Eurovision Song Contest Europäische Rundfunkunion lehnt Beitrag aus Belarus ab

»Ich werde dir beibringen, der Linie zu folgen«: Der Song, den Belarus zum Eurovision Song Contest eingereicht hat, klingt nach Kritik an der Opposition. Zu politisch, findet die EBU – und droht mit Disqualifikation.
Gruppe Galasy ZMesta aus Belarus: Entrüstung bei Oppositionellen

Gruppe Galasy ZMesta aus Belarus: Entrüstung bei Oppositionellen

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BTRC / ESC

Die Europäische Rundfunkunion (EBU) hat am Donnerstag den Beitrag, den Belarus für den Eurovision Song Contest 2021 eingereicht hat, zurückgewiesen. Das Land riskiere eine Disqualifikation, wenn es das Lied nicht ändere oder ein anderes ins Rennen schicke, hieß es in einer Mitteilung  der Organisation.

Der Song »Ya Nauchu Tebya (I’ll Teach You)« stammt von der Gruppe Galasy ZMesta, die in der Vergangenheit Titel veröffentlicht hat, die sich über die Proteste gegen den belarussischen Präsidenten Alexander Lukaschenko lustig machten. Die Wahl des belarussischen Fernsehsenders BTRC hatte Entrüstung bei Oppositionellen ausgelöst, eine schwedische EU-Parlamentarierin hatte bereits den Ausschluss von Belarus aus dem laufenden Wettbewerb gefordert.

In ihrer Mitteilung schrieb die EBU, man sei zu dem Schluss gekommen, dass der Song »die nicht politische Natur des Song Contest infrage« stelle. Darüber hinaus drohten Reaktionen auf den vorgeschlagenen Beitrag den Ruf des ESC zu beschädigen.

Der Beitrag, den der belarussische Sender ohne öffentliche Vorentscheidung einreichte, hat im Refrain Songzeilen, die sich in etwa so übersetzen lassen: »Ich werde dir beibringen, nach der Melodie zu tanzen (...) Ich werde dir beibringen, der Linie zu folgen. Du wirst zufrieden und mit allem glücklich sein«. Seit Dienstag war er auf der offiziellen YouTube-Seite des ESC zu hören – bei über einer halben Million Abrufen gab es 5800 Likes und 40.000 gesenkte Daumen. Inzwischen wurde der Song dort entfernt.

Kritiker befürchten, dass ein Auftritt beim internationalen Wettbewerb mit diesem Song zu einer Rechtfertigung der gewaltsamen Niederschlagung der Proteste gegen Lukaschenko nach der Wahl im August beitragen könne. Die Opposition wirft dem seit 27 Jahren regierenden Präsidenten Wahlfälschung vor.

Der Beitrag von Galasy ZMesta sei »eine Verächtlichmachung des belarussischen Volkes, von allem, was in diesem Land vor sich geht«, kritisierte Angelica Agurbash, die Belarus beim ESC 2005 vertreten hatte, gegenüber der Nachrichtenagentur Reuters.

feb/Reuters