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Neue Leistungsschutzrechte: Money, money, money!

Foto: Keystone/ Getty Images

EU weitet Schutzrechte an Musikaufnahmen aus Geldsegen für alte Haudegen?

Freude bei Poplegenden wie Shirley Bassey und Cliff Richard: Die EU hat die Rechte an ihren Aufnahmen von 50 auf 70 Jahre verlängert. Klingt erstmal gerecht. Kritiker aber monieren, dass davon in Zukunft vor allem die Plattenindustrie, aber kaum die Einzelkünstler profitieren.

Pop wird langsam ganz schön alt. Und wie jeder, der in die Jahre kommt, macht er sich ernsthafte Sorgen um seine Altersvorsorge. Sir Cliff Richard beispielsweise wird demnächst 72 und hat bereits hilflos mit ansehen müssen, wie ihm die Rechte an seíner Aufnahme "Living Doll" von 1959 abhanden kamen.

Grund war ein Gesetz, nach dem das geistige Eigentum von Musikern nach 50 Jahren automatisch zum kostenlosen Allgemeingut wird. Seit 2009 also sind illegale Downloads von "Living Doll" nicht mehr illegal. Ein Skandal. Richards späteren Glanzstücken wird dieses Schicksal einstweilen nicht widerfahren: Am Montag hat die EU ihre Gesetze zum Sschutz von Musikaufnahmen neu geregelt. Demnach verfällt das Recht an Tonaufnahmen künftig erst nach 70 Jahren. Angenommen wurde diese Änderung bei zwei Enthaltungen mit 17 zu acht Stimmen.

Neben Pop-Veteraninnen wie Petula Clark ("Where Did My Snowman Go?", 1953) oder Shirley Bassey ("Banana Boat Song", 1957) dient die Novelle - in Großbritannien nach ihrem hitzigsten Verfechter schon "Cliff's Law" genannt - vor allem der Plattenindustrie. Deren schleichender Niedergang ist nur deshalb kein freier Fall, weil es noch immer überwiegend ältere Menschen gibt, die für physische Tonträger überwiegend älterer Musik ganz real Geld hinlegen. Umso wichtiger, dass eine Industrie, der das Wasser bis zum Hals steht, sich endlich so etwas wie ein Monopol auf den letzten Flecken festen Bodens unter den Füßen sichert.

Und was bekommen die Songwriter?

Entsprechend erleichtert erklärte denn auch Geoff Taylor, der Vorsitzende des Verbandes der britischen Musikindustrie BPI: "Diese wichtige Entscheidung kommt keinen Moment zu früh. Eine außergewöhnliche Periode den musikalischen Genies Britanniens war dabei, ihren Schutz zu verlieren. Schon aus Prinzip ist es das Recht unserer Musiker, dass sie zu Lebzeiten von ihrer Kreatitivät profitieren." Damit paraphrasierte er die offizielle EU-Erklärung, in der die Sorge zum Ausdruck kam, Künstler könnten es wegen ausbleibender Tantiemen "am Ende ihres Lebens in eine "Einkommenskluft" stürzen.

So anrührend die Sorge der EU-Beamten um die betagten Musiker ist - ihr Plan hat doch einen gewaltigen Haken: Die Rechte an den Aufnahmen liegen nur in seltenen Fällen bei den Künstlern selbst. Die sind gerade während der "außergewöhnlichen Periode" der sechziger Jahre reihenweise von der Plattenindustrie eingesackt worden. So heißt es denn auch in der schriftlichen Stellungnahme Belgiens, das neben Tschechien, den Niederlanden, Rumänien, der Slowakei, Slowenien und Schweden gegen den Gesetzentwurf gestimmt hat: "Von der Maßnahme wird hauptsächlich die Plattenindustrie profitieren und nicht der Künstler." Befürchtet wird auch ein "negativer Effekt auf die Verfügbarkeit kultureller Güter".

Wie eine Studie der Universität von Bournemouth belegt, kommen ohnehin 72 Prozent aller zu erwartenden Einkünfte der Musikindustrie zugut. Nur 28 Prozent gehen an die Künstler, und davon nur vier Prozent an jene, um die es der EU angeblich geht - die wirklich Bedürftigen.

In Wahrheit hat nun die jahrelange Lobby-Arbeit der Industrie endlich Früchte getragen. Tatsächlich "keinen Moment zu früh": Schon 2013 etwa wären die Rechte an "Please Please Me" ausgelaufen, dem ersten Album der Beatles. Es hätte behandelt werden können wie Werke von Beethoven oder Mozart, deren Kompositionen in mannigfaltigen Einspielungen und zu teilweise sehr günstigen Preisen zu haben sind. Nicht auszudenken!

Hinweis: In einer früheren Version des Textes behaupteten wir, die EU habe die Urheberschutzrechte verlängert, tatsächlich sind es die Leistungsschutzrechte an Tonaufnahmen. Wir bitten den Fehler zu entschuldigen.

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