Lehrerin von David Garrett Geigerin Ida Haendel ist tot

Sie zählte zu den bedeutendsten Violinistinnen des 20. Jahrhunderts, spielte für Papst Benedikt in Auschwitz. Jetzt ist die Geigerin Ida Haendel gestorben.
Musikerin Haendel: Mit dreieinhalb angefangen, Geige zu spielen

Musikerin Haendel: Mit dreieinhalb angefangen, Geige zu spielen

Foto: Petr Eret/ picture alliance/ dpa

Im Jahr 1973 war sie mit dem London Philharmonic Orchestra die erste westliche Solistin, die nach der Kulturrevolution nach China eingeladen wurde. 1993 gab sie ihr Debüt mit den Berliner Philharmonikern. 2006 trat sie im ehemaligen deutschen Konzentrationslager Auschwitz-Birkenau für Papst Benedikt XVI. auf und spielte Händels Gebet "Dettinger Te Deum".

Nun ist die in Polen geborene britische Geigerin Ida Haendel gestorben. Sie sei in ihrem Haus im US-amerikanischen Miami in der Nacht zum Dienstag friedlich eingeschlafen, teilte ihr Neffe Richard Grunberg am Mittwoch auf Facebook mit. Die in Chelm geborene Haendel galt als eine der bedeutendsten Geigerinnen des 20. Jahrhunderts.

"Sie war mir eine wundervolle Tante, und als ihr ständiges Leben auf Reisen ihr keine Zeit für eine eigene Familie ließ, habe ich sie immer als meine zweite Mutter gesehen", schrieb Grunberg weiter.

"Ich glaube, es war mein Schicksal, dass ich Geigerin werde"

Ida Haendel

Zu ihrem Geburtsjahr gibt es unterschiedliche Angaben: Sie selbst habe häufiger eine Urkunde aus dem Jahr 1928 vorgezeigt, ihr Vater habe aber in London einst ein Zertifikat mit einer Datierung auf das Jahr 1923 präsentiert, um so zu belegen, dass seine Tochter die für einen Auftritt notwendige Altersgrenze erreicht habe, berichtet der britische "Guardian".

Haendels Vater arbeitete als Porträtmaler, wäre aber gern Violinist geworden. Deshalb begann er früh, seine Tochter musikalisch zu fördern. Bereits mit dreieinhalb Jahren spielte Ida Haendel Geige. "Ich glaube, es war mein Schicksal, dass ich Geigerin werde. Ich habe mit dreieinhalb angefangen und ich wusste sofort, dass ich Geigerin werde", sagte sie mal in einem Interview mit BR-Klassik.

"Ohne sie wäre ich nicht der, der ich bin"

David Garrett über Ida Haendel

1936 war sie mit ihrer Familie nach Großbritannien gezogen und so dem Krieg in Polen entgangen. Von 1952 an lebte sie dann für fast vier Jahrzehnte im kanadischen Montreal, später zog sie nach Miami. Haendel wurde 1991 mit dem Order of the British Empire ausgezeichnet, mehr als 60 Mal trat sie bei den Proms genannten Promenadenkonzerten auf.

Zu ihren Schülern gehörte auch der deutsche Geiger David Garrett, den sie bereits als Jugendlichen kennenlernte. "Ohne sie wäre ich nicht der, der ich bin", schrieb Garrett auf Twitter. "Im Gedanken bin ich bei ihrer Familie, ihren Freunden und Fans überall auf der Welt."

evh/dpa
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