem Auftritt in einer Art Netzbody-Cape und einem sich spannungsreich steigernden Song, der in einer Art Michael-Jackson-Schrei gipfelt - und nach der ESC-Saison garantiert schnell wieder vergessen ist.

- Russland

Sergey Lazarev: "You Are The Only One"

Jetzt wird Ernst gemacht: Sergey Lazarev ist in Russland bereits ein etablierter Star, erst mit der Boygroup Smash!, dann auch solo. Den Song hat ein internationales Team komponiert, das hinter dem zweitplatzierten Song für Aserbaidschan 2013 stand. "You Are The Only One" ist perfekt auf den ESC zugeschnitten: Optimistisch gestimmt, mit Eurobeats und einer Halbtonverschiebung kurz vor Schluss. Dazu wird auf der Videowand alles aufgefahren, was möglich ist - das hat Schweden im Vorjahr auch zum Favoritensieg verholfen. Ist diesmal Russland dran?

- Tschechien

Gabriela Guncikova: "I Stand"

Was wäre der Eurovision Song Contest ohne die großen Balladen, bei denen es alles auf den einen entscheidenden langen Ton ankommt! Eine solche Alles-oder-Nichts-Note muss die für ihre 22 Jahre schon recht routinierte Tschechin auch im Finale treffen, dann wird man auch den hübschen Tonartwechsel goutieren können - immerhin hat es für den ersten tschechischen Finaleinzug überhaupt gereicht.

- Zypern

Minus One: "Alter Ego"

Mit zwei Titeln will der schwedische Ralph Siegel, Thomas G:son, seinen Triumph mit "Euphoria" 2012 zu wiederholen versuchen. Für Zypern arbeitet er mit einer Rockband, deren Sänger François Micheletto in den Vogesen geboren wurde und im Februar noch an der französischen Version von "The Voice" teilnahm. Sein Wolfsgeheul zum Ende hin ist sehr überzeugend, doch bei allem Rock-Gepose klingt der Refrain nach klassischem Schweden-Pop.

- Österreich

Zoë: "Loin d'ici"

Irgendwie scheint das ganze, bisher 19 Jahre währende Leben der Zoë Straub aus Wien auf diesen Song zugelaufen zu sein: Sie besuchte das französische Gymnasium der österreichischen Hauptstadt und ihre Eltern sind beide musikalisch, mit dem Projekt Papermoon hatte Vater Christof mehrere Folk-Pop-Hits im Lande. Nun haben Vater und Tochter einen zuckersüßen Chanson-Popsong geschrieben, der auch im Show-Brimborium des ESC das Zeug zum Überraschungs-Hit hat.

- Aserbaidschan

Samra: "Miracle"

"It's gonna take a miracle", singt die 21-jährige Samra Rahimli - aber sie brauchte kein Wunder, um mit diesem Musterbeispiel für die internationale Anschlussfähigkeit schwedischen Pop-Songwritings im Halbfinale zu bestehen. Wenn der C-Teil mit seinen "Mirror, mirror"-Chören kommt, dann sind alle Originalitätspreise weg - aber das Herz des Popfans geht trotzdem auf.

- Malta

Ira Losco: "Walk on Water"

Für sie ist der Song Contest nichts Neues. Ja, Ira Losco hat sogar einen Ruf zu verteidigen, denn 2002 wurde sie mit "7th Wonder" Zweite hinter der Lettin Marie N - das beste Ergebnis für Malta überhaupt. "Walk on Water" wird allerdings keine Wunder wirken. Der Popsong wirkt wie ein Partygast, der immerzu ein bisschen zu laut dazwischenredet, da helfen auch keine hübschen Neunziger-Retro-Elemente und sogar Ira Loscos über Zweifel erhabene Stimme nicht viel.

Außerdem sind die "Big Five" und das Gastgeberland direkt fürs Finale qualifiziert:

- Deutschland

Jamie-Lee: "Ghost"

- Frankreich

Amir: "J'ai Cherché"

- Großbritannien

Joe and Jake: "You're Not Alone"

- Italien

Francesca Michielin: "No Degree of Separation"

- Schweden

Frans: "If I Were Sorry"

- Spanien

Barei: "Say Yay!"



insgesamt 14 Beiträge
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Seite 1
DHC2 13.05.2016
1.
Mönsch bento, pardon: SPON, lasst doch diesen Plumpaquatsch mit ESC und GNTM. Kein Mensch in der relevanten Zielgruppe interessiert sich dafür. Oder wollt Ihr ein paar junge Frauen damit als neue Leserinnen ködern? Und wenn es schon sein muss, dann lasst doch die Anja Rützel darüber schreiben. Die weiss, wie man sich in intertextuellen, um nicht zu sagen: böhmermannschen, Meta-Ebenen bewegt. Und nein, ich werde deswegen mein Spiegel-Abo nicht kündigen. Es macht einfach zuviel Spass, in dem sperrigen Papier-Konvolut zu blättern, während drumrum alle in die Smarties tippen. Haut rein!
kedwiesel1 13.05.2016
2. Dann passt ja mal....
.....wieder alles zusammen. Die Osteuropäer werden sich wieder gegenseitig ihre Punkte zuschieben und Deutschland darf zahlen nd wird wieder Letzter.
fatherted98 13.05.2016
3. Der Deutsche Titel...
....wird wieder abschmieren...nicht nur weil Deutschland in Europa absolut unbeliebt ist...sondern auch und vor allem weil der Titel grottenschlecht und die Sängerin eine Witzfigur ist. Germany....zero points....mal sehen ob wir Letze oder Vorletze werden.
ex rostocker 13.05.2016
4. Portugal macht es richtig !
Wer es noch nicht gemerkt hat: Portugal hat auf eine Teilnahme verzichtet. Eine gute Entscheidung, bei diesem dämlichen Jahrmarkt der englischsprachigren Eitelkeiten nicht mitzumachen ! Und Geld wird auch gespart.
xatarinsc2 13.05.2016
5.
Dumm von den Russen da mitzumachen, die sind immer die besten werden aber aus politischen gründen nie gewinnen!!!
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