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Schwedens ESC-Sieger Mann, oh Måns!

Schweden liebt den Eurovision Song Contest. Es zelebriert seine Vorentscheide. Måns Zelmerlöw hat sich da durchgesetzt - und nun in ganz Europa. Zu seinem Siegerlied "Heroes" hatte er die schlüssigste Inszenierung des Abends.

Ja, es gab ein Gefühl der Erleichterung, als so etwa in der Mitte des Abstimmungsmarathons von Wien Schweden am bis dahin führenden Russland vorbeizog (Lesen Sie hier das Minutenprotokoll) - auch unter Zuschauern, die beim Eurovision Song Contest 2015 nicht für Schweden die Daumen drückten. Zu problematisch war das russische Friedenspathos angesichts der politischen Lage.

Gegen einen Sieg des schwedischen Sängers Måns Zelmerlöw hingegen konnte so recht niemand etwas haben. Am Ende war Schwedens Vorsprung auf Russland sogar beträchtlich - 365 Punkte gegenüber 303.

Zelmerlöws Song "Heroes" kann für sich genommen problemlos im Mainstream-Radio laufen - der elektronische Beat ist ein bisschen braver als die von Avicii oder David Guetta, das "Oh-ho-ho" des Refrains bleibt sofort im Ohr hängen, und die Idee, dass ein Held sei, wer sich seinen inneren Dämonen stelle, ist auch keine sonderlich ausgefallene.

Was "Heroes" aber zum Siegertitel machte, das war letztendlich vor allem die Inszenierung auf der Bühne. Der Star-Choreograph Fredrik Rydman ("Swan Lake Reloaded") inszenierte für Zelmerlöw einen Tanz mit seinen Dämonen, die allerdings als ausgesprochen niedliche, animierte Zeichenmännchen daherkamen. Die vom Timing her anspruchsvolle tänzerische Aufgabe, mit den für ihn unsichtbaren Figuren zu interagieren, meisterte der Sänger - wenn auch etwas ungelenk.

"Wir sind alle Helden, egal, wen wir lieben"

Måns Zelmerlöw ist kein Newcomer, er startete seine Karriere - wie so viele ESC-Teilnehmer - in einer Castingshow, nämlich 2005 bei der schwedischen "DSDS"-Entsprechung. Seither versuchte er sich zweimal erfolglos als Teilnehmer beim Melodifestivalen (hier fehlt kein "e", so heißt das in Schweden), bei dem über zahlreiche Aussieb- und Trostrunden jedes Jahr der schwedische ESC-Kandidat gefunden wird. 2015, beim dritten Versuch, setzte er sich mit "Heroes" durch.

Nur einmal drohte ein Schatten auf den Sympathieträgerstatus des ansteckend Lächelnden zu fallen - als er sich bei einer Kochshow im schwedischen Fernsehen über Homosexualität als von der Norm "abwegig" äußerte - nach etwas zu viel Kochwein. Zelmerlöw entschuldigte sich hernach vielfach und, nach Meinung prominenter homosexueller Freunde, glaubwürdig.

Als er das Glasmikrofon in die Wiener Nacht hob, als Sieger beim Eurovision Song Contest, sagte er die passenden Worte: "Wir sind alle Helden, egal, wen wir lieben, mit wem wir zusammen sind, wer wir sind."

Nun ist Måns Zelmerlöw der sechste schwedische ESC-Sieger, eine Erfolgsgeschichte, die 1974 mit ABBA begann und nur noch von dem siebenfachen Sieger Irland übertroffen wird, bei dem man allerdings seit Längerem das Gefühl hat, er wolle die Show so schnell möglichst nicht mehr ausrichten.

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ESC: Die 27 Auftritte

Foto: Nigel Treblin/ Getty Images

Ganz anders Schweden: Nur drei Jahre nach Loreens Triumph in Baku ist das schwedische Fernsehen 2016 wieder an der Reihe. Schwedische Expertise, speziell im Songwriting, ist in ganz Europa gefragt. Längst versteht sich das Land als Pop-Exportnation - und sieht den Eurovision Song Contest als Leistungsschau. Mit Erfolg.

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