George Harrison Asche soll nach Indien gebracht werden

Schon in seiner Zeit bei den Beatles bekannte er sich zum Hinduismus, nun soll die Asche des verstorbenen George Harrison nach Indien gebracht werden. Am Totenbett des Musikers wurde offenbar kurz nach seinem Tod eine private Krishna-Zeremonie abgehalten.


Gezeichnet vom langen Leidensweg: George Harrison 1999
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Gezeichnet vom langen Leidensweg: George Harrison 1999

Das berichten britische Zeitungen am Samstag. Die Stadtverwaltung seiner nordenglischen Geburtsstadt Liverpool will derweil einen christliche Gedenkgottesdienst für Harrison veranstalten. Der Termin steht noch nicht fest.

Harrison starb um 13.30 Uhr (Ortszeit, 22.30 Uhr MEZ) im Haus eines Freundes in Los Angeles, wie ein Freund der Familie, Gavin De Becker, laut BBC mitteilte. "Er starb mit einem einzigen Gedanken - liebt einander", sagte De Becker. Seine Frau Olivia Harrison, 51, und sein Sohn Dhani, 23, seien bei ihm gewesen. Die Familie teilte am Freitag mit: "Er ist so gestorben, wie er gelebt hat: in dem Glauben an Gott, ohne Angst vor dem Tod und in Frieden." Harrison, der hinduistischen Glaubens war, hatte oft gesagt: "Alles kann warten, nicht aber die Suche nach Gott."

Freunde und Verehrer in aller Welt trauern um den ehemaligen Beatle. John Lennons Witwe Yoko Ono sagte am Freitag: "Danke George, es war großartig, dich zu kennen." Sir Paul McCartney, 59, der Harrison vor zwei Wochen noch zusammen mit Ringo Starr am Krankenbett besucht hatte, sagte: "Ich bin erschüttert und sehr, sehr traurig. Wir wussten, dass er seit langer Zeit krank war. Er war ein fantastischer Kerl und ein tapferer Mann und hatte einen wunderbaren Sinn für Humor. Er ist wirklich so etwas wie mein jüngerer Bruder gewesen." Sir Bob Geldof äußerte sich "schockiert". Harrison sei ein "zögerlicher Beatle" gewesen, dem sein weltweiter Ruhm immer ein wenig unangenehm gewesen sei. Sein Platz in der Musikgeschichte sei für alle Zeit sicher, so Geldof.

Der "ewige Dritte" Beatle (1965): "Der Stille mit den leisen Tönen"
AP

Der "ewige Dritte" Beatle (1965): "Der Stille mit den leisen Tönen"

Der frühere Beatles-Produzent Sir George Martin sagte am Freitag: "Wie er glaube auch ich jetzt, dass er in eine höhere Dimension eingegangen ist. Gott schenke ihm Frieden." Auch der britische Premierminister Tony Blair zeigte sich betroffen. Harrison habe zusammen mit den drei anderen Beatles das Lebensgefühl einer ganzen Generation geprägt, so Blair. "Menschen auf der ganzen Welt werden ihn sehr, sehr vermissen." Königin Elizabeth II. ließ mitteilen, die Nachricht von Harrisons Tod habe sie "sehr traurig" gemacht. Der irische Ministerpräsident Bertie Ahern äußerte sich ebenfalls "tieftraurig".

Vor Harrisons Schloss westlich von London legten zahlreiche Fans Blumen nieder. In Liverpool, der Geburtsstadt aller vier Beatles, wehten die Flaggen auf halbmast. Kondolenzbücher wurden ausgelegt. In New York kamen Dutzende Fans schon im Morgengrauen im Central Park zusammen. Auch in Hamburg, der Stadt, in der die Beatles zusammengefunden hatten, wurde getrauert. Der Hamburger Fotograf Günter Zint, der die Beatles 1962 bei ihrem Karrierstart im "Star Club" auf St. Pauli kennen lernte, sagte: "George war schon damals der Stille mit den eher leisen Tönen."

While his guitar gently weeps: George Harrison in einem Szenenfoto aus dem Beatles-Film "Help" (1965)
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While his guitar gently weeps: George Harrison in einem Szenenfoto aus dem Beatles-Film "Help" (1965)

Harrison hatte 1997 bekannt gegeben, dass er Krebs habe. Er wurde danach wegen Rachenkrebs behandelt.. Bald darauf lautete die Diagnose Lungenkrebs. Im vergangenen Juni unterzog er sich in der Schweiz einer Strahlentherapie und fühlte sich zeitweise besser. Zusammen mit dem britischen Musiker Jools Holland (Squeeze) nahm er dort noch einen Song auf, seinen letzten. Ein kurz darauf diagnostizierter Gehirntumor erwies sich als inoperabel, woraufhin sich Harrison zuletzt in Los Angeles einer experimentellen Krebsbehandlung unterzogen hat.

Er selbst führte seine Erkrankung stets "einzig und allein auf das Rauchen" zurück. Doch sein Biograf Alan Clayson sagte am Freitag, die Messerattacke durch einen Geistesgestörten im Dezember 1999 habe das Leiden mit Sicherheit verstärkt: "Er wurde in die Lunge gestochen, und das gerade zu der Zeit, als er die Diagnose Lungenkrebs bekam. Ich glaube, das hatte nicht nur einen psychologischen Effekt."

George Harrison galt immer als der introvertierteste und ruhigste der Beatles. Zugleich prägte er das Image der Gruppe entscheidend mit, vielleicht gerade weil er es vorzog, mehr Musiker als Star zu sein. Er wurde am 25. Februar 1943 in Liverpool als Sohn eines Busfahrers geboren und machte zunächst eine Elektrikerlehre. 1958 lernte er John Lennon kennen und schloss sich als Gitarrist der Band an, die 1960 erstmals unter dem Namen The Beatles auftrat. Nach dem Ende der Gruppe 1970 startete Harrison eine Solokarriere. In den vergangenen Jahren, insbesondere nach dem missglückten Mordanschlag, lebte er zurückgezogen auf seinem festungsartigen Schloss westlich von London.



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