Umstrittene Band Frei.Wild positionieren sich gegen rechts

Die Geister, die sie riefen: Die umstrittene Band Frei.Wild hat sich angesichts des Flüchtlingsstroms von Fremdenhass distanziert - und ihre Fans aus der rechten Ecke sind entrüstet.

Frei.Wild bei einem Konzert in der Münchner Olympiahalle: Jetzt nicht mehr rechts?
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Frei.Wild bei einem Konzert in der Münchner Olympiahalle: Jetzt nicht mehr rechts?


Wo liegt die Grenze zwischen offensivem Patriotismus und rechter Hetze? Über die Texte der Band Frei.Wild zerbrechen sich Musikkritiker seit Jahren die Köpfe - jetzt hat sich die Rockgruppe angesichts des aktuellen Flüchtlingsstroms nach Europa mit eindeutigen Worten gegen Fremdenfeindlichkeit positioniert.

Am Freitag veröffentlichte die Band auf ihrer Homepage und ihrer Facebook-Seite ein Statement: "Wer Menschen, die gerade mit knapper Not einem grausamen Krieg oder einer Verfolgung aus religiösen oder anderen Gründen entkommen sind, die ihrer Heimat (und ihr wisst wie viel Heimat uns bedeutet) entfliehen mussten oder auf der Flucht ihre Liebsten verloren haben, wer solche Menschen hier wieder bedroht und terrorisiert, der ist schlichtweg ein asoziales Arschloch ohne Verstand, und, viel schlimmer, ohne Herz und hassgesteuert."

Frei.Wild-Sänger Philipp Burger war selbst früher Mitglied der rechten Skinhead-Formation Kaiserjäger (Lesen Sie hier ein Interview mit Philipp Burger). Während die Band sich selbst als "überzeugt von bestimmten konservativen Werten" einordnet, kritisieren viele, dass die Band rechtsextreme Gefühlslagen bedient: Frei.Wild äußern sich zwar in ihren Texten nicht offen in diese Richtung, feiern aber offensiven Patriotismus, Heimat und den Zusammenhalt von Volksgruppen. Mit Zeilen wie "Kreuze werden aus Schulen entfernt, aus Respekt / Vor den andersgläubigen Kindern" hat sich die Band so attraktiv für die rechte Szene gemacht.

Auf Distanz zu Pegida

In dem jetzt veröffentlichten Statement lobte die Band die Fans, die "für Menschlichkeit und Zivilcourage einstehen", die "sich verdammt noch mal vehement und entschlossen gegen die Brandstifter und Fremdenhasser stellen". Zudem distanzierte sich die Band von Pegida und der AfD - und machte eine klare Ansage: Wer das anders sehe als sie selbst, sei nicht weiter willkommen: "Wir sind die gänzlich falsche Band für euch."

In den Kommentarspalten auf der Homepage und auf nFacebook-Seite holten die Band die Geister, die sie selbst riefen, wieder ein: Hier gab es nicht nur Lob, sondern auch Enttäuschung. "Willkommen bei den Gutmenschen und Moralaposteln, mich habt Ihr die längste Zeit als Fan gehabt", schrieb ein Nutzer auf der Facebook-Seite der Band - in einem Song hatte die Band einst selbst angegeben, auf "Gutmenschen und Moralapostel" zu "scheißen". "Am besten, ihr lasst jetzt die Antifa eure Texte schreiben, ihr Heuchler", schrieb ein selbsternannter EX-Fan.

Andere spekulierten, dass der Account der Band gehackt wurde. Die rechtsextreme Internetseite "Political Incorrect" schrieb, die Band habe beschlossen, sich passgenau ins "Land der Vollidioten" zu integrieren.

Zuletzt war Frei.Wild in die Schlagzeilen geraten, weil sie einen Auftritt in Hamburg mit der Überschrift "Der Reeperbahn ihr Festival, Frei.Wild live im Platzhirsch" beworben hatten - beim ersten Lesen konnte so der falsche Eindruck entstehen, die Band gehöre zum Line-up des Reeperbahnfestivals. Die Veranstalter hatten sich danach davon distanziert und darauf hingewiesen, keinem extremen oder faschistischen Gedankengut eine Plattform zu bieten. "Zu keiner Zeit hätten wir der Band ein Forum oder eine Bühne geboten."

eth

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