Eurovision Song Contest Europa kürt die Ukraine zur Siegerin

Starke Solidarität in Kriegszeiten: Die Ukraine hat den Eurovision Song Contest gewonnen. Malik Harris aus Deutschland landet mit nur sechs Punkten auf dem letzten Platz.
ESC-Sieger 2022: Das Kalush Orchestra aus der Ukraine

ESC-Sieger 2022: Das Kalush Orchestra aus der Ukraine

Foto: Jens Büttner / dpa

Die Ukraine hat den Eurovision Song Contest gewonnen. Die Gruppe Kalush Orchestra setzte sich in der Nacht zum Sonntag mit dem Hip-Hip-Folk-Song »Stefania« im italienischen Turin durch.

Damit erfüllten sich die Erwartungen, dass das Fernsehpublikum ein Zeichen der Solidarität inmitten des russischen Angriffskriegs setzen würde. Deutschland landete bei dem Gesangswettbewerb einmal mehr ganz hinten.

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Der Sänger der ukrainischen Band, Oleh Psiuk, widmete den Sieg der Bevölkerung der Ukraine. »Dieser Sieg ist für alle Ukrainer«, sagte Psiuk in seiner ersten Reaktion.

(Lesen Sie hier ein Interview mit Frontmann Oleh Psiuk über die spezielle Rolle der ukrainischen Band: »Wir müssen so nützlich wie möglich für unsere Heimat sein.«)

Zwölf Punkte aus allen Ecken

Entscheidend für den Sieg der Ukrainer waren die TV-Zuschauerinnen und -Zuschauer, die wie immer mit über den Sieg abstimmen durften.

Die Hälfte der Punkte kommt von nationalen Fachjurys. Bei dieser Wertung lagen die Ukrainer noch deutlich hinter Mitfavorit Großbritannien. Auch Schweden und Spanien bekamen von den Jurys mehr Punkte.

Am Ende aber konnte die Ukraine in fast allen Ländern die Fanwertung gewinnen und die maximale Punktzahl von zwölf Punkten holen. Sie gewann beim Publikum 439 Punkte – maximal wären 468 Punkte vom Fernsehpublikum möglich gewesen – und landete mit nun insgesamt 631 Punkten deutlich vor dem britischen Sänger Sam Ryder, der 466 Punkte bekam.

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Malik Harris landete mit seinem Lied »Rockstars« auf dem letzten Platz. Die Jury gab dem 24-Jährigen null Punkte, das Sechs-Punkte-Endergebnis kam ausschließlich durch die Publikumsstimmen zustande.

»Ich weiß, dass man nicht allzu viele Punkte geholt hat, aber es war trotzdem ein schöner Abend«, sagte der Sänger der ARD. Für ihn sei es »ein total abgefahrener Abend« gewesen.

Harris, der am Ende seines Auftritts seine Gitarre umgedreht hatte, auf die er die ukrainische Flagge und das Wort »Peace« aufgeklebt hatte, gratulierte den ESC-Gewinnern: »Ich bin wirklich sehr, sehr froh, dass die Ukraine gewonnen hat, weil ich mir das so gewünscht habe.«

»Dieser Sieg ist für alle Ukrainer«: Sänger Oleh Psiuk

»Dieser Sieg ist für alle Ukrainer«: Sänger Oleh Psiuk

Foto: YARA NARDI / REUTERS

Der Grand Prix war in diesem Jahr unter dem Eindruck des russischen Einmarschs in die Ukraine so politisch wie lange nicht. Russland war wegen des Krieges vom ESC ausgeschlossen worden.

Die ukrainischen Musiker hatten am Ende ihres umjubelten Auftritts die Weltgemeinschaft zur Unterstützung aufgefordert. Sänger Psiuk sagte auf der Bühne: »I ask all of you: Please help Ukraine, Mariupol, help Azovstal – right now«, Ich bitte euch alle: Bitte helft der Ukraine, Mariupol und den Menschen im Asow-Stahlwerk – jetzt.

Laut Regelwerk sind »Texte, Ansprachen und Gesten politischer Natur« auf der ESC-Bühne verboten. Die Veranstaltenden äußerten jedoch Verständnis.

In der Ukraine ist der Sieg mit Euphorie aufgenommen worden. »Das ist unser gemeinsamer Sieg für unsere Ukraine. Das ist ein Sieg im Gedenken an alle, die umgekommen sind«, sagte der Moderator des öffentlich-rechtlichen Fernsehens, Timur Miroschnytschenko: »Wir siegen an der musikalischen Front und...«, sagte der Moderator, dann brach ihm die Stimme, und er musste weinen.

Selenskyj gratuliert und dankt

»Unser Mut beeindruckt die Welt, unsere Musik erobert Europa!«, teilte Präsident Wolodymyr Selenskyj im Nachrichtenkanal Telegram mit. Er nahm auch Bezug auf den Aufruf der Band, die belagerte Hafenstadt Mariupol zu retten. »Wir tun alles dafür, damit eines Tages das ukrainische Mariupol die Teilnehmer und Gäste der Eurovision empfängt. Ein freies, friedliches, wieder aufgebautes!«, schrieb Selenskyj. »Ich danke dem Kalush Orchestra für den Sieg und allen, die dafür ihre Stimme gaben! Ich bin überzeugt, dass unser siegreicher Akkord in der Schlacht mit dem Feind nicht mehr fern liegt.«

sak/dpa/AFP