Grand-Prix-Vorentscheid Alte Hasen nach Athen

Wenn heute Abend der Sieger des Grand-Prix-Vorentscheids ermittelt wird, geht es um mehr als nur ein Ticket nach Athen. Zur Debatte steht auch, ob das neue Konzept des NDR den Zuschauergeschmack trifft. Nach dem Misserfolg im letzten Jahr braucht der Gesangswettstreit vor allem gute Quoten.

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Hamburg - Am Ende sind drei Kandidaten übrig geblieben, die Deutschland beim Eurovision Song Contest vertreten wollen. Zuvor hatte der neue NDR-Unterhaltungschef Jan Schulte-Kellinghaus eine Reihe von Absagen hinnehmen müssen. "Wir sind von Redaktionsseite auf viele Künstler zugegangen", sagte der 36-Jährige über seinen Versuch, den deutschen Vorentscheid erneut umzukrempeln.

Jane Comerford (v.l.), Olli Dittrich, Vicky Leandros, Thomas Anders: "Drei Stunden bequatscht"
DPA

Jane Comerford (v.l.), Olli Dittrich, Vicky Leandros, Thomas Anders: "Drei Stunden bequatscht"

Nun sind es nur noch drei statt zehn Teilnehmer - und der NDR hofft mit seinem verschlankten Konzept auf die Gunst der Zuschauer. Um die Teilnahme zum internationalen Wettstreit am 20. Mai in Athen buhlen jetzt Schlagerikone Vicky Leandros, die ehemalige Hälfte von Modern Talking, Thomas Anders, und Olli Dittrichs Countryband Texas Lightning.

Experimente und Skurrilitäten soll es beim Wettbewerb diesmal nicht geben. Nach dem Grand-Prix-Debakel im Vorjahr, als die im Vorentscheid ermittelte Kandidatin Gracia Baur in Kiew mit dem Titel "Run and Hide" auf dem letzten Platz landete, geht es in diesem Jahr vor allem darum, den Deutschen wieder Lust auf den europäischen Sängerwettstreit zu machen. Das Zuschauerinteresse war im vergangenen Jahr auf 11,2 Prozent Marktanteil zusammengeschrumpft. Jetzt will Schulte-Kellinghaus "15 Prozent Marktanteil" erreichen.

Interaktive Karte

Für den Nachfolger des langjährigen Grand-Prix-Betreuers Jürgen Meier-Beer haben alle deutschen Teilnehmer "internationales Potential", und auch der neuerdings Eurovision Song Contest genannte Grand Prix ist für ihn noch immer "Kult für Jung und Alt". Die Regeln indes haben sich leicht geändert: Beim diesjährigen Vorentscheid, der heute Abend im Deutschen Schauspielhaus in Hamburg über die Bühne geht, treten die drei Kandidaten jeweils zweimal auf. Neben ihren eigenen Wettbewerbsnummern präsentieren sie zusätzlich jeweils einen Hit aus dem reichhaltigen Repertoire der 50-jährigen Geschichte des Chanson-Wettbewerbs. Moderiert wird die Veranstaltung vom ewigen Grand-Prix-Fan Thomas Hermanns. Abgestimmt wird wie immer per Telefon.

Ob es auch im internationalen Vergleich reichen wird, ist allerdings fraglich, zumal die deutlich im reiferen Alter befindlichen Interpreten nicht unbedingt ein allzu junges - und damit anruffreudiges - Publikum ansprechen dürften. Die Band um "Dittsche"-Darsteller Olli Dittrich, die mit dem Song "No No Never" ins Rennen geht, ist auch in Deutschland noch unbekannt. Schlagersängerin Vicky Leandros musste laut "Süddeutsche Zeitung" erst "drei Stunden bequatscht werden", bevor sie überhaupt zusagte. Die Grand-Prix-Gewinnerin von 1972 tritt heute Abend mit ihrer Popballade "Don't Break My Heart" an. Thomas Anders' Nummer "Songs That Live Forever" ist offenbar so wenig einprägsam, dass sie auf der offiziellen Website des NDR sogar falsch geschrieben wurde.

Ergänzt wird die Gala von Gastauftritten ehemaliger Contest-Teilnehmer. Neben Joy Fleming, Michelle und Dana International wird auch Hape Kerkeling einen "Überraschungsauftritt" (NDR) absolvieren. Vielleicht bekommt der Komiker für Athen ja eine "Wild-Card". Dann wäre der Grand Prix wieder um einen Jux reicher. Und zumindest für die Show in Athen wäre eine gute Einschaltquote garantiert.



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