Eurovision Song Contest in Wien Das zweite Halbfinale im Livestream

Beim zweiten Halbfinale wollen die Kandidaten aus 17 Ländern in die Endrunde des Eurovision Song Contest kommen. Sehen Sie hier die ESC-Show im Livestream.

Die drei Damen vom Plateau: Arabella Kiesbauer, Mirjam Weichselbraun und Alice Tumler moderieren den Eurovision Song Contest in Wien
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Die drei Damen vom Plateau: Arabella Kiesbauer, Mirjam Weichselbraun und Alice Tumler moderieren den Eurovision Song Contest in Wien

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Diesmal darf Deutschland mitentscheiden: Die deutschen Fernsehzuschauer sind beim 2. Halbfinale zum Eurovision Song Contest aufgerufen, ihre Favoriten per Televoting zum großen Finale am Samstag zu befördern. Zehn kommen weiter, für sieben wird es der einzige ESC-Auftritt in Wien bleiben. Wer die besten Chancen hat, das haben wir wieder versucht, vorab einzuschätzen - natürlich subjektiv und fehlbar (siehe Finnland im ersten Halbfinale). Wie's wirklich wird, können Sie hier im vom NDR zur Verfügung gestellten Livestream verfolgen.

1. Litauen

LRT
Monika Linkyte & Vaidas Baumila: "This Time"

Wenn's alleine nicht reicht, tut man sich zusammen: In Litauen hat man zwei Solokünstler zum Paar gemacht, den Musical-erfahrenen Westenträger Vaidas und die mehrfach in der ESC-Vorentscheidung gescheiterte Monika. Die Chemie zwischen den beiden scheint halbwegs zu stimmen, sie singen ein gutgelauntes Liebeslied - und küssen sich am Ende gar.

Chancen aufs Weiterkommen: 3/5

2. Irland

Richie Mooney
Molly Sterling: "Playing with Numbers"

Erst 17 Jahre alt ist die Songwriterin aus der Grafschaft Tipperary, die eine eigentlich recht erwachsene Klavierballade vorträgt - und zwar selbst am Piano. Das macht die Bühnenshow nicht dynamischer, Molly ist kein Jerry Lee Lewis. Und dennoch: Mit etwas Glück könnte das Lied auf die Art von Colbie Caillat oder Vanessa Carlton sein Publikum finden.

Chancen aufs Weiterkommen: 2/5

3. San Marino

Carlo Terenzi
Anita Simoncini & Michele Perniola: "Chain of Lights"

Ralph Siegel hat im Zwergstaat eine zweite Eurovisionsheimat gefunden. Diesmal hat er sogar seinen alten Texter-Buddy Bernd Meinunger (unter Pseudonym) mitgebracht. Erfahrene Männer im Hintergrund, junge Hüpfer auf der Bühne: Michele und Anita sind erst 16, umsingen aber mühelos die Siegelschen Akkordwechsel-Klippen. Süß, aber belanglos.

Chancen aufs Weiterkommen: 1/5

4. Montenegro

Bojan Stanic
Knez: "Adio"

Nenad Knezevic, äußerlich der Typus ausgelassener Balkangrillwirt, singt mit großer Routine und fünf jungen Frauen im Background die einzige echte post-jugoslawische Ballade des Jahrgangs. Sie stammt vom Meister Zeljko Joksimovic, dessen Kompositionen schon dreimal unter die Top drei kamen, aber es ist keine seiner Sternstunden. Fürs Finale sollte es aber langen.

Chancen aufs Weiterkommen: 3/5

5. Malta

Respective broadcasters
Amber: "Warrior"

Die Kriegerin der ersten Semifinales, Nina Sublatti aus Georgien, marschierte mit "Warriors" in die Endrunde ein. Nun versucht es ihr die 23-jährige Amber mit einem gleichlautenden Songtitel nachzutun. Eingebettet in ein Arrangement mit reichlich Hollywood-Soundtrack-Pathos und beinahe zu fetten Beats, wird es auf die Stärke von Ambers Gesang ankommen, der zwischen Piepsen und Kreischen alle Register zieht.

Chancen aufs Weiterkommen: 2/5

6. Norwegen

NRK/ Kim Erlandsen
Mørland & Debrah Scarlett: "A Monster Like Me"

Aber, ganz ehrlich: Eigentlich reicht es, hier erst einzuschalten. Es treten auf: Der heimgekehrte Sänger Kjetil Mørland, der in England eine Band namens Absent Elk hatte, und die norwegisch-schweizerische Sängerin Joanna D. Bussinger, deren Künstlername auf ihre roten Haare anspielen dürfte. Ihre konzentrierte, einfühlsame Trennungsballade ist ein Höhepunkt des Wettbewerbes.

Chancen aufs Weiterkommen: 4/5

7. Portugal

Cátia Castel-Branco
Leonor Andrade: "Há um mar que nos separa"

Portugal bleibt sich treu - darin, dass es Lieder in der phonetisch nicht unkomplizierten Landessprache ins Rennen schickt. Leider aber auch darin, dass diese Lieder ohne große Höhepunkte dahinplätschern. Die Sängerin, eine Art gezähmte Avril Lavigne, wird das Meer, dass ihr schwächliches Pop-Rock-Lied und das Finale trennt, nicht überqueren können.

Chancen aufs Weiterkommen: 1/5

8. Tschechien

Monika Navrátilová
Marta Jandová & Václav Noid Bárta: "Hope Never Dies"

Gehofft wird hier, dass sich die Tschechische Republik erstmals für ein ESC-Finale qualifiziert. Richten soll es ein Duett mit härterem Rock-Hintergrund: Noid, kurz für paranoid, wurde mit einer Nu-Metal-Band bekannt, und Marta ist in Deutschland mit der Band Die Happy und als TV-Moderatorin präsent. Viel Bühnenerfahrung sollte die Mängel der schwergängigen Schwulst-Ballade überdecken.

Chancen aufs Weiterkommen: 3/5

9. Israel

Ronen Akerman
Nadav Guedj: "Golden Boy"

ESC-Kompositionen sind funktionale Musik, kein Beitrag verschleiert das so wenig wie der israelische: Eine Justin-Timberlake-Strophe fürs Moderne, eine Kibbuz-Schunkel-Melodie fürs Exotische, Reime für Trash-Liebhaber, Tanzbeats für die Bewegung und ein Meta-Gag über die Songlängen-Regel für die eisenharten Fans. Und, was soll man sagen: Es funktioniert!

Chancen aufs Weiterkommen: 4/5

10. Lettland

Martins Cirulis
Aminata: "Love Injected"

Das wird spannend: Wird das europäische TV-Publikum diese ziemlich spröde, aber eindrucksvolle Electro-Ballade goutieren? Die ESC-Blogger sind sich uneinig, ob der Song nervt oder ein Siegkandidat ist. Möglicherweise nützt der 22-jährigen Tochter einer lettischen Mutter und eines Vaters aus Burkina Faso, dass die Fachjurys zur Hälfte mitbestimmen, wer ins Finale kommt.

Chancen aufs Weiterkommen: 3/5

11. Aserbaidschan

Magnus Ragnvid
Elnur Hüseynov: "Hour of the Wolf"

Wie üblich hat der vorderasiatische Ölstaat ein internationales Songwriter-Team eingekauft. An dem dramatischen Popsong wirkte Sandra Bjurman, Co-Autorin des Siegertitels von 2011, ebenso mit wie der Deutsche Nicolas Rebscher. Auch der Sänger hat ESC-Erfahrung, er war 2008 dabei und gewann zuletzt die türkische "The Voice"-Version. Die Professionalität wird sich wieder auszahlen.

Chancen aufs Weiterkommen: 4/5

12. Island

Jonatan Gretarsson
María Ólafs: "Unbroken"

In Island hat man sich das Rezept des dänischen Sieges von 2013 genau angeschaut: Ein barfüßiges Elfenmädchen singt einen eingängigen, modernen Popsong mit etwas Getrommel. Soweit, so berechnend, aber gefällig. Allerdings wird von den Proben aus Wien berichtet, dass die 22-jährige und recht unerfahrene Sängerin manchmal mit den Tönen kämpft. Luft anhalten, ob alles klappt!

Chancen aufs Weiterkommen: 3/5

13. Schweden

Per Kristiansen
Måns Zelmerlöw: "Heroes"

Der schwedische Beitrag ist der große Favorit auf den Gesamtsieg bei den Buchmachern - aber sind das die Schweden nicht fast immer? Jedenfalls setzt Zelmerlöw, der schon fast zehn Jahre im Geschäft ist, voll auf eine Choreografie mit einem "La Linea"-artigen Strichmännchen. Der Song dazu ist knalligster Schweden-Pop mit ordentlich "oh-ho-ho".

Chancen aufs Weiterkommen: 5/5

14. Schweiz

SRF/ Oscar Alessio
Mélanie René: "Time to Shine"

Die gebürtige Genferin, die schon länger in England lebt, tritt an mit etwas atemlos vorgetragenem Soul-Pop, garniert mit ausgemacht scheußlichem Gitarrensolo und kleinen Panflöten-Einsprengseln. Das ist alles nicht schlecht, aber womöglich etwas zu unspektakulär für den Finaleinzug.

Chancen aufs Weiterkommen: 2/5

15. Zypern

Louis Loizides Mitsu
John Karayiannis: "One Thing I Should Have Done"

Der 20-jährige Giannis, der sich um der Internationalität willen John nennt, steht im dunklen Anzug und mit Hornbrille auf der Bühne und singt ein simples, freundliches, durchaus hübsches Folk-Liedchen. Bei all dem Geknalle und Getanze ringsherum ist diese Reduktion aufs Wesentliche ganz wohltuend - und wird womöglich vom Publikum auch belohnt.

Chancen aufs Weiterkommen: 3/5

16. Slowenien

Tibor Golob
Maraaya: "Here for You"

Marjetka, die Sängerin des slowenischen Duos, hat eine ziemlich tolle, an Amy Winehouse erinnernde Gesangsstimme. Ihr Ehemann, Aleš Vovk, genannt Raay, sitzt am Klavier; telepathisch verbunden sind die beiden offenbar über die Kopfhörer, die beide tragen. Dann gibt es noch eine Luftgeigerin dazu, aber diesen Gimmick hätte der sehr zeitgemäße Retro-Soul-Song gar nicht nötig.

Chancen aufs Weiterkommen: 4/5

17. Polen

Artur Fr¿tczak
Monika Kuszynska: "In the Name of Love"

Zum Abschluss dann noch ein Lied für den Teil des ESC-Publikums, der zu Herzen gehende Barbra-Streisand-Balladen schätzt. Die gab es früher übrigens auch seltener als die Erinnerung vorgaukelt. Dieser Song ist eigentlich zu flott, aber seine etwas altbackene Melodik passt auf die Beschreibung - und das Schicksal der seit einem Autounfall 2006 auf den Rollstuhl angewiesenen Sängerin rührt an.

Chancen aufs Weiterkommen: 3/5

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ESC 2015: Das sind die Finalisten

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Aloysius Pankburn 21.05.2015
1. Leinwand aufstellen, Beamer anschließen,
Grill anschmeißen, Bierfass anzapfen, nicht endendes Gelächter über diese Freakshow - bewährtes ESC-Partykonzept mit etwa 20 Gästen seit über zehn Jahhren.
Jetztredi 21.05.2015
2. ja, lasst uns alle mitmachen
Auch der Spiegel springt auf den Zug der großen Geldmachmaschine auf und hat nichts Wichtigeres zu berichten.
robert_b 21.05.2015
3.
Die große GEZ Unterhaltungsshow! Mit freundlicher Unterstützung durch ihren Zwangsbeitrag!
platzanweiser 21.05.2015
4. Fragen über Fragen
2. Halbfinale? Wie ist das denn zu verstehen... macht man aus einer Veranstaltung jetzt 3 um jetzt dreimal Werbegebühren abzukassieren? Welcher TV-Junkie macht das denn noch freiwillig mit? Wäre es nicht einfacher schlicht eine dreistündige Werbesendung zu senden, damit jeder abschalten kann und jeder Werbebesessene Volltrottel an die Werbereihe kommen kann?
karend 21.05.2015
5. x
Zitat von JetztrediAuch der Spiegel springt auf den Zug der großen Geldmachmaschine auf und hat nichts Wichtigeres zu berichten.
Schauen Sie mal auf die Home Site. Und Sie finden – diverse Themenbereiche. Menschen haben unterschiedliche Interessen (gut so). Übrigens fand ich den Live Blog zum ESC im letzten Jahr recht amüsant.
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