Grammy-Nominierungen Ein Newcomer namens Kanye West

Die meisten fragen sich immer noch, wie man seinen Namen ausspricht (Kahn-je), dabei hat Kanye West den HipHop umgekrempelt. Bei den diesjährigen Grammy-Awards ist der Rapper und Produzent ganz vorn dabei: Für stolze zehn Preise wurde er nominiert. Im Bereich Dance geht der Berliner DJ Paul van Dyk ins Rennen.


Rap-Star Kayne West: "Ein Volltreffer"
Amy V. Cooper

Rap-Star Kayne West: "Ein Volltreffer"

Die Grammy Awards haben ein Faible für Newcomer - man denke an die Erfolge von Soul-Prinzessin Alicia Keys und Jazz-Neuentdeckung Norah Jones. Dieses Jahr dominiert der HipHop-Star Kanye West den Wettbewerb um die begehrtesten Trophäen des amerikanischen Musikgeschäfts. Zehn Nominierungen kann der Rapper und Produzent verbuchen, darunter die für den besten Song des Jahres ("Jesus Walks"), das beste Album ("The College Dropout") und als bester Newcomer.

"Zehn Nominierungen, das ist umwerfend", erklärte West, der selbst als Moderator der Grammy-Vorentscheidung im Music Box Theatre in Hollywood auftrat, gegenüber der Nachrichtenagentur AP. "Das ist ein Volltreffer. Ich bin sprachlos!"

Mehrere Künstler, darunter Alicia Keys, der im Juni im Alter von 73 Jahren verstorbene Ray Charles und R&B-Superstar Usher, wurden in zwei der drei großen Kategorien nominiert: für den besten Song und das beste Album des Jahres.

Damit bestätigen die 47. Grammy Awards einen weltweiten Trend: Afrikanisch-Amerikanische Popmusik und ihre Genres Soul, R&B und HipHop bestimmen den Markt und dominieren die Jugendkultur. Konsequent also, wenn die millionenfach verkaufte Hitsingle "Yeah!" sowie das Album "Confessions" von Usher für die beste Aufnahme und das beste Album im Gespräch sind. Alicia Keys, die gerade mit dem Usher-Duett "My Boo" die Pop-Charts stürmt, wurde für ihren Song "If I Ain't Got You" und ihr Album "The Diary of Alicia Keys" nominiert.

Grammy-Nominierte Alicia Keys und Usher: Mit R&B und Soul an die Spitze
REUTERS

Grammy-Nominierte Alicia Keys und Usher: Mit R&B und Soul an die Spitze

Die Soul-Legende Ray Charles wurde postum mit einer Nominierung für sein Album "Genius Loves Company" geehrt. Die CD versammelt Duette des Sängers mit Musikerkollegen wie Natalie Cole, Gladys Knight und B.B. King. Einzige Ausnahmen im Nominierungssegen für schwarze Popstars in den großen Kategorien: die Alternative-Rockband Green Day, die mit "American Idiot" (bestes Album) ins Rennen geht, und die texanisch-mexikanische Rockband Los Lonely Boys, deren Album "Heaven" nominiert wurde.

In den Unterkategorien für die besten Platten eines bestimmten Genres - darunter bestes Rock-, bestes Counry- und bestes Rap-Album -, bewähren sich die Veteranen der Branche. Zu den R&B-Nominierten gehören die 56-jährige Soul-Dame Anita Baker ("My Everything"), Al Green ("I Can't Stop") und Funk-Pop-Chamäleon Prince ("Musicology"). In der Sparte Rock-Alben setzten sich Green Day, Elvis Costello & The Imposters ("The Delivery Man") und Velvet Revolver ("Contraband") durch.

Im Country-Genre glänzte Altstar Loretta Lynn nach jahrelanger Medien-Abstinenz mit einer Nominierung für das von Jack White produzierte Album "Van Lear Rose". Keith Urban ("Be Here") und Tim McGraw ("Live Like You Were Dying") sind ebenfalls mit Nennungen vertreten.

Pop-Ikone Brian Wilson: Mit "Smile" lacht vielleicht ein Grammy
AP

Pop-Ikone Brian Wilson: Mit "Smile" lacht vielleicht ein Grammy

In der Kategorie bestes Rap-Album können sich die HipHop-Rabauken Beastie Boys ("To the 5 Boroughs"), LL Cool J ("The Definition") und Black-Music-Mogul Jay-Z ("The Black Album") über Nominierungen freuen.

"Brian Wilson Presents Smile", die Veröffentlichung des 1967 zurückgehaltenen legendären "Smile"-Albums von Beach-Boys-Frontmann Brian Wilson, wurde für das beste Pop-Album nominiert.

Auch deutsche Künstler können sich erneut Hoffnungen auf die begehrte Musik-Trophäe machen. In der erstmals aufgestellten Kategorie Dance wurde der Berliner DJ Paul van Dyk mit seinem jüngsten Album "Reflections" nominiert.

Der niedersächsische Bariton Thomas Quasthoff und der Münchner Klassik-Produzent Manfred Eicher sind zum wiederholten Male für Grammys nominiert worden. Quasthoff hatte im Februar dieses Jahres bereits den Grammy als bester klassischer Sänger des Jahres 2003 gewonnen. Diesmal wurde er in der selben Kategorie für seine CD "A Romantic Songbook" - unter anderen mit Liedern von Strauss, Schubert und Mendelssohn - nominiert. Mitbewerber um den Grammy sind Karita Mattila, Lorraine Hunt Lieberson, Susan Graham und Angela Maria Blasi.

Manfred Eicher wurde wie schon im Vorjahr als bester Klassik-Produzent nominiert. Bei der Grammy-Verleihung für 2003 war er allerdings leer ausgegangen. Der Gründer des Münchner Labels ECM hatte den Preis allerdings bereits 2002 gewonnen. Diesmal erhielt er die Nominierung unter anderem für die Produktion von Till Fellners Interpretation von Bachs "Das Wohltemperierte Klavier" sowie für Machauts "Motteten" mit dem Hilliard Ensemble.

Die Musica Antiqua Köln und ihr Dirigent Reinhard Goebel wurden mit ihrer Einspielung von Bibers "Harmonia Artificiosa" aufgeführt. Sie wurden in der Kategorie beste Darbietung eines kleinen Ensembles nominiert.

Auch eine gemeinsame Aufnahme des Radio-Sinfonie-Orchesters (RSO) mit der Big Band des Hessischen Rundfunks (hr) fand das Wohlwollen der Grammy-Academy: Die Einspielung der Klassik/Jazz-Komposition "Scorched" von Mark-Anthony Turnage und John Scofield unter Dirigent Hugh Wolff wurde gleich zwei Mal nominiert: in der Kategorie "Bestes klassisches Crossover Album" sowie als bestproduziertes Album.

Am 13. Februar 2005 ist es so weit: Dann wird der Oscar der Musikbranche in Los Angeles verliehen und amerikaweit auf CBS übertragen.



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