Einreiseverbot beim ESC Russische Sängerin soll via Satellit singen

Die russische Sängerin Julia Samoilowa darf nicht in die Ukraine einreisen und beim ESC auftreten. Der Veranstalter will sie nun per Satellit live aus Russland zuschalten lassen.
Julia Samoilowa

Julia Samoilowa

Foto: Maria Antipina/ dpa

Julia Samoilowa soll nun doch beim Eurovision Song Contest (ESC) singen. Und zwar live. Obwohl der ukrainische Geheimdienst SBU der russischen Sängerin die Einreise verboten hat. Wie das gehen soll? Der Veranstalter, die European Broadcasting Union (EBU), will Samoilowa per Satellit aus Russland zuschalten lassen. Das schreibt der Verband in einem Statement auf seiner Webseite .

"Die EBU hat hart daran gearbeitet, eine Lösung für das Problem zu finden", heißt es dort. "In einem noch nicht dagewesenen Schritt haben wir dem russischen Fernsehen angeboten, Julia live per Satellit am zweiten Halbfinale teilnehmen zu lassen. Sollte sie sich für das Finale qualifizieren, würde das gleiche Angebot bestehen." Das habe es in der 60-jährigen Geschichte des ESC noch nicht gegeben, betont die EBU.

Zuvor hatte Geheimdienstsprecherin Jelena Gitljanskaja der Agentur Interfax gesagt, dass die Samoilowa für drei Jahre nicht in die Ukraine einreisen dürfte. Die Entscheidung sei aufgrund von früheren Verstößen gegen ukrainische Gesetze getroffen worden. Anlass ist ein aus Kiewer Sicht illegaler Auftritt Samoilowas auf der Halbinsel Krim, die Russland 2014 annektiert hatte. Die 27-Jährige war im Juni 2015 in der Stadt Kertsch auf der Krim aufgetreten. Reisen auf die Halbinsel über Russland sind seit der Annexion aber von ukrainischer Seite verboten und werden mit einer Einreisesperre geahndet.

ESC soll "frei von Politik" sein

Samoilowa leidet an einer seltenen Erkrankung und sitzt seit ihrer Kindheit im Rollstuhl. Sie wurde 2013 als Teilnehmerin einer russischen TV-Show bekannt und sang bei der Eröffnung der Paralympischen Winterspiele in Sotschi 2014. Kritiker in Russland hatten bereits einen Boykott des ESC gefordert, sollte ihrer Sängerin die Einreise verboten werden. Kreml-Sprecher Dmitri Peskow hatte solche Forderungen abgelehnt. Doch verfolge der Kreml die Entwicklungen genau, hatte er gesagt.

Die Stimmung zwischen Moskau und Kiew ist seit 2014 angespannt. Die Einverleibung der Krim und der Krieg zwischen ukrainischen Regierungstruppen und prorussischen Separatisten im Donbass belasten die Beziehungen massiv. Beide Seiten haben sich gegenseitig mit Sanktionen überzogen.

Laut ESC-Supervisor Jon Ola Sand setzen die Veranstalter derweil die Verhandlungen mit der Ukraine fort: "Wir möchten, dass alle Künstler in Kiew auftreten können, das ist natürlich nach wie vor unsere bevorzugte Option. Es ist sehr wichtig, dass der ESC frei von Politik bleibt." Die Halbfinale des ESC 2017 finden am 9. und 11. Mai in der ukrainischen Hauptstadt Kiew statt, das Finale am 13. Mai, unter anderem mit der deutschen Teilnehmerin Isabella Levina Lueen.

kae/dpa
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