Gedenkminute am Ganges Abschied von George Harrison

Die Asche des verstorbenen Ex-Beatles George Harrisons soll von seiner Familie in der hinduistischen Pilgerstadt Varanasi in den Ganges gestreut werden. Dieser Abschied von der Welt war der letzte Wunsch des Musikers. Fans und Freunde in aller Welt sind zu einer Gedenkminute aufgerufen.


Abschied am Ganges: George Harrison
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Abschied am Ganges: George Harrison

Mahamantra Das, ein Sprecher der hinduistischen Hare-Krishna-Sekte in Neu Delhi, lüftete erst wenige Stunden vor der Zeremonie in einem Gespräch mit der BBC das Geheimnis um George Harrisons letzten Weg. Außer in Varanasi, wo in jedem Jahr mehr als eine Million hinduistische Pilger im Wasser des Ganges ein rituelles Bad nehmen, soll ein Teil der Asche Harrisons auch an zwei anderen heiligen Orten verstreut werden: in Allahabad und Brindavan. Die Zeremonie soll am Montagabend um 22.30 Uhr (MEZ) stattfinden. Harrisons Witwe Olivia forderte alle Fans und Freunde dazu auf, gleichzeitig eine Gedenkminute für den verstorbenen Musiker abzuhalten.

Bisher hatte es geheißen, die Überreste des am Donnerstag in Los Angeles an Krebs gestorbenen 58-jährigen Ex-Beatles solle im Fluss Jamuna, einem Zufluss des Ganges, verstreut werden. Mahamantra Das sagte am Montag zur Erklärung, Harrisons Witwe Olivia, 53, und Sohn Dhani, 23, wollten in Varanasi unerkannt bleiben und betrachteten ihren Aufenthalt in der Stadt als "sehr privat". Der zum Hinduismus übergetretene Musiker habe die Stunden nach seinem Tod mit seiner Familie und Gurus der Hare-Krishna-Bewegung minutiös geplant.

"Er war ein aufrichtiger Gläubiger", sagte Das. Mitglieder der Hare-Krishna-Bewegung in aller Welt hätten für die Seele Harrisons gebetet. Mit der Zeremonie am Ufer des Ganges werde der Übergang seiner Seele in das ewige Bewusstsein symbolisiert. Für Hindus gilt es als sehr erstrebenswert, in Varanasi zu sterben.

Schon drei Stunden vor der Zeremonie wollen sich am Montagabend in Harrisons Heimatstadt Liverpool die Fans des Musikers zu einer Gedenkminute versammeln, zu der die Stadt aufgerufen hat. Rund 6000 Menschen werden erwartet. In Deutschland nehmen Hunderte Menschen im Beatles-Museum in Halle (Sachsen-Anhalt) Abschied von Harrison. Spontan wurden Blumen und Kerzen als Dank vor dem Museumstor abgelegt.

In Rom wurden im Gedenken an Harrison am Wochenende spontan Konzerte organisiert. Eros Ramazzotti erinnerte beim Abschlusskonzert seiner Welttournee in Mailand an den Ex-Beatle. Bei einer Preisverleihung des US-Musiksenders VH1 in Los Angeles spielte Jon Bon Jovi den von Harrison geschriebenen Beatles-Hit "Here Comes The Sun" und sagte dann: "Du wirst uns fehlen, George." Weggefährten der Beatles aus Hamburger Zeiten wollen ihn mit einer Gedenk-Party ehren. Noch im Dezember sollen in St. Pauli mit Beatles-Revival-Bands und Live-Mitschnitten der legendären Pilzköpfe die "Fab Four" gefeiert werden.

Londoner Musikgeschäfte berichteten, das Harrison-Album "All Things Must Pass" sei ausverkauft. Die Boulevardzeitung "The Sun" begann eine Kampagne, um eine Neuauflage des Harrison-Hits "My Sweet Lord" zu erreichen, der zu Weihnachten auf Platz eins der Hitparade landen könne. Wie am Wochenende bekannt wurde, hatte Harrison noch kurz vor seinem Tod ein neues Album mit 25 Titeln aufgenommen.



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