Der ESC im Style-Check Ganzkörpergurke, falsche Wölfe und ein Sexmann zu viel

Ächz, muss denn immer alles so grobschlächtig sein? Der Eurovision Song Contest beginnt – und wir sagen Ihnen, für welche Kuriositäten es sich lohnt, auch die Halbfinals zu schauen.
Fehlgepresste Wüstenfuchs-Köpfe? Subwoolfer aus Norwegen

Fehlgepresste Wüstenfuchs-Köpfe? Subwoolfer aus Norwegen

Foto: Nathan Reinds / EBU

Lettland: Citi Zēni - Eat Your Salad

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Man fürchtet sich wahnsinnig, dass gleich noch die Gurke kommt. Schließlich eröffnen die Letten ihre Ökofunk-Nummer gleich mal mit der schleckschelmigen Einlassung »Instead of meat, I eat veggies and pussy« (wobei der Vulvavulgarismus freilich zumindest beim nationalen Vorentscheid nicht ausgesungen, sondern dezenterweise in riesigen Leuchtbuchstaben im Hintergrund eingeblendet wurde), da ist die Befürchtung nicht weit hergeholt, dass gleich noch jemand zwinkerzwonkermäßig als Ganzkörpergurke auf die Bühne steppt. Zumal der Sänger im selleriesaftfarbenen Anzug neben seiner Nachhaltigkeitsflexerei auch nicht mit Penisprotz geizt: Auf Hot Dogs, versichert er, könnten von seinem Lied frisch konvertierte Fleischabstinenzler nun getrost verzichten: »Cause my sausage is just bigger«. Abrundend ergötzt er sich dann noch an den Hinterbacken (hier: »Pfirsich«) des oder der Angesungenen, während er oder sie vornübergebückt mit Mülltrennung befasst ist.

Ächz, muss denn immer alles so grobschlächtig sein? Grün zu leben sei cool, aber auch hot, behauptet dann der Refrain, aber bei so viel Arcimboldo-Porn hält man es in dieser Frage dann doch lieber mit dem angenehm asexuellen Kermit, dem Frosch .

1. Halbfinale: Dienstag, 10.5., 21 Uhr, Eurovision.de , ONE und ARD-Mediathek

Albanien: Ronela Hajati - Sekret

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Ah, eine Samenraub-Hymne, diesen verrückten Texterhühnern beim ESC fällt doch immer wieder was Neues ein! Ach nee, leider doch nicht: Trotz der Zeilen »Hey, I will never regret / You will keep my sekret« geht es bei diesem traditionellen Ethnostampfer nicht, wie durch die landessprachliche Schreibweise irrigerweise angenommen, um Körperflüssigkeiten, sondern deutlich weniger frivol um irgendein olles Geheimnis, zu dessen Wahrung ein argloser Anhalter in ein abgesoftetes De-Sade-Schloss verschleppt wird. Spektakulär ist vor allem die Statik des seriellen Zopfmakramees, das Ronela im Musikvideo zeigt: Halb Trockengestell für handgekräuselte Suppennudeln, halb bedrohliches Display für ihre Extensions-Trophäensammlung, über deren düsteren Hintergrund man nur mutmaßen kann: Hat sie hier die einkassierten Zotteln jener Frauen aufgeknüpft, die ihren Look allzu frech kopierten, anderen Imitatösen zur decouragierenden Warnung?

Auf jeden Fall ist das unser schamlos an den Haaren herbeigezogenes Stichwort, wie bei jedem ESC kurz einen Schwelgemoment für Slavko Kalezić einzulegen, die Zopfpeitsche aus Montenegro, dem 2017 skandalöserweise die Teilnahme an der Endrunde versagt wurde. Wir werden nie müde werden, auf dieses Unrecht hinzuweisen.

1. Halbfinale: Dienstag, 10.5., 21 Uhr, Eurovision.de , ONE und ARD-Mediathek

Slowenien: LPS - Disko

LPS aus Slowenien

LPS aus Slowenien

So, hier noch mal als Anschauungsobjekt für alle, die die isländischen Discomäuse von Daði og Gagnamagnið im vergangenen Jahr so abgrundtief nerdig fanden: DAS HIER sind Nerds, und zwar niedlichst naturbelassen, stylemäßig verschroben konfirmandig und so herzzerreißend uncool, wie man sie früher noch kannte. True Nerds, wenn man so will, und tatsächlich eine echte ehemalige Schülerband, wofür allein schon der fast schon zu schülerbandmäßige Name LPS, die Abkürzung für »Last Pizza Slice« steht. Der Liedtext atmet authentisch angegorene Pubertätsausdünstung (»Ich will dich, aber du gibst dein Herz einem anderen / Wir tanzen, aber es ist nur in meinen Träumen / Nein, du wirst nicht zurückkommen«), und wie es immer ist in solchen Jüngstmannkombis, hat einer immer schon deutlich mehr Bart als die anderen, in diesem Fall der skigymnastisch federnde Keyboarder, der einen imaginären Hüpfball behoppelt. Chancenlos, aber putzig, sehr putzig.

1. Halbfinale: Dienstag, 10.5., 21 Uhr, Eurovision.de , ONE und ARD-Mediathek

Norwegen: Subwoolfer - Give that Wolf a Banana

Subwoolfer aus Norwegen

Subwoolfer aus Norwegen

Manchmal schnalzt der ESC mit seinen hochassoziativen Performances ja lang verschüttete Erinnerungen wieder an die Oberfläche. Die angeblichen Wolfmasken des norwegischen Beitrags zum Beispiel, bei denen man plötzlich wieder an die aufblasbaren Alpakadummys aus chinesischer Produktion denken muss, mit denen man bei einem radikal gewaltfreien Alpaka-Einfangkurs das Aufzäumen übte, bevor es ans lebende Tier ging: Weil die Fabrikanten mutmaßlich noch nie ein Alpaka gesehen hatten, sahen die Übungsteile aus wie von einem unsachgemäßen Taxidermisten zu prall ausgestopfte Plumphirsche, ein großer Spaß, aber man muss wohl dabei gewesen sein. Bei der Anschaffung ihrer Wolfsmasken ließ sich Subwoolfer jedenfalls augenscheinlich ebenfalls betuppen und stattdessen ein paar fehlgepresste Wüstenfuchs-Köpfe andrehen, wirklich überzeugend ist das anatomisch nicht. Bonuspunkte gibt es für die hübschen Clubtanzformationen, die allerdings direkt wieder abgezogen werden müssen, weil man sich wohl zu faul war, eine wolfsadäquat aufgepuschelte Rute am Anzughosenboden zu befestigen. Warum die drei Tänzerinnen in einem Crossover aus Kim Kardashians Met-Gala-Verhüllung von 2021 und B1 und B2, den titelgebenden Krummfrüchten aus der Kinderserie »Bananas in Pyjamas«, hergerichtet sind, obwohl es in dem Lied offensichtlich um eine Rotkäppchen-Fantasie geht, bleibt eines der vielen ESC-Mysterien.

1. Halbfinale: Dienstag, 10.5., 21 Uhr, Eurovision.de , ONE und ARD-Mediathek

Serbien: Konstrakta – In corpore sano

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Sie müssen mir das jetzt wirklich glauben, denn ich habe Sie noch nie belogen: Der serbische Beitrag behandelt beängstigend dringlich die Frage, mit welchen Pflegeprodukten sich eine gewisse Herzogin von Sussex shampooniert. »Was ist das Geheimnis von Meghan Markles gesundem Haar? Was ist das Geheimnis? Was ist das Geheimnis von Meghan Markles gesundem Haar? Was ist das Geheimnis?«, rätselt die Sängerin Konstrakta gleich zu Beginn, woraufhin der Chor der ratlosen Frisörfachleute um sie herum diese Frage echot, denn die wissen es auch nicht. Mit ein bisschen gutem Willen und ein paar Dioptrien weist die serbische Sängerin tatsächlich eine gewisse Ähnlichkeit mit Meghan Markle nach einem halbherzigem »Pulp Fiction«-Mottoparty-Umstyling auf, wobei sie sich mittendrin entschloss, auf das Thema zu pfeifen und lieber als Krankenschwester Elle aus »Kill Bill« zu gehen.

»Ich denke, es geht um tiefe Hydratation«, spekuliert die Sprechsingende dann weiter, wobei sie sich übrigens in einer Schüssel fortlaufend die Hände wäscht. »Eine vergrößerte Milz ist nicht gut, sie ist nicht schön«, räsonniert sie etwas später, und man könnte das für affektierten Kunstquark halten, würde das Zusammenspiel aus sprödem Gesang und Chorecho unbestritten wachsende Faszination entwickeln, und das ist schon wieder nicht gelogen. Auf einer tieferen Ebene kritisiert der Text übrigens das serbische Gesundheitssystem, das freischaffenden Künstlern keine Krankenversicherung gewährt. Hamma wir wieder was gelernt.

2. Halbfinale: Donnerstag, 12.5., 21 Uhr, Eurovision.de , ONE und ARD-Mediathek

San Marino: Achille Lauro - Stripper

Achille Lauro aus San Marino

Achille Lauro aus San Marino

Foto: Nathan Reinds / EBU

Nach dem glorreichen Sieg von Måneskin im vergangenen Jahr war schon klar, dass das dieses Jahr nicht ohne neuen Ansexversuch über die Bühne gehen würde. Achille Lauro paust also einfach mal Damiano David durch, mit Augen-Makeup, nacktem Tattookörper, Mitmusikanten im Röckchen oder mit Original-Damiano-Schlonzfrisur – das kann in dieser Dreistigkeit natürlich nicht klappen, obwohl Achille dazu noch eine ganze Schippe wirrer Popkultur-Referenzen in seinen bierwerbungstauglichen »Hey!«-Rocksong gewuchtet hat: »London Calling«, »I Love Britney« und – ist das eine putzige »I Wanna Be Your Dog«-Anspielung? – »I’m her Beagle / She’s my Personal Jesus«. Die dazugehörigen Hosenbundfummeleien machen alles noch tragischer. Gerüchteweise soll er im Halbfinale Federboa tragen und auf einem samtenen roten Rodeo-Bock reiten. Bitte dazu nicht noch ungebeten ausziehen, in unserem Herzen ist vorerst nur Platz für einen ESC-Sexmann.

2. Halbfinale: Donnerstag, 12.5., 21 Uhr, Eurovision.de , ONE und ARD-Mediathek

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