Konzertveranstalter Lieberberg verteidigt Naidoo-Anzeige

Mit einer Solidaritäts-Anzeige für Xavier Naidoo in der "FAZ" hat Konzertveranstalter Marek Lieberberg Kritik auf sich gezogen. Jetzt weist er den Vorwurf zurück, er habe damit Marketing für seinen Geschäftspartner Naidoo betrieben.
Konzertveranstalter Lieberberg: "Das muss man nach Absurdistan verweisen"

Konzertveranstalter Lieberberg: "Das muss man nach Absurdistan verweisen"

Foto: Thomas Frey/ dpa

Konzertveranstalter Marek Lieberberg hat Kritik an der ganzseitigen Anzeige, die er am Samstag in der "Frankfurter Allgemeinen Zeitung" geschaltet hat, zurückgewiesen. In der Anzeige, die mit den Worten "Menschen für Xavier Naidoo" überschrieben war, hatten sich 121 Künstler und Bands wie Die Prinzen, Mario Adorf, Jan Delay, Jan Josef Liefers und Til Schweiger für den Sänger ausgesprochen.

Die Anzeige war teilweise mit Verwunderung aufgenommen worden. Die "Rheinische Post" etwa  nannte sie in einem Kommentar einen "Schulterschluss der ewig Missverstandenen, der Kritisierten und Gescholtenen". SPIEGEL ONLINE hatte in diesem Kommentar hinter der Anzeige nicht so sehr eine Solidarisierung mit der politischen Haltung Naidoos vermutet - sondern eine Marketing-Aktion zur Verteidigung von Naidoos Ruf, da Lieberberg nicht nur geschäftlich mit Naidoo, sondern auch mit etlichen anderen der Unterzeichner verbandelt ist.

Lieberberg erklärte nun: "Diese ganzen Mutmaßungen muss man nach Absurdistan verweisen. Jedes kleine Kind weiß, dass ich im Feuilleton der 'FAZ' kein Marketing für Hip-Hop-Künstler machen kann." Ohnehin seien Naidoos Konzerte in den letzten Monaten allesamt ausverkauft gewesen, und für 2016 sei keine Tournee geplant, so Lieberberg weiter.

Dass Lieberberg Einfluss auf die redaktionelle Berichterstattung der "FAZ" genommen habe, war allerdings kein Vorwurf, der ihm gemacht worden war. Die etwa 70.000 Euro teure Anzeige war als solche gekennzeichnet und klar von redaktionellen Inhalten getrennt.

Der NDR will nichts mehr sagen

Der NDR hatte Naidoo ("Dieser Weg") in der Vorwoche als deutschen Vertreter für den Eurovision Song Contest (ESC) auserkoren. Nachdem sich dagegen starker Protest auch innerhalb des NDR selbst formiert hatte, zog der Sender die Nominierung zwei Tage später aber wieder zurück. "Der NDR hat einen Fehler gemacht", hatte NDR-Intendant Lutz Marmor gesagt.

Naidoo gilt wegen politischer Äußerungen als umstritten. Ihm werden Antisemitismus, Homophobie und Verschwörungstheorien vorgeworfen. Naidoo hatte sich gegen die Kritik gewehrt: "Mit meinem ganzen Wesen stehe ich für ein weltoffenes und gastfreundliches Deutschland und einen respektvollen sowie friedlichen Umgang miteinander", wurde er vom NDR zitiert, bevor der Sender die Nominierung zurücknahm.

"Wir fühlen uns Xavier Naidoo verbunden, und zwar nicht erst seit heute und gestern, sondern über Jahrzehnte hinweg", erklärte Lieberberg, der die Annonce initiiert hatte, der dpa am Sonntag. "Wir haben uns an viele Künstler gewendet, mit denen wir gar nicht zusammenarbeiten, einfach an die Branche per se. Wir sind begeistert über den Zuspruch, den wir erhalten haben."

Der NDR nahm die Aktion gelassen hin. "Das ist ihr gutes Recht", teilte der Sender mit. "Xavier Naidoo ist ein Künstler, der polarisiert. Er hat neben vielen Kritikern auch viele Fans. Aus unserer Sicht ist alles Nötige dazu gesagt."

hpi/dpa
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