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"Unser Song 2017": Fünf Kandidaten, zwei Lieder

Foto: NDR/ Sony Music/ Walter Glöckle

ESC-Vorentscheid "Unser Song" Hauptsache nicht wieder Letzter

In einer Castingshow kämpfen fünf Newcomer darum, für Deutschland beim Eurovision Song Contest anzutreten. Findet die ARD eine neue Lena? Oder droht das Schicksal von Jamie-Lee und Ann Sophie? Die Vorschau.

Immer wieder wird vor der Show "Unser Song 2017" das Jahr 2010 heraufbeschworen, als im Casting unbekannter Sängerinnen und Sänger eine gewisse Lena Meyer-Landrut gefunden wurde - die dann nach Oslo reiste und mit "Satellite" den zweiten deutschen Sieg beim Eurovision Song Contest ergatterte.

Auch diesmal sind es fünf Newcomer, die sich beim Vorentscheid um die Gunst des deutschen Fernsehpublikums bewerben. Aber dass sie in Kiew, wo der Eurovision Song Contest 2017 stattfinden wird, gleich um den Sieg singen können sollten, wäre viel verlangt - speziell nach der jüngsten ESC-Geschichte Deutschlands: 2016 (mit "Ghost" und Jamie-Lee) und 2015 (mit "Black Smoke" und Ann-Sophie) gab es letzte Plätze in der europäischen Wertung.

Die Mission kann also nur lauten: "Hauptsache nicht wieder Letzter"

Der Modus

Um das zu gewährleisten, haben der federführende Sender NDR mit Unterhaltungschef Thomas Schreiber und die Produktionsfirma Brainpool einen mehrstufigen Modus erdacht. Aus allen Bewerbern, die ihre Songs eingesandt hatten, wurden zunächst 33 und dann in einem zweitägigen Casting fünf Kandidaten ausgewählt. Einer von ihnen, Sadi Richter, zog seine Teilnahme zurück, nachdem die "Bild"-Zeitung über Betrugsvorwürfe berichtet hatte, die Sechstplatzierte aus dem Casting rückte nach. Bei der Vorentscheid-Show in Köln haben die TV-Zuschauer nun in vier Runden die Chance auszusieben.

In der ersten Runde singen die fünf Hoffnungsträger je eine Coverversion eines Songs, den sie gemeinsam mit den Produzenten der Show ausgewählt haben. Danach scheiden bereits zwei Kandidaten aus.

In der zweiten Runde versuchen sich die verbliebenen drei an dem Song "Wildfire", jeweils in persönlichen Soundarrangements. Das Publikum eliminiert einen weiteren Teilnehmer und die übrig gebliebenen beiden singen in der dritten Runde den Song "Perfect Life".

Danach gibt es ein Finale, in dem die beiden Auftritte, die die meisten Stimmen bekamen, noch einmal aufgeführt werden. Der Sieger hierbei wird der deutsche ESC-Titel 2017.

Zu kompliziert? Der NDR hat ein Erklärvideo bereitgestellt.

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Die Songs

Eine Jury aus Fernseh- und Musikexperten (hier aufgelistet ) hat zwei Songs ausgewählt, denen sie zutrauen, beim ESC zu bestehen. Eine erstaunlich kleine Auswahl dafür, dass es sich ja zumindest im ursprünglichen Sinne um einen Liederwettbewerb handelt. Beide stammen von internationalen Songwriter-Teams und sind erwartungsgemäß in englischer Sprache.

Bei "Wildfire" ist sogar ein Name unter den Komponisten, den man aus den Hitparaden kennt: Die Norwegerin Marit Larsen hatte 2009 einen Nummer-eins-Hit in Deutschland mit "If A Song Could Get Me You". Den potenziellen ESC-Titel "Wildfire" schrieb sie gemeinsam mit dem Schotten Greg Holden und dem Amerikaner Tofer Brown.

Das Team hinter "Perfect Life", drei Songwriter aus den USA, bringt noch etwas mehr Erfahrung mit: Lindy Robbins wirkte an großen Hits von den Backstreet Boys ("Incomplete"), David Guetta ("Dangerous") und Jason Derulo ("Want to Want Me") mit; ihr Kollege Dave Bassett war einer der Autoren von Elle Kings Hit "Ex's & Oh's"; die Dritte im Bunde, Lindsey Ray, schrieb Songs, die von Demi Lovato und Mariah Carey interpretiert wurden.

Auf der NDR-Website wurden Ausschnitte aus den Probenauftritten der fünf Kandidaten online gestellt.  Nach ihnen zu urteilen, ist "Wildfire" der Song mit dem stärkeren Refrain, "Perfect Life" hingegen gibt den einzelnen Interpreten mehr Raum zu brillieren.

Die Ratgeber

Auf der Basis von diesen Probeaufnahmen können internationale ESC-Fans über die Eurovision-App für ihre Lieblingstitel abstimmen. Das Ergebnis dieses europäischen Rats soll während der Show bekannt gegeben werden.

Tim Bendzko, Lena Meyer-Landrut, Florian Silbereisen

Tim Bendzko, Lena Meyer-Landrut, Florian Silbereisen

Foto: NDR/ Ingo Pertramer

Es hat aber ebenso wenig bindende Wirkung wie die Urteile, die die drei Juroren in der Show über die Darbietung fällen. In der Jury sind Lena Meyer-Landrut, der Sänger Tim Bendzko und der TV-Moderator Florian Silbereisen. Aber die Entscheidung liegt bei den deutschen TV-Zuschauern und ihren Anrufen und Nachrichten.

Die Kandidaten

Axel Maximilian Feige

Axel Maximilian Feige

Foto: NDR/ Sony Music/ Walter Glöckle

Axel Feige ist 28 Jahre alt und lebt in Hamburg. Er ist der einzige Mann, der zur Auswahl steht, ist bärtig, hoch aufgeschossen und seine Stimme klingt nach Rock. Als Covertitel hat er den James-Bond-Song von Soundgarden-Sänger Chris Cornell ausgewählt. Das passt ganz gut - ein Rocker in einem überdefinierten, wesensfremden Umfeld. Doch auf dem Barhocker zum Beinahe-Swing-Arrangement von "Wildfire" wirkte er zumindest im Probenvideo wenig überzeugend.

Helene Nissen

Helene Nissen

Foto: NDR/ Sony Music/ Walter Glöckle

Helene Nissen kommt aus dem hohen Norden, aus Hollingstedt in der Nähe von Flensburg, und ist erst 20 Jahre alt. Da ist der "Folsom Prison Blues" von Country-Outlaw Johnny Cash vielleicht nicht die naheliegendste Wahl als Coversong. Sie legt sich aber schwer ins Zeug, mit Augenrollen und Showbiz-Grinsen. Auch der Wettbewerbssong "Wildfire" kommt bei ihr im Countrysound daher, euphorisch springend in Jeansweste interpretiert. Bei "Perfect Life" erahnt man allerdings ihre stimmlichen Grenzen. Mitreißender Enthusiasmus - oder doch ein wenig arg kindlich?

Isabella "Levina" Lueen

Isabella "Levina" Lueen

Foto: NDR/ Sony Music/ Walter Glöckle

Levina verströmt in diesem Feld die stärkste internationale Klasse. Die in Chemnitz aufgewachsene 25-Jährige lebt schon seit Jahren in London, wo sie Geografie studiert, aber auch in Bands gesungen hat. Sie singt in der ersten Runde "When We Were Young" von einer anderen Londonerin: Adele. Und zwar sehr solide. Das ist vielleicht das entscheidende Wort für Levinas Auftritte, im guten wie im schlechten. Denn ob Streicherballade oder Radio-Pop: Sie singt alles sehr souverän, aber es fehlt die ganz besondere Ausstrahlung.

Felicia Lu Kürbiß

Felicia Lu Kürbiß

Foto: NDR/ Sony Music/ Walter Glöckle

Felicia Lu aus dem bayerischen Freilassing singt auf ihrem YouTube-Channel regelmäßig aktuelle Hits nach. Für die ESC-Coverversionen-Runde hat sie sich für "Dancing on My Own" entschieden, ein grandioser Elektro-Popsong von Robyn, den sie allerdings erkennbar angelehnt an die balladeske Version des britischen Castingshow-Teilnehmers Calum Scott interpretiert. In den beiden Wettbewerbsbeiträgen übertreibt es die 21-Jährige ein wenig mit den an sich charmanten Kieksern, die man so oder ähnlich schon mal bei den Cranberries gehört hat - oder bei Lena.

Yosefin Buohler

Yosefin Buohler

Foto: NDR/ Sony Music/ Walter Glöckle

Yosefin schließlich ist als Nachrückerin zu "Unser Song" gekommen, doch die Tochter eines deutschen Vaters und einer schwedischen Mutter lässt sich davon überhaupt nicht beirren. Sie ist die Sängerin im Feld, die am meisten ausstrahlt, dass es ihr gerade großen Spaß bereitet, auf der Bühne zu stehen und, zum Beispiel, Beyoncés "Love on Top" zu singen. Entspannt bewegt sie sich auf bunten Sneakers, allerdings hält ihre Stimme nicht immer ganz mit.

Das Showprogramm

Umrahmt werden die Vorentscheidungssongs durch musikalische Auftritte von Tim Bendzko, Neu-Sänger Matthias Schweighöfer und gleich drei ehemaligen ESC-Siegern: Ruslana, Conchita Wurst und Nicole.


"Unser Song 2017", ARD, Donnerstag, 20.15 Uhr

Mit dpa-Material
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