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Eurovision 2014: Die Sieger des ersten Halbfinales

Foto: Bax Lindhardt/ dpa

ESC-Halbfinale Putin und die Hipster

Buhrufe beim Eurovision Song Contest und das im heiteren, hippen Dänemark. Beim ersten Halbfinale des Träller-Wettbewerbs in Kopenhagen bestimmte die Ukraine-Krise den Abend: Als das russische Duo das Finale erreichte, machte sich Unmut breit.

Sie hatten sie vorsichtig dosiert, diese Politik. Eine sanfte Frotzelei über Männer, die Händchen halten, ein dezenter Hinweis darauf, dass beim Eurovision Song Contest jeder willkommen ist: Nicht nur optisch versuchte Gastgeberland Dänemark, sich beim ersten Halbfinale des Liederwettbewerbs am Dienstagabend lässig zu geben.

Doch dann wurde bekanntgegeben, dass der russische Beitrag ins Finale gewählt worden war, im Studio brachen Buhrufe aus, und schon war es vorbei mit der Kopenhagener Coolness.

Nicht, dass das Präsentatoren-Trio, bestehend aus den TV-Moderatoren Nikolaj Koppel und Lise Ronne sowie dem Serienstar Pilou Asbaek ("Borgen"), tatsächlich die Contenance verloren hätte. Nein, die drei Dänen waren über die zwei Stunden dauernde Show hinweg so gelassen, dass es vor allem bei den Männern schon an Rotzigkeit grenzte. Doch das konnte auch nicht davon ablenken, dass bei einem Wettbewerb, bei dem Nationen gegeneinander antreten und kräftig die Fahnen geschwungen werden, auch mal auf andere Situationen, in denen Nationen gegeneinander antreten und kräftig die Fahnen geschwungen werden, Bezug genommen wird.

Halbfinale als Nummernrevue

In einer zumindest musikalisch eher eintönigen Show, bei der es bis auf die isländische Fun-Punk-Truppe Pollapönk ("No Prejudice"), den Backe-backe-Kuchen-Song der lettischen Band Aarzemnieki und den belgischen Heintje XXL Axel Hirsoux ("Mother") kaum Ausreißer aus dem Midtempo-Schmetter-Bereich gab, war man für ein bisschen Aufregung aber auch höchst dankbar.

Auf der Bühne in wuchtiger Würfelform dominierten ansonsten die schlanken, leistungsfähigen Körper mit angehängten Durchschnittsstimmen, von denen akrobatische Turn- und Tanzeinlagen durchaus kunstfertig ablenkten. Allen voran das russische Zwillingspaar Tolmachevy mit seinen großspurigen Lichteffekten und Bühnenumbauten verwandelte dieses Halbfinale zur "Cirque du Soleil in 3 Minuten"-Nummernrevue.

Selbst der armenische Kandidat Aram MP3, der bei vielen als Favorit galt und erwartungsgemäß ins Finale gewählt wurde, ging im Showdown der Showeinlagen unter. Da überzeugte fast noch der ukrainische Disco-Stampfer "Tick Tock" mehr - wäre Sängerin Mariya Yaremchuk als Deko nicht ein Hamsterrad samt drin turnendem Tänzer zur Seite gestellt worden.

Jede Menge Niedlichkeit - für Gesprächsstoff sorgt die Politik

Doch die politischen Sympathien scheinen weit über das Kopenhagener Publikum hinaus so klar verteilt zu sein, dass der Ukraine auch das Hamsterrad nicht schaden konnte: Das Land gehört ebenfalls zu den zehn Kandidaten, die am Samstagabend im Finale antreten dürfen.

Was man von der großen Show, bei der dann auch Elaiza aus Deutschland antreten, erwarten kann? Anscheinend jede Menge Niedlichkeit, wenn man von diesem Semifinale schließen kann: Vor den insgesamt 16 Beiträgen waren jeweils putzige Trailer, in denen die Kandidaten die Flagge ihres Landes aus Teig, Ton oder Containern basteln, zu sehen.

Dazu gesellte sich noch ein vermeintliches Werbefilmchen, in dem Pilou Asbaek als windiger Städteführer einer Gruppe von Touristen ein vor Klischees triefendes Kopenhagen präsentiert: Fahrrad fahrende Hipster, volksnahes Königshaus, blitzblanke Straßen - sogar einen Witz darüber, dass die Statue von der kleinen Meerjungfrau enttäuschend klein ist, hatte darin Platz.

Serienstars! Crafting! Selbstironie! Ja, die Dänen gaben sich an diesem Abend schon viel Mühe, die stilbewusste Weltgewandtheit ihres kleinen Landes auszustellen. Für den größten Gesprächsstoff am Samstagabend wird wohl dennoch wieder die Politik sorgen - wenn die Ukraine und Russland erneut gegeneinander antreten. Mit Power-Pop gegen Bühnenzauber, versteht sich.

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