ESC-Entscheid "Unser Star für Malmö" ARD verabschiedet sich von der Castingshow

Nach dem Rückzug von Stefan Raab präsentiert die ARD ein neues Konzept für den Eurovision Song Contest: Beim deutschen Vorentscheid 2013 sollen diesmal namhafte Kandidaten antreten - in nur einer Live-Show in Hannover. Es ist der Abschied von der langwierigen Talentsuche.
Von Stefan Niggemeier
Der letzte deutsche ESC-Kandidat Roman Lob: "Da ist jeder Song ein Gewinner"

Der letzte deutsche ESC-Kandidat Roman Lob: "Da ist jeder Song ein Gewinner"

Foto: Jörg Carstensen/ dpa

Die ARD wird im kommenden Jahr nicht wieder mit Hilfe einer langwierigen Castingshow den deutschen Vertreter für den Eurovision Song Contest ermitteln. Stattdessen werden bei der Live-Show "Unser Star für Malmö" aus der TUI-Arena in Hannover am 14. Februar acht bis zwölf "namhafte" Kandidaten, die von der Plattenindustrie ins Rennen geschickt werden, gegeneinander antreten. Außer dem Fernsehpublikum entscheiden fünf Jurymitglieder und die Hörer mehrerer ARD-Radiowellen über den Sieger.

Es ist in weiten Teilen eine Rückkehr zu dem Konzept, mit dem rund um die Jahrtausendwende der deutsche Vorentscheid veranstaltet wurde. 2001 fand er auch schon am selben Ort statt. Damals hieß die Halle noch "Preussag-Arena", und zu den Teilnehmern zählten neben Gewinnerin Michelle Künstler wie Wolf Maahn, Rudolph Moshammer und Zlatko aus dem Big-Brother-Container.

Die Mischung, die sich der ARD-Unterhaltungskoordinator und Grand-Prix-Beauftragte Thomas Schreiber fürs nächste Jahr vorstellt, ist sicher eine andere. Er erhofft sich sowohl bekannte Bands als auch Newcomer, die die Shootingstars 2013 werden könnten. "Die Sprache der Songs ist nicht festgelegt, es muss nicht Englisch sein. Und wir wollen das ganze Spektrum zeitgenössischer deutscher Popmusik abbilden", sagte er der "Frankfurter Allgemeinen Zeitung" (FAZ). Im Dezember sollen die Teilnehmer bekanntgegeben werden.

ProSieben ist als Partner ausgestiegen. Insbesondere im vergangenen Jahr, als es acht lange Sendungen dauerte, bis der Publikumsliebling der ersten Minute, Roman Lob, endlich - im Ersten - offiziell zum deutschen Kandidaten ausgerufen werden konnte, hatte sich die Zusammenarbeit für den Privatsender kaum gelohnt. Die Produktionsfirma Brainpool und das Team der vergangenen drei Jahre sind dagegen wieder dabei.

Neu ist die Art, wie die Radiosender der ARD eingebunden werden. Die Künstler und ihre Songs werden auf Bayern 3, Bremen Vier, Eins Live, Fritz, HR 3, MDR Jump, NDR 2, SR 1 Europawelle und SWR3 vorgestellt. Die Hörer können dann im Internet abstimmen. Während der Sendung geben die einzelnen Sender die jeweiligen Gewinner in ihren Sendegebieten nacheinander in ähnlicher Form bekannt, wie es beim Grand-Prix Tradition ist. Das könnte interessante Aufschlüsse nicht nur über regionale Vorlieben und Verbundenheiten zu Kandidaten aus der jeweiligen Heimat geben, sondern auch Kontraste zwischen dem Geschmack der Hörer von ultrakommerziellen Mainstream-Wellen wie NDR 2 und jüngeren und kantigeren Programmen wie Fritz zeigen.

Dieses Votum, das die Radiotauglichkeit eines Titels abbilden soll, zählt ein Drittel, ebenso wie das Urteil einer Jury aus "bekannten Unterhaltungs- und Musikexperten" sowie das Abstimmungsergebnis des Fernsehpublikums während der Sendung.

Mittelfristig will Schreiber versuchen, das Konzept des schwedischen Vorentscheids nachzuahmen: Das dortige "Melodifestivalen" ist ein außerordentlich populärer Wettbewerb bekannter und unbekannter Künstler, der sich über viele Runden und durch diverse Hallen im Land zieht und deutliche Spuren in den Charts hinterlässt. "Da ist jeder Song ein Gewinner", sagte Schreiber der "FAZ". Dass es beim deutschen Vorentscheid 2013 nicht einmal zu einer Klein-Version mit zwei Halbfinalen vor der Finalsendung reichte, soll bloß daran liegen, dass alle geeigneten Konzertarenen im Land schon ausgebucht waren. Andererseits minimiert die Konzentration auf eine einzige Show natürlich das Risiko beim Neuanfang.

Einen Moderator für den Vorentscheid im nächsten Jahr hat Schreiber noch nicht gefunden. Fest steht nur: Stefan Raab wird es nicht sein. Der könnte dafür allerdings in der Jury Platz nehmen.

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