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Eurovision Song Contest in Malmö Norwegische Punkte-Ansagerin zieht sich wegen Gaza zurück

Die Sängerin Alessandra Mele wird keine Punkte beim ESC verkünden. Ihren Rückzug begründete die Norwegerin in einem Statement mit der Parole »Free Palestine«. Auch andere Teilnehmer stellen sich unmittelbar vor der Show quer.
Die norwegische Sängerin Alessandra beim ESC 2023

Die norwegische Sängerin Alessandra beim ESC 2023

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Peter Kneffel / dpa

Die norwegische Punkte-Ansagerin Alessandra Mele hat wenige Stunden vor dem Finale des Eurovision Song Contest (ESC) ihren Rückzug von der Veranstaltung bekannt gegeben. Die Sängerin begründete den Schritt am Samstagnachmittag in einem Video bei Instagram mit dem israelischen Vorgehen im Gazastreifen. »Derzeit findet ein Genozid statt«, sagte die 21-Jährige.

Sie kritisierte, dass der Slogan des diesjährigen des ESC-Wettbewerbs »United by Music« (Deutsch: Vereint durch Musik) nur leere Worte seien. »Lasst euch von der Liebe zur Wahrheit leiten: Free Palestine«, sagte sie. Wie der Wettbewerb in Malmö und der Krieg in Gaza vermeintlich zusammenhängen, führte sie in dem weniger als einminütigen Video auf ihrem Instagram-Kanal  nicht aus. Innerhalb von vier Stunden sammelte sie knapp 50.000 Likes mit ihrem Beitrag.

Die Sängerin, die auch italienische Wurzeln hat, hatte voriges Jahr mit »Queen of Kings« für Norwegen den fünften Platz beim ESC erreicht. Für Mele sollte die Moderatorin Ingvild Helljesen vom Sender NRK einspringen.

Probleme für die Veranstalter

Kurz vor Beginn der Veranstaltung herrscht hinter den Kulissen des ESC offenbar große Aufregung. So fand nach Informationen von NRK und dem schwedischen Sender SVT ein Krisentreffen statt.

Dass Israel auch in diesem Jahr beim ESC teilnimmt, hatte im Vorfeld für Boykottaufrufe und Demonstrationen gesorgt. Die 20-jährige Sängerin Eden Golan wird am Samstagabend ebenfalls in Malmö auftreten, nachdem sie zuvor ins Finale eingezogen war. (Lesen Sie hier mehr über die Proteste vor Ort.)

Mehrere Teilnehmer schwänzen die Flaggenparade

Auch von Teilnehmern selbst gibt es Kritik an der Teilnahme Golans, etwa aus Irland. Bambie Thug identifiziert sich als nicht-binäre Person und nimmt für das Land am diesjährigen ESC teil. Bambie Thug hatte sogar den Ausschluss Israels aus dem Wettbewerb gefordert. Am heutigen Samstag verpasste Bambie Thug dann die Probe für den Wettbewerb und schrieb dazu auf Instagram, es habe eine »Situation« gegeben, als die Künstler die Bühne zur Flaggenparade betreten wollten.

In den vergangenen Tagen hatte es nicht nur aus Irland, sondern auch von Vertretern der Schweiz, Griechenlands und Lettlands Sticheleien und Protestbekundungen gegen Golan gegeben. Hinter den Kulissen gerieten Mitglieder der griechischen Delegation mit Mitgliedern der israelischen Delegation aneinander.

Irland, die Schweiz und Griechenland waren zudem am Samstag nicht zur Flaggenparade erschienen. Die Europäische Rundfunkunion (EBU) als ESC-Veranstalterin teilte laut Medienberichten mit, die Lage zu prüfen.

hpp/dpa