Grand-Prix-Kandidaten "Krawall und traditionelle Schlager wird es diesmal nicht geben"

Die gute Nachricht: Beim Eurovision Song Contest in Riga will sich Deutschland ganz seriös und selbstbewusst geben - krude Comedy und altbackene Schlager sind die Ausnahme unter den Kandidaten für den Grand-Prix-Vorentscheid am 7. März. Die schlechte Nachricht: Ralph Siegel ist auch wieder dabei.


Hamburger Sängerin Senait: Für die "taz" in den Vorentscheid
DDP

Hamburger Sängerin Senait: Für die "taz" in den Vorentscheid

Hamburg - Klassische Schlager und Klamauk-Auftritte sollen bei der nationalen Vorentscheidung am 7. März in Kiel keine Rolle mehr spielen. "Krawall und traditionelle Schlager wird es diesmal nicht geben. Der Grand Prix ist zu einer modernen Pop-Musik-Show geworden", sagte Jürgen Meier-Beer, Unterhaltungschef des Norddeutschen Rundfunks (NDR) am Montagabend in Hamburg bei der offiziellen Bekanntgabe der 15 Kandidaten. Das stimmt natürlich nicht ganz, denn immerhin gehört auch Kanzler-Imitator Elmar Brandt ("Die Gerd Show") zu den Teilnehmern des Vorentscheids. Der Blödel-Barde startet mit Unterstützung der "Bild-Zeitung" und verspricht mit seinem neuen Song "Alles wird gut" durchaus eine hochnotpeinliche Comedy-Einlage.

Die Wettbewerbs-Songs der diesjährigen Teilnehmer wurden bei der Präsentation im überfüllten "Schmidts Tivoli"-Theater an der Hamburger Reeperbahn allerdings noch nicht vorgestellt. Nach Angaben des NDR, der den Vorentscheid in der ARD ausrichtet, werden die Beiträge - darunter neun deutschsprachige - vom 7. Februar an im Radio zu hören sein.

Elmar Brandt: Comedy vom Kanzler-Imitiator
DPA

Elmar Brandt: Comedy vom Kanzler-Imitiator

Zu den Bewerbern um die deutsche Grand-Prix-Mission gehören "Der Junge mit der Gitarre", der für die "Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung" an den Start geht, sowie die Sängerin Senait, die von der Berliner Tageszeitung "taz" ins Rennen geschickt wird. Erstmals stellen gleich drei Zeitungen - im Verbund mit Plattenfirmen - jeweils einen eigenen Kandidaten für die Kult-Veranstaltung.

Der Sieger der Qualifikation wird beim Finale des Eurovision Song Contest am 24. Mai im lettischen Riga für Deutschland singen. Der Druck auf die Kandidaten ist enorm: Im vergangenen Jahr war die deutsche Vertreterin Corinna May mit ihrem Ralph-Siegel-Song "I Can't Live Without Music" im Finale in Tallinn (Estland) gerade mal auf dem 21. Platz gelandet.

Entgegen aller Rückzugsankündigungen wird der Grand-Prix-Veteran Ralph Siegel auch in diesem Jahr wieder antreten. Sein neuer Schützling ist die Sängerin Lou, die bei der Vorentscheidung 2001 bereits auf den dritten Platz kam. "Für mich war der Grand Prix ein Kindheitstraum und ich freue mich, wieder dabei zu sein", sagte die Sängerin, die ohne ihren erkrankten Komponisten nach Hamburg gekommen war.

Kandidat Joachim Deutschland: "Selbstbewusstes Vetrauen"
DPA

Kandidat Joachim Deutschland: "Selbstbewusstes Vetrauen"

Zu den weiteren Teilnehmern zählen die Bands Beatbetrieb, Vibe, Freistil, Lovecrush und Tagträumer im Duett mit der Sängerin Aynur. Außerdem wollen die Solo-Künstlerinnen Charlemaine und Isgaard sowie die Musiker Elija, Sascha Pierro und Joachim Deutschland um das Ticket nach Riga singen. Die polnische Gruppe Troje versucht ihr Glück beim Grand Prix sogar in zwei Anläufen: Das Trio startet sowohl in Polen als auch in Deutschland bei der Vorentscheidung und könnte als Sieger für beide Länder in Riga antreten.

Mit ihrer Auswahl setzen die Plattenfirmen, die die Teilnehmer für den Sängerwettstreit stellen, nach Ansicht Meier-Beers auf "echte Erfolgschancen Deutschlands im internationalen Finale". Das Überwiegen der deutschsprachigen Titel in diesem Jahr bringe das "selbstbewusste Vertrauen" zum Ausdruck, dass die deutsche Sprache und internationale Pop-Qualität miteinander vereinbar seien. "Damit scheint die Erneuerung des Grand Prix Eurovision in Deutschland endlich gelungen."



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