Grammys 2001 Deutsche Klassik könnte abräumen

Deutsche Popmusik hat bei der Grammy-Verleihung keine Chance, mit Größen wie Eminem oder Destiny's Child mitzuhalten. Dafür haben die Deutschen gute Aussichten auf den angesehenen Musikpreis bei Klassischer Musik.


Beim Grammy für den besten klassischen Gesangssolisten hat auch Bariton Thomas Quasthoff eine Chance.
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Beim Grammy für den besten klassischen Gesangssolisten hat auch Bariton Thomas Quasthoff eine Chance.

Los Angeles - Bei Pop, Rock, Blues oder Jazz spielen Deutsche nicht mit, wenn in der Nacht zum Donnerstag wieder die Grammys vergeben werden. Aber in der Klassischen Musik haben deutsche sowie in Deutschland wirkende Künstler sehr gute Chancen auf Preise. Vor allem die Berliner Philharmoniker dürfen sich Hoffnungen machen. Sie wurden in vier Kategorien für die hoch angesehenen amerikanischen Musikpreise nominiert.

Zu den deutschen Grammy-Hoffnungen gehören auch die beiden Baritone Thomas Quasthoff und Matthias Goerne, der Komponist Heiner Goebbels, die Berliner Staatskapelle unter Daniel Barenboim, Helmuth Rilling als Leiter der Gächinger Kantorei und des Bach-Kollegiums Stuttgart sowie die Musica Antiqua Köln, geleitet von Reinhard Goebel. In der Musikwelt gilt es bereits als Auszeichnung, überhaupt für einen Grammy nominiert zu werden.

In der Kategorie "Beste Operneinspielung" wurde der Hamburger Generalmusikdirektor Ingo Metzmacher als Dirigent des Philharmonischen Staatsorchesters Hamburg für die Aufnahme von Alban Bergs "Wozzeck" nominiert. Für das "Beste Klassische Album" und die "Beste Orchesteraufführung" kam eine Aufnahme von Gustav Mahlers Symphonie Nr. 10 durch Sir Simon Rattle mit den Berliner Philharmonikern in die engere Wahl.

Die Berliner Staatskapelle unter Daniel Barenboim konkurriert mit Beethovens Symphonien in der Sektion der besten Orchester-Darbietung gegen die Berliner Philharmoniker. Helmuth Rilling könnte mit Bachs Weihnachtsoratorium einen Grammy für die "Beste Chor-Darbietung" bekommen. Außerdem ist er in derselben Kategorie noch für die Leitung des Oregon Bach Festival-Chors mit Pendereckis "Credo" nominiert.

Als kleine Ensembles treten gleich zwei Gruppen der Berliner Philharmoniker gegeneinander an, einmal unter dem Dirigenten Claudio Abbado mit Hindemiths Kammermusik Nr. 2,3,6 & 7, und das andere Mal mit der Sopranistin Juliane Banse und den zwölf Cellisten des Orchesters mit Werken von Villa-Lobos, Piazolla und Salgan in der Aufnahme "South American Getaway". Dritter deutscher Anwärter in der Kategorie "Kleine Ensembles" ist Musica Antiqua Köln mit mehreren Streichkonzerten von Telemann.

Im Wettstreit der besten klassischen Gesangssolisten dürfen die Baritone Thomas Quasthoff ("Brahms: Lieder und Gesänge/Tre Sonetti di Petrarcae") und Matthias Goerne mit Bachs Cantatas BWV 82,158 & 56 auf einen Grammy hoffen. Heiner Goebbels ist in der Kategorie der besten zeitgenössischen klassischen Kompositionen mit seinen "Surrogate Cities", gespielt von der Jungen Deutschen Philharmonie, vertreten.

Der in Hollywood erfolgreiche Filmkomponist Hans Zimmer, der aus Frankfurt am Main stammt, hat zusammen mit seiner Kollegin Lisa Gerrard Aussicht auf einen Grammy für den Soundtrack zum Oscar- Favoriten "Gladiator". Regisseur Wim Wenders könnte mit "Teatro", einem langen Musikvideo über den Country-Barden Willie Nelson, zum Zuge kommen.

Die Grammys werden in insgesamt 100 Kategorien von Rock und Pop über Folk, Jazz, Soul, Gospel und Alternative Musik bis zur Klassik und Filmmusik vergeben. Die Entscheidung über die Preisvergabe wurde von den fast 17.000 Mitgliedern der National Academy of Recording Arts & Sciences (NARAS) in den letzten Wochen in geheimer Briefabstimmung getroffen. Die Ergebnisse, die eine angesehene Notarskanzlei unter den Einsendungen ermittelt hat, werden erst in der Grammy-Nacht im Staples Center in Los Angeles bekannt gegeben.



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