Geschenke für Jazzfans Leise rieselt der Schnee aufs Klavier

Womit kann man Freunde zum Fest beglücken? Kommt drauf an, welche Hobbys sie haben: Hier kommen viele Vorschläge für Menschen, die vor allem Jazz mögen. Und einer für Menschen, die gern kochen - und nebenbei Jazz hören.

Klaus Muempfer / WATT

Es müssen nicht immer Platten sein. Bücher zum Thema können genauso gut ankommen, zum Beispiel der Bildband "Roads of Jazz" über die Wege des Jazz von seinem Geburtsort New Orleans zu den späteren Zentren Chicago und Kansas City, New York und Los Angeles. Der langjährige SPIEGEL-Journalist Peter Bölke und Rolf Enoch haben das unterhaltsame Buch zusammengestellt; zu den Fotos von Schauplätzen und Protagonisten wie Louis Armstrong, Miles Davis und Dave Brubeck schrieb Bölke informative Texte - eine Geschichte des Jazz, mit der Fans neue Fans ködern können. Zumal sechs CDs den Bildband ergänzen.

Beim herrschenden Kochwahn war es nur eine Frage der Zeit, bis jemand die beiden Künste in einem Buch zusammenrühren würde. Das tut nun der Mannheimer Trompeter und Gründer des Labels "Jazz 'n' Arts", Thomas Siffling. 2007 hatte er das Album "Kitchen Music" produziert, nun bat er acht Spitzenköche, ein Vier-Gänge-Menü zu entwerfen. Die Rezepte illustrierte Martin Burkhardt, als Beigabe zu dem Buch serviert Siffling eine CD mit leicht verdaulichem Jazz.

Die Glocken der Hölle läuten harmonisch

Wohlig warm klingen in der Regel auch die Weihnachtssongs im Jazzgewand, die alle Jahre wieder schon Wochen vor dem 1. Advent auf den Markt kommen. Zwei aktuelle Beispiele: Lieder, die wir kennen, hat Carla Bley phantasievoll für ein Blechbläser-Quintett arrangiert; dazu improvisiert sie selbst auf dem Klavier, und ihr Mann, Steve Swallow, lässt seinen E-Bass wie eine Gitarre klingen. Einen swingenden Jazz-Bass spielt er nur bei der Bley-Komposition "Hell's Bells". Freilich läuten selbst die Glocken der Hölle harmonisch. Dass die Platte nicht in süßlichen Kitsch abrutscht, garantiert der Name Carla Bley.

Und was ist, wenn Flocken auf ein Klavier rieseln? Ein Bild mit dem Titel "It's Snowing On My Piano" inspirierte den Produzenten Siggi Loch: Er bat den norwegischen Avantgarde-Jazzer Bugge Wesseltoft, sich ans Klavier zu setzen und "mit Weihnachten im Hinterkopf" zu improvisieren. So entstand 1997 ein besinnliches Soloalbum. Seitdem wurde es als Saisonrenner 83.000 Mal verkauft. In diesem Jahr kann man den Künstler auch optisch wahrnehmen: Zur CD gibt es eine DVD, die Wesseltoft als Gast auf einem Weihnachtskonzert seines Freundes Nils Landgren zeigt.

Das hätte auch Bach und Händel gefallen

Jazzmusiker wie Wesseltoft und Landgren lieben Bach, weil Melodien für den Barockmeister nicht sakrosankt waren, sondern Material für Improvisationen. Kein Wunder also, dass immer wieder Bach-Alben von Jazzern erscheinen. Unter denen ragt die CD eines Hamburger Quartetts heraus: Gabriel Coburger (Saxofon, Flöte), Buggy Braune (Piano), Olaf Casimir (Bass) und Kai Bussenius (Drums) spielen Bearbeitungen von Bachs Flötensonaten und der Matthäus-Passion - dem genialen Komponisten hätten sie sicher gefallen.

Bachs Zeitgenosse Georg Friedrich Händel starb vor 250 Jahren: ein Anlass für viele Neu-Interpretationen seiner Werke, auch von Jazzmusikern. Und so beginnt der Pianist Rolf Zielke eine CD mit "Hallelujah" aus dem Messias Oratorium. Der Beitrag seines Sextetts zum Händel-Jahr gehört sicher zu den Jazzalben, die gut auf einen Gabentisch passen.


CDs:
Carla Bley: "Carla's Christmas Carols" (ECM);
Bugge Wesseltoft: "It's Snowing On My Piano" (ACT);
Bach Quartet: "Bach Jazz" (AO-NRW);
Rolf Zielke: "Handel Jazz" (Neuklang).

Bücher siehe oben links.



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