Jury-Auswahl NDR bestimmt ESC-Beitrag 2020 ohne Publikumsabstimmung

Nach dem vorletzten Platz 2019 hat der NDR das Auswahlverfahren für den deutschen Titel beim Eurovision Song Contest geändert. Zwei Experten-Jurys sollen ihn auswählen, die TV-Zuschauer bleiben außen vor.
Barbara Schöneberger (beim ESC-Public-Viewing in Hamburg 2019): Verkündet Teilnehmer am 27. Februar

Barbara Schöneberger (beim ESC-Public-Viewing in Hamburg 2019): Verkündet Teilnehmer am 27. Februar

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Daniel Bockwoldt/ DPA

Ganz ohne Publikumsabstimmung bestimmt der Norddeutsche Rundfunk (NDR) den deutschen Beitrag für den Eurovision Song Contest 2020: Der in der ARD zuständige NDR hat sich für eine Auswahl durch Expertinnen und Experten entschieden. Zwei unabhängige Jurys haben ausgewählt, wer für Deutschland in Rotterdam auftritt, das teilt der NDR in einer Pressemitteilung mit.

Für die Auswahl zuständig sei demnach zum einen eine "Eurovisions-Jury" mit 100 Menschen aus ganz Deutschland. Und zum anderen eine internationale Expertenjury aus 20 "Musikprofis", die alle schon einmal zur nationalen ESC-Jury ihres Heimatlands gehört haben. Die Mitglieder der beiden Jurys wurden laut NDR danach ausgewählt, ob ihre Einschätzung der ESC-Titel von 2019 dem tatsächlichen Ergebnis besonders nah kam. Ähnliche Gremien waren auch schon in den vergangenen beiden Jahren an der Auswahl beteiligt, da allerdings noch unterstützt von den TV-Zuschauern einer Vorentscheidungsshow.

Auf einen öffentlichen Vorentscheid wird 2020 allerdings verzichtet und somit auch auf eine Publikumsabstimmung. Wer mit welchem Titel im ESC-Finale für Deutschland antreten wird, zeigt der ARD-Spartensender ONE am Donnerstag, 27. Februar, um 21.30 Uhr in "Unser Lied für Rotterdam". Moderiert wird die 45-minütige Sendung von Barbara Schöneberger.

Hatte das dreiteilige Verfahren (nationale und internationale Experten plus Publikum) 2018 noch mit Michael Schulte und "You Let Me Walk Alone" das seit Jahren erfolgreichste deutsche ESC-Lied hervorgebracht, führte es 2019 zu dem Flop mit dem zusammengecasteten Duo S!sters, das mit "Sister" auf den vorletzten Platz des Finales kam. "Zu sagen, wir machen weiter wie bislang, wäre sicherlich der falsche Weg", hatte der ARD-Unterhaltungskoordinator Thomas Schreiber nach dem Vorjahresergebnis gesagt.

"Deutlich mehr Zeit für die Inszenierung"

Schreiber betont, der deutsche Act, der bisher noch nicht öffentlich gemacht wurde, habe "die nationalen und internationalen Expertinnen und Experten begeistert und sich in einem tollen Teilnehmerfeld durchgesetzt". Er äußerte sich zuversichtlich, dass die Wahl "auch bei den ESC-Fans auf sehr breite Zustimmung und - wie wir hoffen - auf Begeisterung stoßen" werde. Schreiber bleibt zwar weiter eingebunden, doch intern hat der NDR sein ESC-Team neu besetzt: Christian Blenker, zuletzt Leiter der NDR-Intendanz, wird neuer ARD-Teamchef für den ESC. Als Head of Delegation reist die langjährige NDR-2-Eventmanagerin Alexandra Wolfslast nach Rotterdam.

Blenker, der die redaktionelle Gesamtverantwortung für den Wettbewerb innerhalb der ARD und des NDR hat, begründete den Verzicht auf einen öffentlichen Vorentscheid damit, dass man dadurch "deutlich mehr Zeit für die Inszenierung" habe. Ideen von international erfolgreichen Choreografen und Staging-Profis lägen bereits vor.

Außerdem verwies der ARD-Teamchef auch darauf, dass nun niemand den Makel eines Vorentscheidsverlierers fürchten müsse: Die "mehr als 600 Künstlerinnen und Künstler, die bei der Auswahl dabei waren", blieben "geschützt - keiner hat verloren und vielleicht sind einige im kommenden Jahr wieder dabei".

feb
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